Wenn die Kündigung der einzige Ausweg ist!

9. Februar 2008

Keine Arbeit!

Macht es einen Unterschied aus ob man vom Arbeitgeber kein Geld kriegt oder ob das Arbeitsamt kein Geld gibt?! Wohl nicht allzuviel! Kein Geld ist kein Geld! Also kündige ich meinem Chef die Kündigung an da auch in nächster Zeit keine Besserung zu erwarten ist und ich mich nicht weiter hinhalten lassen möchte! Er muss mir entweder Arbeit anbieten oder meine Kündigung annehmen.

Mein Kündigungsschreiben habe ich sogar schon formuliert:

xy Corporation
xxxxxxstraße 23

Sofortige fristlose Kündigung

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit kündige ich mit sofortiger Wirkung unser Arbeitsverhältnis wegen zu niedriger Lohnzahlung sowie nicht eingehaltener Versprechen! Dadurch ist unser Vertrauensverhältnis welches für ein Arbeitsverhältnis unerlässlich ist unwiderruflich zerstört!

Mit sehr großer Enttäuschung verlasse ich das Unternehmen, aber wer mich vorsätzlich in die Armut abstürzen lässt kann keine Loyalität von mir erwarten! Diese Firma ist das allerletzte!

Ohne Gruß

Und ich habe mir geschworen ein Riesentheater im Büro aufzuführen damit auch alle mitbekommen was los ist. Denn auch die anderen Kollegen sind gefrustet wegen unzureichender Arbeit und viel zu wenig Lohn. Der Firma ist das vollkommen egal weil sie ja weiß, dass niemand wagt zu kündigen. Denn die Sperre vom Amt fürchten natürlich alle.

Daher werde ich auch mein Auto abmelden und alle Versicherungen kündigen. Und die nächste Zeit muss ich aus meiner Kriegskasse überleben. Dafür muss dann eben meine Frau „HARTZ IV“ beantragen damit sie und unser Sohn durchkommen. Vielleicht habe ich ja auch Glück und finde schnell eine neue Stelle, man soll die Hoffnung ja nie aufgeben!

Aber richtig sauer bin ich auf die Gewerkschaft ver.di, die mit ihrem Tarifvertrag die menschenunwürdigen miesen Verhältnisse im Bewachungsgewerbe auch noch absegnet. Der Tarifvertrag ist eine Schande für jeden Gewerkschafter!

10 Antworten to “Wenn die Kündigung der einzige Ausweg ist!”

  1. Beobi Says:

    Hallo Rai,

    keine gute Idee. Als Ehepaar seid Ihr eine Bedarfsgemeinschaft und da zählt das Einkommen aller, die in Deinem Haushalt leben – dort gemeldet sind. Und wenn Du die Brocken schmeißt, ohne Rückversicherung beim Amt, kann das nach hinten los gehen.

    Ich verstehe Deine Wut, aber bitte keine Schnellschüsse aus der Hüfte. Erst einen neuen Job und dann kündigen! In der Zwischenzeit ergänzende Hilfe zum Lebensunterhalt bei der Arge geantragen.

    Mit den Gewerkschaftsbonzen bin ich auch nicht einverstanden, da sie Teil des Systems sind.
    Als Gewerkschaftsmitglied – und das seit 40 Jahren – weiß ich aber auch, dass man als Einzelner gar nichts durchsetzt, deshalb brauchen Arbeitnehmer auch heute noch – mehr denn je – die Gewerkschaften.

    Ich muss Dir doch nicht erklären, dass es ohne Gewerkschaften keine 40-Std.-Woche (immer noch mehrheitlich in den Branchen), keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keine Arbeitsschutzbestimmungen, keine 6 Wochen Urlaub, kein Weihnachts- und kein Urlaubsgeld geben würde; und wir heute noch Kinderarbeit hätten.

    Was glaubst Du, warum immer mehr Unternehmer / Unternehmen aus den Unternehmerverbänden austreten? Tarifflucht breitet sich aus, gerade weil sie sich dann nicht an Tarifverträge halten brauchen und damit die Arbeitnehmerschaft und ihre Gewerkschaften schwächen können. Denn es gibt nur dort Tarifverträge, wo der Unternehmer / das Unternehmen Mitglied im Unternehmerverband sind. Deshalb ja auch die Forderungen nach gesetzlichem Mindestlohn und politisch begründetem Recht auf Generalstreik. Das geht nur mit (Mitglieder-)starken Gewerkschaften. Das wird der Mittelstand, dem es jetzt auch an den Kragen geht, auch noch begreifen.

