Hoffnung

Gleich ist das alte Jahr vorüber und die Medien sind voll mit Jahresrückblicken aller Art.

Aber wenn ich an 2007 denke fallen mir neben meiner eigenen Hungerlohnsituation vor allem die vielen Fälle von Kindesmißhandlungen und Morde an Kindern ein. Die Medien waren so voll mit Berichten über verhungerte, mißhandelte und ermordete Kinder, dass mich ein Gefühl beschleicht das mir sagt, dass dieses Land kein guter Platz für Kinder ist. Da töten Mütter ihre Kleinkinder oder lassen sie elendig verhungern und keiner in der Nachbarschaft merkt was davon. Und die Jugendämter sind nicht fähig genug zu helfen. Und da kann die Märchentante Merkel in ihrer Neujahrsansprache noch so viel von einer „Kulter des Hinsehens“ faseln. Soziales mitmenschliches Verhalten wird leider immer weiter zurückgedrängt. Jeder ist sich selbst der Nächste geworden. Und Kinder aus der Unterschicht haben auch heute kaum Chancen aufzusteigen. Hoffentlich wird mein Benny es trotzdem schaffen.

Dazu will die Politik ja jetzt mehr Geld in Kitas und die Bildung stecken. Hoffentlich keine leeren Versprechungen!

Auch wenn jetzt alle das neue Jahr feiern und ich schon die Böller im Hintergrund höre so kommt bei mir keine rechte Freude auf wenn ich an die Zukunft denke. Mein Job wird nicht besser bezahlt und alles wird teuerer! Natürlich hoffe ich auch auf ein erfolgreiches und glückliches neues Jahr, es fällt mir nur schwer daran zu glauben. Aber ich lasse mich gerne davon überzeugen! Auch im Interesse meiner Familie!

******* In diesem Sinne uns allen ein glückliches und erfolgreiches Jahr 2008! Insbesondere für die Kinder! *******

Benny

Arbeitsplatz

…und an Sylvester und Neujahr auch noch! Allerdings sind auch viele Arbeiter übers Wochenende und Sylvester im Werk beschäftigt!

Während ich aber nur im Werk rumlaufen und überwachen muss sind die Arbeiter richtig am malochen. Für 8 EURO die Stunde klettert da eine Putzkolonne zirkusreif auf den großen Anlagen herum und riskiert für wenig Geld Gesundheit und Leben. Da wird die Kranbahn und Presse geputzt und neu angestrichen. Das alles muss bis nachmittags fertig werden weshalb die türkischen Kollegen auch richtig reinhauen und wie Zirkusartisten auf den Maschinen rumklettern da nicht genug geeignete Bühnen vorhanden sind.

Trotzdem sind die Kollegen bei guter Laune und unterhalten sich gerne lebhaft untereinander. Bei Gesprächen in denen ich sie bitte vorsichtig zu sein und lieber die Arbeit langsamer fortzuführen erfahre ich, dass sie aus Hattingen kommen und für einen Subunternehmer arbeiten. Offenbar verdient ihr Chef gar nicht so schlecht, denn er fährt mit einem fetten VW Touareg aufs Werksgelände. Morgen früh werde ich ihn mal bitten für seine Leute gefälligst sichere Bühnen und Höhensicherungen zu beschaffen! Solche Sachen passieren nur mal nebenbei bemerkt in einem hochprofitablen Unternehmen!

Schön anzusehen und profitabel

Kleingeld

Möchten kapitalhörige Zeitungen die Armen gegeneinander aufhetzen?! Wenn ich mir die Schlagzeilen von konservativen Blättern so ansehe kommt mir dieser Verdacht!

Dass sowohl „Hartz IV“-Empfänger wie Kleinrentner kaum genug Geld zum Leben haben wird da einfach verschwiegen. Stattdessen wird der Eindruck erzeugt als ob 647 EURO Rente im Monat zuviel Geld wären. Und die schreibenden Kapitaldiener aus der Zeitungsredaktion der Rheinischen Pest verbreiten die Weisheit, dass die „Mär vom armen Hartz-IV-Empfänger“ nicht wahr ist.

Dass sowohl der Kleinrentner als auch der Hartz IV-Empfänger von Leistungen abhängig ist um zu überleben schert die „Zeitung für christliche(?) Kultur“ nicht und veröffentlicht auch gerne Behauptungen der OECD dass „Hartz IV“ viel zu üppig sei! Natürlich sollen die Arbeitslosen auch für Hungerlöhne arbeiten gehen, denn Mindestlöhne sind gefährlich für die Gewinnerwartungen der Kapitalbesitzer. Und wenn Mindestlöhne schon durch den Druck der öffentlichen Meinung unvermeidlich werden dann nur auf Hungerlohnniveau zwischen 4 und 7 EURO die Stunde, brutto selbstverständlich! Dass der Arbeitnehmer dann wieder Geld vom Staat bekommen muss um zu überleben ist für die schreibenden Kapitaldiener nicht weiter schlimm. Schließlich hat ja auch der Kapitalpräsident Köhler jetzt wieder gegen den Mindestlohn Stellung bezogen und indirekt für mehr Armut geworben.

