Familie statt Loveparade

25. Juli 2010

Gestern Mittag habe ich meine Frau und meinen Sohn vom Flughafen abgeholt. Danach wollte ich eigentlich zur Loveparade fahren für die ich sogar eine Einladung in den VIP-Bereich hatte!

Als wir aber gegen halb zwei zuhause ankamen hatte ich keine Lust mehr zum großen Spektakel nach Duisburg zu fahren. Stattdessen genoß ich den Nachmittag lieber mit meiner Familie, die ich in den letzten Wochen nicht sehen konnte. Zumal ich im Radio gehört hatte, dass die Duisburger Innenstadt völlig dicht sei und es sowieso kein Durchkommen mehr geben würde.

Da dachte ich noch die Loveparade würde ein voller Erfolg werden und bedauerte ein wenig nicht dabei zu sein!

Einige Stunden später auf dem Weg zur Arbeit musste ich dann im Radio hören, dass die große Technoparty zur Katastrophe ausgeartet war. Mal von der Erleichterung abgesehen, dass ich doch nicht zur Loveparade gefahren war, war ich schockiert als ich von „mindestens 10 Toten“ hörte. Später wurden es 15, 17, 18 und letztlich sogar 19 Tote und 342 Verletzte! Was für ein grauenhaftes Desaster! Ich kann es immer noch nicht fassen!!!

Ständig sah ich während meiner Streifengänge auch auf der Straße Blaulicht und über mir kreisten Hubschrauber. Diesen Tag wird nicht nur Duisburg niemals vergessen!

Alle Welt fragt sich jetzt wie dieses Unglück passieren konnte. Es war doch alles angeblich so gut vorbereitet worden. Alle Beteiligten, ob Stadt, Veranstalter oder Polizei hatten das doch vorher versichert! Auf jeden Fall wird nun ermittelt und untersucht. In den nächsten Tagen erwarten alle das offizielle Ermittlungsergebnis und hoffentlich wissen dann auch alle was zur Katastrophe führte. Dann müssen Konsequenzen gezogen werden.

Auf „Radio Duisburg“ hörte ich gestern abend auch schon die ersten schnellen Schuldzuweisungen bevor überhaupt geklärt ist was genau geschah. Das roch schon nach politischer Instrumentalisierung, und das finde ich angesichts der Toten einfach nur schäbig!

Als Ratsherr fühle ich mich für das Unglück auch ein wenig mitverantwortlich, zumindestens grundsätzlich. Schließlich haben ja alle Ratsmitglieder, also auch ich, einstimmig für die Durchführung der Loveparade gestimmt.

Seit gestern abend bin ich in depressiver Stimmung! Im Moment kann ich nur mein Beileid für die Angehörigen der Opfer ausdrücken.

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6 Antworten to “Familie statt Loveparade”

  1. asc Says:

    Zitat @rai
    „Auf „Radio Duisburg“ hörte ich gestern abend auch schon die ersten schnellen Schuldzuweisungen bevor überhaupt geklärt ist was genau geschah. Das roch schon nach politischer Instrumentalisierung, und das finde ich angesichts der Toten einfach nur schäbig!“

    Eine noch viel größere Schäbigkeit ist die Pressekonferenz, die Oberbürgermeister Adolf Sauerland gestern gegeben hat. Schuld an der Katastrophe sind demnach die Toten selber, die „Sicherheitsvorkehrungen“ überklettert hätten und dabei abgestürzt wären.
    Sauerland und Co. wollen offensichtlich die Verantwortung anderen zuschieben, bevor die Umstände des Desasters überhaupt geklärt sind. Erbärmlicher geht es nicht!

    http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/Politiker-zur-Katastrophe-id3279922.html

    Und noch etwas: in Kommentaren zu diversen Artikeln auf derwesten.de wiesen sehr viele Kommentatoren im Vorfeld der Loveparade auf genau die Sicherheitsgefahr, die der Tunnel darstellt, hin. Niemand hat diese Hinweise interessiert. Stattdessen reden die Verantwortlichen immer noch von einem „schlüssigen Sicherheitskonzept“. Da könnte man wirklich das Kotzen kriegen!

    • rai30 Says:

      @ asc

      Ich warte lieber die Ergebnisse der Ermittlungen ab bevor ich urteile. Die Aussagen der Beteiligten sind mir zu widersprüchlich.

      Ich hoffe, dass dann alle offenen Fragen aufgeklärt werden!

      • asc Says:

        Wie man sehen kann, läuft die (Achtung Ironie)Aufklärung auf vollen Touren:

        „Wie SPIEGEL ONLINE erfuhr, wurden bei der Bundespolizei inzwischen sämtliche Unterlagen zur Love Parade – Einsatzbefehle, Lagemeldungen, Karten – von den Computern der Beamten sowie aus deren E-Mail-Accounts gelöscht. „Da kam sehr schnell der ganz große Staubsauger“, sagte ein Beamter, der sogar eine konzertierte „Vertuschungsaktion“ im Gang wähnt.“

        https://www.spiegel.de/panorama/0,1518,708426,00.html

      • rai30 Says:

        @ asc

        Das wäre schlimm wenn es stimmen würde. Aber wieso sollte die Bundespolizei irgendwas vertuschen wollen???

        Ich bin auf die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft gespannt!

      • rai30 Says:

        Inzwischen hat sich die Meldung von den angeblich verschwundenen Unterlagen bei der Bundespolizei als Falschmeldung herausgestellt!

        Die Berichterstattung über die Loveparade ist leider nicht immer sorgfältig!

  2. asc Says:

    Ein lesenswerter Artikel von Stefan Schroeder auf ruhrbarone.de:

    http://www.ruhrbarone.de/update-loveparade-der-zombie-der-ruhrburokraten/


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