Heuschrecken, Fonds, Finanzkrise und Talkshows

2. Oktober 2008

Alle reden nur noch über die Bankenkrise und die vielen Milliarden Euros und Dollars, die in letzter Zeit im Nirvana des Kapitalismus für immer verschwunden sind und wohl auch noch weiter verschwinden werden.

Da hörte ich gestern die bekannten diversen Experten in TV-Talkshows über gierige Manager und falsche Lageeinschätzungen philosophieren, und die politischen Kontrahenten aus den bekannten Parteien und Wirtschaftsverbänden werfen sich gegenseitig ihr Versagen vor.

Immerhin werden jetzt auch kritische Stimmen in solchen Sendungen zugelassen, die dann auch völlig richtig darauf hinweisen, dass die Verursacher der Misere überhaupt nicht zur Rechenschaft gezogen werden und stattdessen mit Steuermilliarden „Belohnungspakete für Spekulanten“ beschlossen werden um das Finanzsystem zu retten und die „Marktwirtschaft wieder auf das richtige Gleis zu bringen“ (Heiner Geißler).

Aber anstatt die Ursachen des Desasters genau zu analysieren hatte die Moderatorin der Talkrunde bei „Phoenix“ eher die Sorge welche Rolle die Krise im Wahlkampf spielen könnte und ob die Linkspartei davon profitieren würde.

Das Gerechtigkeitsempfinden der einfachen Bürger, die sich fragen wieso die Pleitiers für das Desaster nicht bezahlen sollen wurde aber interessanterweise von niemanden angesprochen. Die ganzen Fondsmanager mit ihren hohen Einkommen bleiben ungeschoren und die Banken tragen auch nur einen kleinen Teil der Milliardenbürgschaften! Der Staat zahlt, also unsere Steuergelder sollen fließen.

Dabei wäre mir, und sicher auch nicht wenigen anderen irgendwie wohler bei der Sache wenn die Banken viel besser kontrolliert würden und den Verantwortlichen für die gigantischen Spekulationsverluste auch mit ihrem privaten Vermögen haften müssten. Das wäre wenigstens eine kleine Genugtuung wenn die Villen und fetten Karossen der hohen Herren auch gepfändet würden um mit zur Schadensbegrenzung beizutragen. Ich finde das sehr ärgerlich, dass diese Nieten in Nadelstreifen anscheinend überhaupt nicht belangt werden. Das wird in keiner Talkshow angesprochen, und auch die Regierung schenkt den Gaunern von der Finanzwirtschaft wieder riesige Summen ohne einschneidende Veränderungen in den Strukturen durchzusetzen.

Es wird Zeit, dass diese Regierung aus Kapitaldienern in Berlin endlich zum Teufel gejagt wird bevor sie auch noch unser letztes Geld an die pleite gehenden Banken verschleudert ohne die großen Vermögen der Schuldigen anzutasten!!!

Es sollte endlich eine Strafsteuer für alle Spekulanten eingeführt werden, am besten rückwirkend! Und Schröder, Clement, Eichel und Konsorten sollte man auch öffentlich an den Pranger stellen dafür, dass sie diesen Spekulationshandel mit unsicheren Kreditverbriefungen (Zertifikate) durch „Deregulierung“ also den Abbau von Kontrollen und Steuerbefreiungen gefördert haben.

Doch das ist in unseren kapitalbeherrschten Medien natürlich nicht möglich die Schuldigen zu benennen, da bekommt man eher den Eindruck diese Finanzkrise sei plötzlich wie eine Naturkatastrophe von ganz allein über uns herein gebrochen. Also bleibt alles beim Alten. Bis zur nächsten Krise!

10 Antworten to “Heuschrecken, Fonds, Finanzkrise und Talkshows”

  1. Niko Says:

    Wenn außer den US-Banken auch die einfachen Bürger mal Geld brauchen:
    Hier gibt es jetzt einen Scheck direkt von Geroge W. Bush!

    => http://guenstiger-kredit-online.de/

    😉

  2. Trolls im WAZ-Forum Says:

    Es ist eine Herausforderung, darüber nachzudenken, wie ein konkretes Handwerkszeug der Demokratie bei dem Versuch einer Meinungsbildung im WAZ-Forum angewandt werden könnten.

    Schön wäre es, könnte in einer Kultur des Dialog tatsächlich ein Thema nutzbringend weiterentwickelt werden.

    Auch für das WAZ-Forum gilt der Dritte Hauptsatz der Thermodynamik: „Ohne Energie hineinzustecken, geht ein System den Bach runter!“, wenn ich mich recht erinnere.

    Energie für ein Forum ist Moderation und Mediation. Diese kann ich hier im WAZ-Forum nicht finden. Es gibt etliche exponierte Kommentare, die viele andere abschrecken, an einer geordneten Streitkultur teilzunehmen. Das schadet der Chance eines Forums, einen zielgerichteten Dialog bei kontroversen Positionen zu führen.

