„Arbeitslosenzahl unter 3 Millionen“

31. Oktober 2008


Die Webseite der Agentur für Arbeit(slosigkeit)

Was für eine schöne Meldung, die uns da nun in den Massenmedien aufgetischt wird: ein Rekordtief der Arbeitslosigkeit, trotz Finanzkrise! Ein Wunder?!

Misstrauisch wie ich nun mal bin habe ich aber mal einen Blick in die Arbeitslosenstatistik geworfen, und da zeigt sich doch ein etwas anderes Bild: denn wer ist „arbeitslos“ und wird auch bei der magischen Arbeitslosenzahl mitgezählt? Bei näherem Blick relativiert sich das Wunder auf dem Arbeitsmarkt schnell. Denn alle 1-EURO-Jobber, Teilnehmer an Qualifizierungsmaßnahmen, Kurzarbeiter, Arbeitslose ohne Anspruch auf Geldleistungen sowie die steigende Zahl von Hungerlöhnern kommen in der groß verkündeten Arbeitslosenzahl gar nicht vor!

Was da seltsamerweise von den Medien vergessen wird zu berichten ist die Tatsache, dass fast 7 Millionen Menschen von Hilfsleistungen der Arbeitsämter und ARGE´n abhängig sind. Die Zahl der Hungerlöhner, die trotz Arbeit Hilfe vom Amt brauchen ist sogar um 9% gestiegen! Und diejenigen Arbeitslosen, die keine Leistungen erhalten weil sie vielleicht etwas Geld besitzen oder einen Lebenspartner haben, der über Geld und Einkommen verfügt tauchen gar nicht in der Statistik auf! In diesem Zusammenhang passt es auch gut, dass die Kapitaldiener von der Bundesregierung die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes verlängern. Denn die Kurzarbeiter sind ja auch nicht in der offiziellen Arbeitslosenzahl zu sehen so dass dann auch in den nächsten Monaten wieder das Märchen von den „erfolgreichen Reformen“ weiterverbreitet werden kann.

Diese Jubelmeldungen von mehr Beschäftigung sehen eher wie Propaganda aus. Denn scheinbar hinterfragt kein Journalist mehr die groß verkündete Botschaft von angeblich unter 3 Millionen Arbeitslosen. Dabei braucht man nur einen Blick in den Monatsbericht zur Arbeitsmarktsituation zu werfen anstatt ständig nur eine Zahl daraus hervorzuheben und alle anderen Angaben einfach zu unterschlagen.

Der ausführliche Bericht der Agentur für Arbeit ist unter http://www.pub.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/000000/html/start/monat/aktuell.pdf nachzulesen! Vielleicht traut sich ja auch ein Redakteur der großen Medien mal zu recherchieren!

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17 Antworten to “„Arbeitslosenzahl unter 3 Millionen“”

  1. Nobby Says:

    Warum alles schlecht reden?

    Die statistischen Mogeleien gab es gerade bei den Arbeitslosenzahlen immer!

    Die von dir angesprochenen
    1-EURO-Jobber,
    Teilnehmer an Qualifizierungsmaßnahmen, Kurzarbeiter,
    Arbeitslose ohne Anspruch auf Geldleistungen….

    gab es auch 2007, oder etwa nicht?

    Dennoch ist die Zahl arbeitsloser Menschen faktisch unbestreitbar gesunken und das ist gut so.

    http://www.derwesten.de/nachrichten/nachrichten/politik/2008/10/31/news-87325809/detail.html

  2. rai30 Says:

    @ Nobby

    Gerade weil es diese Manipulationen immer wieder gegeben hat misstraue ich den derzeitigen Jubelmeldungen. Denn die Senkung der Arbeitslosenzahl kann sich die Bundesregierung auch selber basteln indem sie immer mehr Leute in diverse Maßnahmen steckt wie 1-EURO-Jobs oder berufliche Qualifizierung.

    Mich stört daran, dass diese Arbeitslosen einfach nicht mitgezählt werden obwohl sie ganz klar einen Arbeitsplatz suchen. Zudem braucht die Bundesregierung ja nur die Anzahl der Maßnahmen zu erhöhen um dann weitere „Erfolge“ auf dem Arbeitsmarkt zu feiern.

    Ich finde es auch ziemlich beschämend welche Rolle die Medien bei der Verbreitung der Regierungspropaganda spielen indem sie kein bischen auf die Diskrepanz zwischen der offiziellen Arbeitslosenzahl von knapp 3 Millionen und der Anzahl von fast 7 Millionen Menschen hinweisen, die Arbeitslosengeld I oder II beziehen.

    Ein paar Millionen Arbeitssuchende verschwinden so einfach aus der öffentlichen Wahrnehmung!

  3. jakobswege Says:

    @ Nobby

    > Dennoch ist die Zahl arbeitsloser Menschen faktisch unbestreitbar gesunken
    > und das ist gut so.