Eigentlich kann man als einfacher Arbeitnehmer nur noch dazu raten den Konsum möglichst ganz einzustellen oder zumindestens auf das allernotwendigste zu reduzieren! So kann man den ganzen gut bezahlten Experten aus Wirtschaft und Politik mal die Sinnhaftigkeit ihrer Ideologie vor Augen führen und die Waren in den Regalen liegen lassen oder schnell wieder umtauschen („…die Digicam ist nicht gut…“). Denn wenn Gewinne und Umsätze einbrechen wird die Wirtschaft ihren inoffiziellen Mitarbeitern im Bundestag und in der Bundesregierung schon klar machen, dass ein bischen mehr „sozial“ doch besser für die Bilanzen ist!

Und auf die Wirtschaft hören „unsere“ Politiker eh mehr als auf uns Wähler!

P.S.: Das Abo der Rheinischen Pest habe ich natürlich gekündigt. Als Hungerlöhner ist diese Zeitung für mich ein permanenter Schlag ins Gesicht!

Endlich wieder Werkschutz!

28. Dezember 2007

Schön

Heute konnte ich wieder als Werkschützer arbeiten, und das sogar zum Werkschutztarif!

Das bedeutet mit den Zulagen für die Feiertage wenigstens etwas mehr Geld und die Möglichkeit den Bittgang zur ARGE zu vermeiden! Zumal über 10 EURO die Stunde für einen Hungerlöhner wie mich viel Geld ist!

Vor allem aber ist es wieder eine interessante Tätigkeit in der man mit Menschen zu tun hat und die Arbeitswelt in einem Industriebetrieb hautnah miterleben kann. So kann ich in den nächsten Tagen zahlreiche große Produktionsanlagen beobachten wie Beize, Schmiede und Drehwerkstatt. Und die vielen Produkte, die sich aus Titan herstellen lassen. Das sieht sogar ästhetisch interessant aus! Auch wenn ich dafür auf Sylvester und Neujahr verzichten muss!

Krupp

Ist irgendwie schon merkwürdig: bei ThyssenKrupp Stahl darf ich nicht arbeiten, aber alte Krupp-Gebäude soll ich über die Feiertage bewachen!

Krupp

Und das ist schon eine Zumutung ganz alleine 12 Stunden lang durch ein großes leeres Gebäude zu spazieren und dutzende Türen zu überprüfen und auf eventuelle Eindringlinge zu achten. Und das nach Kollegenauskunft für sage und schreibe 7,30 EURO die Stunde, brutto versteht sich!

Krupp

Da freut man sich sogar über fehlgeleitete Handwerker, die glaubten heute im Gebäude arbeiten zu müssen. War aber Fehlanzeige.
Auch wenn die Architektur des Hauses in ihrer nüchternen Sachlichkeit auch ihren Reiz hat, so freue ich mich morgen wieder Werkschutz in einem Industriebetrieb machen zu dürfen. Und die Ironie dabei ist auch noch, dass es sich um ein Unternehmen des ThyssenKrupp-Konzerns handelt!

Da soll aber die Bezahlung stimmen und mit den Feiertagszuschlägen wird der Dezemberlohn wenigstens nicht ganz so kümmerlich!

Krupp

„Eigentum verpflichtet…“

25. Dezember 2007

Schlechtes Hochhaus

…Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen…(Artikel 14 des Grundgesetzes).

Gutes Hochhaus?

Bei meinem heutigen Spaziergang fiel mir der offensichtliche Unterschied zwischen den einzelnen Hochhäusern in Hochheide auf. Und da ich ja nicht immer nur negativ schreiben will muss ich hier auch mal deutlich machen, dass es auch Eigentümer bei den Weißen Riesen gibt, die sich wirklich um ihr Eigentum kümmern und es pflegen. Der Unterschied ist sofort zu erkennen!

An der Ottostraße ist das besonders gut zu erkennen: während das erste Hochhaus auf der Ottostraße fast schon schmuck und gut gepflegt wird sind die beiden nachfolgenden leerstehenden Hochhäuser an der Otto- und Hanielstraße dermaßen verkommen dass der Anblick aus der Ferne schon abschreckend wirkt.

Und bei näherem Hinsehen wundert sich der einfache Bürger nur, dass hier nicht schon längst enteignet wurde! Wie kann ein Eigentümer sein Eigentum nur so verkommen lassen?! Und wieso kann der Staat nicht dagegen vorgehen?!

Noch ein schlechtes Hochhaus!

Welcher Eigentümer lässt sein Haus so verkommen?!

Noch ein schlechtes Hochhaus!

Arbeiten am Heiligabend!

25. Dezember 2007

Altes Krupp-Gebäude

Was tut man nicht alles für Geld: am Heiligabend wenn sonst jeder zuhause mit seiner Familie beisammen ist sitze ich 12 Stunden lang in einem alten Krupp-Gebäude in Duisburg-Rheinhausen seelenallein herum und passe auf. Wenigstens ist es ein interessantes Gebäude!

Bei meinen Rundgängen habe ich nicht nur eine gute Aussicht auf das alte Krupp-Verwaltungsgebäude sondern finde auch noch alte Hinweise auf die Vergangenheit des einstigen Krupp-Ausbildungszentrum. Als Werkschützer hat man da ein geübtes Auge für.

Und das alte Verwaltungsgebäude von Krupp steht wohl kurz vorm Abriss und soll auch asbestverseucht sein wie ich von Kollegen erfahren habe. Da wird man richtig wehmütig wenn man bedenkt wie viel Menschen hier einst ihr Auskommen fanden und Rheinhausen von hier aus geprägt wurde! Alles zerfallene Vergangenheit, und heute arbeiten Hungerlöhner wie ich auf dem alten Gelände des ehemaligen legendären Stahlwerks!

Altes Krupp-Gebäude

%d Bloggern gefällt das: