Stunde der Wahrheit!

4. Dezember 2009

Gestern abend fuhr ich mit meinem politischen Mitstreiter zur Uni Duisburg um den Vortrag des neuen Mercator-Professors Peter Scholl-Latour zu hören!

Aber zuerstmal mussten wir einen Platz im völlig überfüllten Audimax ergattern. Obwohl wir eine halbe Stunde vorher da waren fand sich kein freies Plätzchen außer den reservierten Sitzreihen. Selbst in den Gängen kam man nur schwer durch. Der Name Scholl-Latour verfehlte seine Wirkung nicht!

Zum Glück konnten wir mit Hilfe eines älteren Teilnehmers dann doch noch freie Plätze finden. Nämlich die reservierten, auf denen sowieso niemand saß!

Pünktlich ging es dann auch los und der Rektor der Uni eröffnete mit einigen Worten die Veranstaltung. Nachdem der neue Mercator-Professor seine Urkunde und die Blumen bekommen hatte ging dann der Vortrag los. Und Scholl-Latour, der mit seinen 84 Jahren auch noch ganz fit war begann auf die von ihm bekannte lockere Art sich vorzustellen und darauf hinzuweisen, dass er ja auch ein Kind des Ruhrgebiets sei und immer wieder gerne hierhin zurückkehre. Die Verleihung der Mercator-Professur war für ihn auch eine große Ehre.

Sein Vortrag lautete „Siegen in Afghanistan?“ und das Fragezeichen war für Peter Scholl-Latour ganz wichtig! Denn er ließ überhaupt keinen Zweifel an seiner kritischen Haltung gegenüber dem in Europa und den USA weitverbreiteten Irrglauben man könne mit Waffengewalt und viel militärischem Drohpotential anderen Ländern seine Werte aufzwingen. Interessant waren auch die vielen kleinen Anekdoten, die Scholl-Latour aus seiner über 50-jährigen journalistischen Tätigkeit zum Besten gab. Da war viel Lebenserfahrung herauszuhören.

Als in allen Teilen der Welt herumgekommener Publizist warnte er auch davor zu glauben es gäbe nur unsere westlichen Werte, die wir nur zur Glückseligkeit aller Länder verbreiten müssten. Es gäbe eben auch islamische und konfuzianische Werte, die auf eine sehr lange Tradition zurückblickten. Das dürfe man nicht ignorieren!

Und mit den Kriegen in Irak und Afghanistan ging er auch hart ins Gericht. Das Konzept des „Nation Building“ sei nicht machbar und rufe natürlich auch die Widerstände bei fast allen Bevölkerungsschichten hervor. Veränderungen müssten von innen aus den betroffenen Gesellschaften selbst heraus kommen. Mit dem Einmarsch in fremde Länder würde nur Feindschaft und Widerstand hervorgerufen. Gerade in islamischen Ländern wie dem Irak und Afghanistan würde man als feindliche Besatzungsmacht wahrgenommen egal mit welch guten Absichten man käme!

Gerade in Afghanistan ließe sich das auch gut beobachten wo nun die Bundeswehr immer stärker unter Druck gerate und die ihr unterstellten Regionen schon gar nicht mehr kontrolliere! Die Ereignisse von Kundus würden nun die Stunde der Wahrheit einläuten und zeigen in welch verschärfter Situation die Soldaten sich befänden. Es sei auch völlig unrealistisch zu glauben man könne das Land auch mit noch soviel Militär wirklich kontrollieren. Er sei mit Geländewagen durch schwer zugängliche Bergregionen gefahren worden ohne militärischen Begleitschutz und habe auch stundenlang nicht einen einzigen Posten gesehen.

Die vielen Berge und Täler hätten schon einigen Großmächten eine Eroberung des Landes unmöglich gemacht. Die Russen würden jetzt auch mit einiger Schadenfreude zusehen wie die USA und ihre Verbündeten sich in eine ähnlich aussichtslose Lage hineinmanövriert hätten wie die alte Sowjetunion 30 Jahre zuvor!