    Hier ein paar Zahlen von den letzten Einwohnerfragen an die Bezirksbürgermeisterin Hildegard Fischer (CDU Homberg). Im Vorstand der CDU Homberg sitzt ein Mitglied des Bürgervereins Haesen und Gerdt, als meine Antwort zur Deutung von Nobbys Kommentar.

    Die Frage war, wie hat sich die Arbeitslosenzahl während der Mandatszeit von Hildegard Fischer (CDU Duisburg) im Bezirk entwickelt?

    Ihre Antwort lautete (Bezirksstatistik erst seit 1999 verfügbar):

    1999 – 2548
    2000 – 2518
    2001 – 2512
    2002 – 2412
    2003 – 2630
    2004 – 2626
    2005 – 3344
    2006 – 2811
    2007 – 2515
    2009 – ????

    In der gleichen Zeit ging in die Einwohnerzahl von 44.225 auf 41.153 zurück. In der Mandatszeit von Hildegard Fischer (CDU Homberg) stieg also die Arbeitslosigkeit.

    Kein Wunder: Der Westen Duisburg, vom Ratsherr Alois Fischer, dem Ehegatten von Hilde „lebendig abgeledert“
    http://homberg-duisburg.blog.de/2008/03/26/der-westen-duisburg-von-ratsherren-leben-3941801

    @ Nobby
    > Dennoch ist die Zahl arbeitsloser Menschen
    > faktisch unbestreitbar gesunken
    > und das ist gut so.

    Zur Erläuterung: Nobbys 74-jähriger Vorstandskumpel des BVHG Peter Kozica ist Besitzer im Vorstand der CDU Homberg.

  4. jakobswege Says:

    Als schwergradige administrative Ignoranz könnte man einschätzen, wenn der Bezirksamtsleiter von Homberg usf. Jürgen Scherhag (SPD Duisburg) auf eine Einwohnerfrage mitteilt: „Die Zahlen über das jährliche Pro-Kopf Einkommen liegen der Stadt Duisburg nicht vor.“

  5. Nobby Says:

    Zu diesen Beiträgen, die ganz bewußt wohl nur verunglimpfen wollen und ausschließlich destruktiv sind:

    Zitat Herbert Wehner:

    Den ignorier ich noch nicht mal.

    P.S.
    Der Jakobsweg ist lang, wenn man sich Peters Schuhe anziehen will.

  6. Nobby Says:

    Tagesschau heute sagt ebenfalls die Arbeitslosenzahlen erheblich gesunken. Der niedrigste Stand seit 16 Jahren:

    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt112.html

    Also ich bleibe dabei, dass ist bei allen möglichen Manipulationen eine erstaunlich positive Meldung in dieser Weltrezession.

  7. rai30 Says:

    @ Nobby

    Alle sagen es weil es in der Statistik immer besonders hervorgehoben wird und Journalisten sich wohl nicht die Mühe machen mal den ganzen Bericht zur Arbeitsmarktlage zu lesen.

    Übrigens ist heute auch gemeldet worden, dass die Armut sich in unserem Lande weiter verschärft hat, trotz aller regierungsamtlichen Jubelmeldungen vom Arbeitsmarkt.

  8. Beobi Says:

    @ Nobby und Rai

    Ich denke, Ihr Beide habt recht. Auf der einen Seite hat das Stellenangebot tatsächlich zugenommen und es wurden wieder mehr in Arbeit vermittelt.

    Auf der anderen Seite vermisse ich auch, dass nicht recherchiert wird bzw. nicht veröffentlicht wird, um welche Art von Arbeitsstellen es sich handelt.

    So erfährt man nicht, ob es sich um sozialversicherungspflichtige Jobs handelt; ob es Jobs im Dumping-, Mini-, Midi- oder Teilzeitbereich handelt. Und was noch wichtiger ist, wieviele müssen trotz neuer Arbeit mit Hartz IV aufstocken?

    Für wieviele dieser Arbeitsstellen werden Lohnzuschüsse = versteckte Subventionen gezahlt?

    Gleichzeitig schmeisst die Autoindustrie bereits wieder hunderte von Leiharbeitern raus.

    Die Weltwirtschaftskrise wird erst 2009/2010 voll durchschlagen.

    Vor der Bundestagswahl werden sie wieder einen Trick anwenden, wie seinerzeit Kohl, wo es vor der Wahl plötzlich 500.000 Arbeitslose weniger gab; nach der Wahl waren sie dann ganz schnell wieder in der Statistik.

    Lieber Nobby, aus eigener 40jährigen Berufserfahrung auf dem freien Arbeitsmarkt, bleibe auch ich mehr als skeptisch.

    Mein Blog: http://homberger-signal-die-linke.blog.de/

  9. lookilooki Says:

    @Beabi

    Darf man fragen, was du beruflich machst?