    Nun, das Revier ist in einer Position, dass die Zeit drängt und gute Ansätze gemeinschaftlich schnell zu einem Projekt entwickelt und dann zügig umgesetzt werden könnten.

    Deshalb schlage ich das „Konzept der schlauen Menge“ für das WAZ-Forum vor: Jeder Kommentar wird nur noch als DreiZeiler mit einem Mehr-Button publiziert. Mit einem Klick auf den Mehr-Button wird ein Counter des Kommentators belohnt, der so seine Reputation in der KommentatorenGemeinde und des Leserinteresses widerspiegelt.

    Nach dem Motto „Don´t feed the Trolls!“ würde so eine im Grunde demokratische Forumlesergemeinde über unerwünschte Beiträge entscheiden. Es könnte sogar ein Algorithmus entwickelt werden, dass insgesamt berüchtigte und „wenig-beclickte“ Kommentatoren in der publizierten Schriftgröße einen Pitch tiefer gesetzt werden.

  3. Beobi Says:

    @ Trolls im WAZ-Forum

    Da bitte ich aber um technische Einweisung. Ich habe den „Mehr-Button“ im WAZ-Forum noch nicht entdeckt, wenn ich dort einen Kommentar schreibe.

    So etwas gibt es auch auf meinem Blog von blog.de nicht, aber hier können wir ja unerwünschte Provokateure löschen.

  4. rai30 Says:

    @ Trolls im WAZ-Forum
    @ Beobi

    Liebe Leute,

    die Probleme im WAZ-Forum sollten dort geregelt werden. Der Medienmonopolist hat selbst genug Mittel um irgendwelche Pöbler und Demagogen in die Schranken zu weisen.

    Ich bin ja eher der Ansicht wir sollten uns mehr um unsere Blogs sorgen und einen eigenen höheren Bekanntheitsgrad erarbeiten um mehr freie und vernünftig moderierte Diskussionen in unseren Blogs zu ermöglichen!

  5. Beobi Says:

    @rai
    Richtig, auf Forum „derWesten“ können wir nur bedingt Einfluss nehmen, indem wir konsequent gegen Beleidigungen, Beschimpfungen, rassistische und diskriminierende Kommentare/Kommentatoren vorgehen und generell den Moderatoren melden; damit sich auch dort mal der Stil von einigen (leider immer die gleichen Leute) ändert.

    Es gibt nun aber mal bei der WAZ die Threads „Forum für Homberg“ und ganz neu das „Forum für Rheinhausen“, sodass wir uns dort nicht ganz raushalten können und sollten. Schon allein aus dem Grunde nicht, da die Verbreitung weiter gestreut ist (der Leserkreis ist größer).

    Ich bin dafür, dass wir parallel unsere eigenen Blogs – als Gegengewicht zur bürgerlichen Presse – stärken sollten.

    So könnten wir z. B. untereinander unsere Blogs „abonnieren“.

    @Trolls im WAZ-Forum
    Bitte teile uns mit, wie das dort mit dem „Mehr-Button“ funktioniert. Danke.

  6. Tenrix Says:

    @ Beobi

    @Trolls im WAZ-Forum
    > Bitte teile uns mit, wie das dort mit dem
    > “Mehr-Button” funktioniert. Danke.

    Beobi, den gibt es nicht wie ich das verstehe. Das ist Zukunft. Ich glaube, das war nur ein Vorschlag. Da hat sich einer nicht getraut, auf dem WAZ-Forum zu schreiben und das in das Blog vom Rai reingesetzt.

    Ich kopiere den Beitrag und schick den an den Chef vom WAZ-Newsdesk. Die Duisburger und Rheinhausener WAZler kriegen den auch als Fax.

  7. Tenrix Says:

    @Rai

    > Ich bin ja eher der Ansicht wir sollten uns mehr
    > um unsere Blogs sorgen und einen eigenen höheren
    > Bekanntheitsgrad erarbeiten um mehr freie und
    > vernünftig moderierte Diskussionen in unseren
    > Blogs zu ermöglichen!

    Und wie geht das? Wo sind die Reaktionen auf ein kooperatives Blogging wie bei Westping und Westinfo?

    Ist das Stadtteilblogging bald tod? blog.de macht jedenfalls massiv Druck.

  8. Beobi Says:

    @ Tenrix

    Also im Moment läuft es mit unserem neuen Blog bei blog.de ganz gut.

    Mich würde interessieren, wie’s bei Nobby und dem Bürgerverein in Bezug auf blog.de aussieht. Habt Ihr auch Probleme mit blog.de?

    “ … Und wie geht das? Wo sind die Reaktionen auf ein kooperatives Blogging wie bei Westping und Westinfo? … “ Hierzu auch bitte mehr Infos. Danke.

  9. Nobby Says:

    @ beobi

    Zur Zeit keinerlei Probleme feststellbar


  10. […] der Suche nach Investoren für ein weiteres Unternehmen habe ich den Investor ausgewählt, der den höchsten Beteiligungspreis gezahlt hat. Ich gestehe, dass es mir egal war, wie er dies […]


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