Man könne nur noch zusehen wie man ohne großen Gesichtsverlust wieder aus dem Land herauskäme. Er schlug interessanterweise dazu vor Truppen aus anderen islamischen Ländern wie Marokko oder der Türkei die Rolle als Ordnungsmacht zu übertragen. Da diese als Glaubensbrüder eher von den Afghanen akzepiert würden.

Zum Schluss gab es dann auch noch eine kleine Fragerunde, die leider von manchen Studenten auch genutzt wurde um Verschwörungstheorien zu verbreiten und Koreferate zu halten.

Immerhin war danach noch ein Schwätzchen bei kostenlosem KöPi und Salzgebäck möglich. Am 26. Januar 2010 soll in Essen auch der nächste Vortrag mit dem Titel „Das Ende der weissen Vorherrschaft“ sein. Da werde ich auch hinfahren wenn mir nichts dazwischenkommt!

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20 Antworten to “Stunde der Wahrheit!”

  1. jakobswege Says:

    Es wird nie eine Leitkultur geben, wie das einige behaupten. Sondern es ist ein ständiger Wettbewerb in der Weiterentwicklung der Geschichte und Menschheit.

    Derzeit ist die sog. „Leitkultur“ des Ruhrgebiets und NRW mit dem Maß der Ökonomie sehr schlecht aufgestellt. Ein reduzierter Satz der Moral bremst unsere Entwicklung. Deshalb entstand die Deutung als Viertes Reich des Regionalsozialismus.

  2. jakobswege Says:

    Haesen, die letzte Wiese? – trotz Grünfläche am Schacht Gerdt

    das Prinzip Sparen in der Stadt Duisburg

  3. jakobswege Says:

    Duisburg, Ruhrgebiet und NRW vergreist – die Konsequenzen des staatlich anerkannten Hirnschadens bei Homberger Fraktionsvorsitzednen.

    REITZ 2 (WAZ) – Das Ende der Oase Rhein-Ruhr.

  4. jakobswege Says:

    Sparen? Nein Danke! Polit-Würstchen verticken das Tafelsilber unseres Gemeinwesen. Hattu Hirnschaden, muttu Politik in Homberg machen.

    Die Tragik der Allmende im Bezirk H/R/B

  5. jakobswege Says:

    Für Duisburger, die keinen amtlichen Hirnschaden wie ein Homberger Politiker haben, wird es hart.

    hartzen und reitzen statt raven

  6. Meskadine Says:

    Heute stand übrigens in der NRZ, dass die Amis den deutschen Kommandeur fünfmal aufgefordert hätten, doch lieber warnende Tiefflüge durchzuführen. Genau das hatte auch Scholl-Latour beschrieben, wie wirksam das ist. Der deutsche Befehlshaber bestand auf Bomben.

    Wenn der in einer Partei in Duisburg anheuert, kriegt er direkt einen Posten. Nach solchen Leute suchen die.

  7. Haeseneinbringer Says:

    Das Problem sind immer schon reaktionäre Kräfte gewesen. Ich find das gut wie Roland Busche und die Linke zunehmend auf den Bürgerverein Einfluss nehmen. In einem Bürgerantrag hat der Bürgerverein Haesen eine Gedenkstätte im Schacht Gerdt für Zwangsarbeiter des Nazi-Regiems gefordert.

    Vielleicht stimmt der Bürgerverein Haesen ja diesmal zu, dass das Bild des Nazi-Bürgermeister Sonnen im Bezirksrathaus abgehängen wird. Vor fünf Jahren gab es da noch reichlich Widerstand.

    Aber die Linke Duisburg hat den Vereinsvorstand Haesen gut im Griff. Die werden sich bestimmt durchsetzen. Weiter so Roland Busche!

  8. jakobswege Says:

    Nach der Ablehnung eines Recycling-Betriebs am Schacht Gerdt: Noch mehr umweltschonende Gewerbe für Haesen und Gerdt.

    <a href="„>Kläranlage. Methan-Reaktor für Haesen und Gerdt

  9. jakobswege Says:

    Nach der Ablehnung eines Recycling-Betriebs am Schacht Gerdt: Jetzt noch mehr umweltschonende Gewerbe für Haesen und Gerdt.