    Und wer hat denn dem Turbokapitalismus die Türen geöffnet? Das waren doch nicht die Gewerkschaften. Das war die SPD/GRÜNE Regierung unter Schröder!

    Deshalb gerieten die Gewerkschaften ja auch unter Druck; und auch weil die Betriebsräte (z. B. Siemens) hier einknickten. Heutige Betriebsräte sitzen zwischen den Stühlen, da die eigene Belegschaft von Ihnen Zugeständnisse fordert, in der Hoffnung geringer Lohn und Verzicht auf Weihnachts- u. Urlaubsgeld seien besser als ohne Job. Das kannst Du heute auch wieder mit NOKIA erleben. Die BR-Vorsitzende hat ja deutlich gesagt, welche Zugeständnisse in Bezug auf Lohn, Arbeitszeit, Flexibilisierung sie alles in den letzten Jahren eingegangen sind. Ergebnis: NOKIA schmeisst sie alle raus.

    So beschissen der Tarifvertrag für das Bewachungsgewerbe auch ist, immer noch besser es gibt einen als ohne Tarifvertrag, sonst läge der Stundenlohn noch unter Deinem jetzigen Tarif.

    Halte durch, stell‘ den Antrag auf Zusatzleistung, guck‘ Dich um und bitte leg‘ die Kündigung in die Schublade.

    LG
    Beobi

  2. Nobby Says:

    Hallo Rai 30,

    ich kann deinen Frust gut verstehen, aber wie sagt der alte Mafiosi: „Rache schmeckt am besten kalt!“
    Will sagen, einen Theaterauftritt und eine Kündigung kann dich viel Kosten und bringt nur kurzfristige mentale Erleichterung!

    Ich bin davon überzeugt, dass dir wesentlich bessere Nadelstiche einfallen und last not least du fällst bei dem Einkommen eindeutig unter das „Armenrecht“.

  3. rai30 Says:

    Hallo Beobi,

    natürlich hast du Recht wenn du auf die negativen Folgen hinweist bei einer eigenen Kündigung. Aber ich möchte dieses Verhalten des Arbeitgebers nicht hinnehmen und habe ihn auch schon am Telefon beschimpft. Komischerweise hat meine Kündigungsdrohung aber auch bewirkt, dass auf einmal doch Arbeitsaufträge vorhanden sind.

    Die Kündigung ist leider die einzige Waffe, die einem Arbeitnehmer heutzutage bleibt. Plötzliche Kündigungen, die Löcher in die Personalplanungen reißen sind schmerzhaft für Unternehmer weil Aufträge dadurch gefährdet werden und damit auch Einnahmen. Deswegen sehe ich auch nur darin Möglichkeiten zur wirksamen Gegenwehr!

    Was die Gewerkschaften angeht: die sind nur noch für die erste Klasse von Arbeitnehmern da! Wenn ich höre, dass sich Leute bei ThyssenKrupp über Löhne von 30 und 40 Euro die Stunde beschweren dann kommt mir die Galle hoch! Die ärgern sich wenn sie nicht über 2000 Euro netto im Monat kommen und streiken deswegen während wir Hungerlöhner im Wachgewerbe mit Tariflöhnen(!) zwischen 7,15 EURO und 11,72 EURO abgespeist werden. Noch dazu bei ganz miesen Arbeitsbedingungen! Bei einer Bewachungsfirma wo ich mich beworben hatte bekam ich sogar einen Stundenlohn von 7,30 EURO angeboten mit der Begründung „für den Tariflohn kriegt man keine Arbeitskräfte…“!

    Übrigens hat ver.di auch Tarifverträge in Berlin und anderswo geschlossen, die ganz deutlich unter dem Existenzminimum liegen. Was soll man zu Stundenlöhnen von 5,25 EURO oder 4,75 EURO sagen?! Brutto natürlich!

    Ich wollte eigentlich von meiner alten Gewerkschaft IGBCE, wo ich seit 1985 Mitglied bin, zu ver.di wechseln, aber nachdem ich diese miesen Tarifverträge gesehen habe bin ich lieber ohne Gewerkschaft. Denn von deren Unterstützung habe ich auch schon im Bergbau nichts gesehen. Diesen SPD-Funktionären in der Gewerkschaftsbürokratie traue ich keinen Millimeter über den Weg!

    Übrigens haben auch spezielle Gewerkschafter wie ein Walter Riester (der mit der Kapitalrente), auch schon den Unternehmern und Kapitalbesitzern schön in die Hände gespielt. Da könnte man noch so einige Beispiele nennen wo aSozialdemokraten als Gewerkschafter getarnt die Arbeitnehmer verraten haben.

