Nokia-Boykott und Kapitalbeschwichtigungen

25. Januar 2008

Demo in Bochum

Dem Nokia-Konzern bläst in Deutschland der Wind ins Gesicht. Den Absatzmarkt hier können die Finnen wohl erstmal vergessen. Die Empörung über den milliardenschweren Konzern ist so groß und weitverbreitet, dass kein Politiker es wagt das Vorgehen der Nokia-Manager zu verteidigen. Und es sieht so aus als ob auch die Duisburger Stadtverwaltung ihre Nokia-Diensthandys abschaffen wird.

Vor wenigen Stunden habe ich erfahren, dass alle Listengruppierungen und Parteien den von mir formulierten Antrag der Muslimischen Türken Union unterstützen mit dem Ziel auch von seiten der Stadtverwaltung Nokia-Produkte zu boykottieren! Da ist es ziemlich wahrscheinlich, dass das auch der Beirat für Zuwanderung und Integration der Stadt Duisburg am kommenden Dienstag so beschließen wird.

Auch wenn es nur ein beratendes Gremium ist so glaube ich, dass die Stadt da nicht Nein zu sagen kann. Aber ausgerechnet der Vertreter der Grünen hat sich in einer vorbereitenden Sitzung schützend vor den Nokia-Konzern gestellt und vor „Diskriminierung“ gewarnt und die Leistungen von Nokia gewürdigt! So kapitalhörig sind die Grünen heute schon!

Und in der Fernsehsendung „Illner“ im ZDF lieferten sich gestern abend Lafontaine und Westerwelle ein Duell vom Feinsten. Beide bekamen für ihre total konträren Positionen Applaus. Aber während die Politik plus Kapitalvertreter nur bekannte Positionen austauschte und Binsenweisheiten zum Besten gab („…ohne Rendite kann ein Unternehmen nicht überleben…„, „Gewinne müssen sein…“ etc.) veranschaulichte die Betriebratsvorsitzende von Nokia wie flexibel die Arbeitnehmer bei Nokia sind und so den Rekordgewinn von über 7 Milliarden Euro erwirtschafteten. Zum Dank werden sie in wenigen Monaten rausgeschmissen. Das überzeugte!

Immerhin scheint der Fall Nokia selbst in den Mainstream-Medien nun auch Kapitalismuskritik wieder saisonfähig zu machen. Der Titel der Sendung „Kapital brutal, Jobs egal…“ wäre so vor kurzem sicher nicht möglich gewesen. Jedenfalls nicht beim ZDF! Wenn das nicht nach einem Linksruck aussieht!

Brüder zur Sonne....

Zum gleichen Thema auch nochmal die Pressemitteilung der Bochumer Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen:

24.01.2008
Sevim Dağdelen, MdB: Menschenverachtende Bilanz für Nokia

Sevim Dağdelen, MdB der Linksfraktion aus Bochum erklärt zu den heute
veröffentlichten Bilanzen des Nokia Konzerns:

„Auf der einen Seite präsentiert Nokia Rekordgewinne in schwindelerregender Höhe, auf der
anderen Seite sollen im Werk Bochum die MitarbeiterInnen entlassen
werden. Das ist für mich eine menschenverachtende Bilanz!“

Der Konzern, der weltweit 130.000 Menschen beschäftigt, hat in seinem
Geschäftsbericht für das abgelaufene Jahr einschließlich des vierten Quartals
Rekordgewinne bekannt gegeben. Der Nettogewinn stieg im vierten Quartal um 44
Prozent auf mehr als 1,8 Milliarden Euro. Von Oktober bis Dezember setzte das
Unternehmen nach eigenen Angaben 15,7 Milliarden Euro um und damit 34
Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr 2007 konnte der
Gewinn sogar um 67 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro gesteigert werden, der
Umsatz stieg um 24 Prozent auf 51,1 Milliarden Euro

„Dass vor diesem Hintergrund Konzernchef Olli-Pekka Kallasvuo schon vorher
verlauten ließ, dass Nokia auf der Stilllegung des Handy-Werkes in Bochum
bestehe, ist unfassbar, vor allem für die Betroffenen“, so Sevim Dağdelen weiter.

„Dieses Vorgehen von Nokia zeigt ganz besonders deutlich, dass es im
Kapitalismus in erster Linie nicht um die Menschen geht, sondern um die Profite.
Und die können offensichtlich nicht groß genug sein, wie die vorgelegten Zahlen
von Nokia belegen.
Gemeinsam mit meinem Fraktionskollegen Oskar Lafontaine bin ich der Meinung,
dass nicht zuletzt der Fall Nokia zeigt, dass wir eine andere Wirtschaftsordnung
brauchen, in der die Arbeitnehmer zumindest in existenziellen Fragen ein
Mitentscheidungsrecht haben.“

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5 Antworten to “Nokia-Boykott und Kapitalbeschwichtigungen”

  1. ruhrbaron Says:

    >Und es sieht so aus als ob auch die Duisburger Stadtverwaltung ihre Nokia-Diensthandys abschaffen wird.

    Haben das die Revier-OBs nicht schon ohnehin so festgelegt?

    http://www.ruhrbarone.de/?p=162

  2. rai30 Says:

    @ ruhrbaron

    Gibt es dazu einen Beschluss? Ich habe nichts gehört von einem Nokia-Boykott der Ruhrgebietsstädte!

    Wäre toll wenn es so wäre! Aber immerhin scheint der Beschluss in Duisburg nächste Woche gefällt zu werden!

  3. Beobi Says:

    Quelle: Hamburger Abendblatt 22.1.08

    Attac in Finnland ruft zu Nokia-Bokyott auf

    Helsinki (dpa) – Die finnische Organisation der Globalisierungskritiker von Attac rufen wegen der geplanten Werksschließung in Bochum zum Bokyott von Nokia-Handys auf.

    Attac-Sprecher Mikko Sauli begründete den Aufruf im Stammland von Nokia am Montag in Helsinki damit, dass der Entschluss zur Schließung in Bochum zeige, wie «unmenschlich der Kapitalismus ist».

    Weiter hieß es, Attac in Finnland wolle andere Gruppen der eigenen Organisation zu einer internationalen Boykottaktion bewegen. Nokias Entscheidung zu Verlagerung der Bochumer Produktion in das neue Werk im rumänischen Cluj zeige die Notwendigkeit «internationaler Rahmenbedingungen, die soziale Verantwortlichkeit sicherstellen». In Deutschland haben führende Politiker auf Bundesebene sowie im betroffenen Bundesland Nordrhein-Westfalen erklärt, sie würden keine Nokia-Handys mehr benutzen.

  4. ruhrbaron Says:

    >Gibt es dazu einen Beschluss? Ich habe nichts gehört von einem Nokia-Boykott der Ruhrgebietsstädte!

    Frag‘ dazu bitte den federführenden Autor Stefan.

  5. Beobi Says:

    Menschenkette für NOKIA am Sonntag, 10. Febr. 08 in Bochum !!!


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