    Kläranlage. Methan-Reaktor für Haesen und Gerdt

  10. jakobswege Says:

    immer weniger Arbeitsplätze, auch bei den Journalisten

    Tor- und Pressewart – St. Homberg News Funds in der REITZ 2 Zone

  11. jakobswege Says:

    Die Tragik der Allmende, geistige Armut in der Verwaltung verscherbelt Tafelsilber

    Dezernent Dressler (SPD Duisburg) kriegt den Waschbär-Mann 2009

  12. IchLachMichKrank Says:

    Was ist denn das hier für eine Werbeplattform?
    Nur Kauderwelsch!
    Alles ohne Sinn und Verstand!

    13 Kommentare die nicht zum Thema gehören, da scheint aber jemand ein Aufmerksamkeitsdefizit zu haben! Da würde ich mal den nächsten Arzt aufsuchen 😉

    • Dezemberhaesener Says:

      Endlich mal was Konkretes.

      Kommentar von Anlieger

      Das Homberger Bürgernetz hat dieses Problem erkannt und will dem Bürgerverein Haesen helfen. Das sind derzeit nur Planungen, aber die Senioren sollen integriert werden. Im Alter höre die lebenszugewandte Schwingungsfähigkeit auf, so das HBN. (Das ist natürlich absoluter Stuss. Hier ist Altersstarrsinn gemeint.)

      Deshalb will das HBN den Bürgerverein Haesen überstützen und Hilfestellung geben, die Häuser in der Villensiedlung seniorengerecht zu gestalten.

      „Jeder will nicht gern ins Altenheim und möglichst lange zu Hause bleiben.“, sagt das HBN und bezieht sich auf eine lebensnahe Bürgerbefragung in Dorsten.

      Jetzt will das HBN dem demographisch bedrohten Ortsteil und seinem Bürgerverein helfen, die Häuser aus den 60iger Jahre altengerecht zu gestalten. Und neue Konzepte für Mehr-Generationen-Leben unter einem Dach sollen für Haesen entwickelt werden. „Es ist nicht sinnvoll, dass eine einzelne Oma auf 150 qm lebt. Das ist schlecht für die Lebensqualität im Alter und die Entwicklung für Haesen,“ so das HBN.

  13. jakobswege Says:

    Die Stunde der Wahrheit hat viele Seiten.

    Von „IchLachMichKrank“ ist nicht einmal anzunehmen, dass er DerWesten. de liest. Er versteht das nicht.

    Frohen Mutes kann ihm geantwortet werden: Geh zu deiner Arbeit. Bezahle deine Schulden und hab Hoffnung, dass es so bleibt.

    Natürlich wollen wir seinen selbst-destruktiven Trend von „IchLachMichKrank“ nicht unterstützen. Aber auch diese armen Menschen können sich hier im Blog äußern. Das ist gut.

  14. rai30 Says:

    @ all

    In diesem Artikel geht es um Afghanistan und den Krieg dort sowie die Ansichten von Scholl-Latour dazu.

    Ich bitte das in den Kommentaren auch stärker zu berücksichtigen!

    • jakobswege Says:

      Ich find es gut, dass unsere Ratherren die Themen polarisieren, könnte ich sagen.

      Doch diese Kraft insbesondere der sog. Volksparteien ist längst verloren, des Volkes plurale Stimme zu kondensieren.

      Und genau das hat Professor Peter Scholl-Latour in seinem Vortrag angesprochen, eine fremde (hier bloggische) Kultur kann nicht aufgezwungen werden – und sei es durch Bitten und Ermahnen. Wenn´s trotzdem gelingen würde, wär es schön.

  15. jakobswege Says:

    Ein anderer Punkt wären gemeinsame Interessen, die wirklich sehr viele Duisburger vereint. Doch dazu gibt es noch keine Strukturen, insbesondere können das die bekannten Parteien nicht leisten.

    Der Weg von Duisburg ist vorgezeichnet, wenn es weiter so geht wie bisher. Auch das Stadtteil-Blogging als einstiger Innovator ist aufgefordert, neue Elemente zu erproben.


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