    Auf die Gewerkschaft kann ich leider nicht bauen, aber die Androhung einer Kündigung hat was bei meinem Arbeitgeber bewirkt. Zumal ich nicht alleine stehe denn es gibt Kollegen die schon gekündigt haben. Übrigens ist nirgendwo die Wechsel- und Kündigungsrate höher als im Bewachungsgewerbe. Das führt dazu, dass viele Unternehmer freiwillig Lohn über Tarif anbieten um die Leute zu halten.

    Wenn „Hartz IV“ mit seinen Repressalien und dem Zwang auch die billigsten Scheißjobs anzunehmen abgeschafft würde bin ich mir sicher, dass die Löhne sogar noch weiter steigen würde damit die Arbeitgeber ihre Stellen besetzen können. Aber zu „Hartz IV“ stehen interessanterweise auch viele Gewerkschafter! Das habe ich 2003 noch als damaliger durchaus kritischer SPD-Funktionär mit großem Staunen beobachten können wo mir Gewerkschafter die Notwendigkeit der „Reform“ erklärten!

  4. rai30 Says:

    Hallo Nobby,

    bisher habe ich nur mit Kündigung gedroht. Und ersten Erfolg erzielt: auf einmal gibt es doch Arbeit!

    Es ist schwer zu glauben aber ohne Arbeitsstelle bekommt man leichter einen neuen Job weil man sofort anfangen kann. Zumindestens im Bewachungsgewerbe sind die Kündigungsfristen der große Hemmschuh bei Neueinstellungen weil alles sehr kurzfristig läuft bei den Aufträgen. Ich bin mir daher auch sicher nach einer Woche spätestens einen neuen Job zu haben. Der einzige Verlust wären die Urlaubsansprüche der letzten fünfeinhalb Monate. Deswegen warte ich auch noch ein paar Tage bevor ich eventuell tatsächlich kündige! Es sieht aber so aus als ob mein Arbeitgeber mir auf einmal entgegenkommen möchte und doch Arbeit hat. Man muss eben doch mal auf den Putz hauen und auch den Chefs mal in den Hintern treten damit sich was tut!

  5. freie sms Says:

    Hi, sehr harter und direkter Weg, aber sicher effizient! Bin gespannt wie sich das entwickelt! Kopf hoch!

  6. igelscharf Says:

    Ich habe mich mal nur über die Dienstplan Ge-
    staltung unseres „Objektleiters“ (68 Jahre )em-
    pört-und schon wurde ich mit meinen Stunden bis
    auf 160 im Monat runter gefahren!!! Das geht nun
    schon fast 1,5 Jahre so.Man wird ja nicht so einfach Gekündigt -mann versucht es auf diese
    Masche nach dem Motto -wer hat die stärkeren
    Nerven!

  7. igelscharf Says:

    Ich muß noch etwas dazu sagen,wen die Leitung
    der Firma wüste was da schon abgegangen ist,
    hätte man den Bewachungsauftrag schon lang ge-
    kündigt!Aber man sagt uns immer , das unsere
    Wachfirma unkündbar ist.

  8. geschädigter Says:

    Gut so. Nimm das selbst in die Hand. Warten ist nicht mehr Zeitgemäß, es sei denn Du willst vor die Hunde gehen. Die große Gewerkschaft hilft Dir auch nicht. Die hat Probleme mit der Vetternwirtschaft und lässt im Zweifelsfall lieber Dich über die Klinge springen. Ich weiss wovon ich rede. Habe mein Problem vorgestellt und die haben es dann richtig versaut.

  9. rai30 Says:

    @ geschädigter

    Heute habe ich meinen Anwaltstermin und lege die Klage vor.

    Das kostet nur dummerweise erst mal Geld. Wie sagte mal einer: „Wir haben einen Rechtsstaat wenn man Geld hat!“

  10. geschädigter Says:

    @ rai30

    Geht leider nicht anders. Pass auf mit dem Anwalt. Die haben meist regen Kontakt mit der Gegenseite und bekanntlich sieht man sich immer zweimal. Schau Dir im Netz ähnliche Fälle an. Dann weißt Du wie es laufen wird. Es gibt reichlich veröffentlichte Urteile. Bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube seit Anfang 08 dürfen die auch Erfolgsvereinbarungen schließen. Erfolg kann auch sein, eine schneller Vergleich bei dem Du fliegst. Bleib hart.


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