  10. Beobi Says:

    @ lookilooki

    Überwiegend war ich in der Druckindustrie (Druckvorstufe) als Kundenberater tätig, sowie in Redaktionen, Werbeagenturen / Werbeabteilungen, Verlagen und Druckereien beschäftigt. Und seit 1969 gewerkschaftlich organisiert und engagiert. (früher IG Druck und Papier – heute ver.di)

    Zur Zeit bin ich halbtags im kfm. Bereich tätig, und in der Kommunalpolitik ehrenamtlich engagiert.

    Mein Blog:
    http://homberger-signal-die-linke.blog.de/

  11. Beobi Says:

    @ Nobby
    Ich würde sagen: Das Licht am Ende des Tunnels ist der entgegenkommende Zug.

    PE 30.10.2008 – Kornelia Möller

    Das letzte Licht vor dem Anfang des Tunnels

    „Auch die nach wie vor geschönten Arbeitsmarktzahlen ändern nichts an den düsteren Prognosen für die kommenden Monate. Was wir am Arbeitsmarkt gerade sehen, ist nicht etwa das Licht am Ende des Tunnels, sondern das letzte Licht vor dem Anfang des Tunnels“, warnt Kornelia Möller. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE erklärt:

    „Schon jetzt werden die arbeitsmarktpolitischen Versäumnisse der letzten Jahre sichtbar. Die vielgepriesenen neuen Arbeitsplätze, die durch die so genannten Reformen der Bundesregierung entstanden sind, erweisen sich als das, was sie von Anfang an waren, als prekäre Leiharbeitsplätze, befristete Teilzeitstellen und unterbezahlte, durch Hartz IV aufgestockte Vollzeitjobs. All diese Stellen werden nun genauso schnell gestrichen, wie sie entstanden sind. Tausende Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter sind bereits betroffen.

    Eine vernünftige Arbeitsmarktpolitik sieht anders aus. Langfristige und gute Arbeitsplätze für alle, auch im Interesse einer steigenden Binnennachfrage, müssen das Ziel sein, nicht möglichst niedrige Arbeitslosenzahlen durch statistische Tricks. Doch die Betreuung und Vermittlung von Langzeitarbeitslosen krankt an Geld- und Personalmangel, woran auch die 1.900 neu zu schaffenden Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) nichts ändern werden. Die im denkbar ungünstigsten Moment beschlossene Senkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung wird die Arbeit der BA zusätzlich erschweren.“

    Positionspapier „Arbeitsmarktpolitische Alternativen“ – Download (ca. 825 KB) hier:
    http://dokumente.linksfraktion.net/pdfdownloads/7727572593.pdf

  12. lookilooki Says:

    @ Noby

    Und was machst du beruflich, wenn ich fragen darf.

  13. Beobi Says:

    @ lookilooki

    Und was treibst Du beruflich und politisch?

    Mein Blog:
    http://homberger-signal-die-linke.blog.de/

  14. Haesener Says:

    @ Nobby

    Als Haesener bin ich sehr vom Bürgerverein enttäuscht. Da läuft überhaupt nichts mehr. Da scheint alles tot zu sein. Ich frage mich in was für einer Welt lebt eigentlich dieses Vorstandsmitglied Herr Nobby. Und dann gucke ich auf die Blogfreunde von http://buergervereinhaesenundgerdt.blog.de/ und lese http://rhinebird.blog.de/2007/05/15/partnerborse~2276581#c7632556

    Was ist da nur los? Wer kann mich aufklären? Da läuft irgendeine krumme Tour hinter dem Rücken der Haesener? Wieso meldet sich her nicht Peter Kozoca? Kann dieser Nobby einfach alles so schreiben?

  15. rai30 Says:

    @ Haesener

    Ihr Kommentar ist offtopic und zudem würde ich auch raten diese harsche Kritik im Blog des Bürgervereins Haesen und Gerdt zu äußern um dort darüber zu diskutieren.

    Denn ich weiß nicht ob irgendwelche „krummen Touren“ laufen in den Haesen. Spreche die kritisierten Herren doch mal persönlich an.
    Direkte Kommunikation soll manchmal sehr hilfreich sein!

  16. Beobi Says:

    @ Haesener

    Ihr Kommentar geht am Thema „Arbeitslosenzahlen“ vorbei.

    Unterlassen Sie bitte, hier den sehr aktiven Bürgerverein und dessen Vorstandsmitglieder mit falschen Vermutungen verunglimpfen zu wollen.

    Wenn es Ihnen ernst wäre mit Ihrem Interesse am Bürgerverein, könnten Sie sich auf dessen Blog über die diversen Aktivitäten sehr wohl informieren. Aber dies ist offenbar nicht Ihre Intention.

    Bürgerverein-Blog: http://buergervereinhaesenundgerdt.blog.de/


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