Verantwortung und Schuld

27. Juli 2010

Am Tag 3 nach der Katastrophe mehren sich immer mehr Anschuldigungen, Spekulationen und Wut. Ich selbst bin immer noch fassungslos und kann immer noch nicht verstehen wie das Drama auf der Loveparade geschehen konnte!

Was mich aber völlig irritiert sind die vielen Experten, die nun in den Medien auftauchen und behaupten sie hätten schon vor längerer Zeit vor der Loveparade und den Sicherheitsgefahren gewarnt. Ich frage mich nur wieso ich in den letzten Wochen nie was von irgendwelchen Sicherheitsproblemen gehört habe und es immer hieß das von allen Beteiligten erarbeitete Sicherheitskonzept wäre gut ausgearbeitet worden.

Eine heftige Kontroverse um die Loveparade gab es nur Anfang des Jahres. Und es gab sogar einzelne Leute, die die Loveparade nicht wollten. Allerdings aus finanziellen Gründen! Kann sich Duisburg in Zeiten knapper Kassen ein großes Technospektakel leisten fragten die Kritiker. Ein anderes Argument gegen die Loveparade war die Schadstoffbelastung am alten Güterbahnhof.

Sicherheitsfragen spielten bei der intensiven Diskussion Anfang des Jahres keine Rolle! Die SPD setzte sogar in einer Sondersitzung des Rates der Stadt einen Antrag durch in dem die Durchführung der Loveparade begrüßt wurde wenn sie denn der Stadt kein Geld kostet. Dieser Antrag wurde am 20. Februar einstimmig(!) beschlossen.

Jetzt nach der Katastrophe möchten sich viele wahrscheinlich nicht mehr daran erinnern. Auf jeden Fall stehen quälende Fragen im Raum wie es zur Katastrophe kommen konnte und wer da Schuld auf sich geladen hat:
wieso hat die Polizei, wenn sie denn wirklich so große Bedenken hatte, nicht die ganze Veranstaltung untersagt?! Das Veranstaltungskonzept war doch mit allen Beteiligten abgesprochen!

Oder war die ganze Planung fehlerhaft?!

Haben die Einsatzkräfte während der Loveparade schwere Fehler gemacht?! Wurden die Absperrungen nicht schnell genug geöffnet als es zu Drängeleien und gefährlichen Ansammlungen kam?! Eine Teilnehmerin berichtete im Radio sie wäre von Polizisten in die Masse im Tunnel an der Karl-Lehr-Straße zurückgeschickt worden als sie daraus fliehen wollte!!!

Es gibt soviele offene Fragen wie Mutmaßungen und Spekulationen. Auch der Hinweis von Teilnehmern, dass das Festivalgelände gar nicht richtig voll war macht mich stutzig. Hat am Ende das Zusammenspiel von Polizei und Veranstaltern während der Loveparade nicht geklappt???

Für mich weisen die vielen Aussagen von Betroffenen darauf hin, dass es wohl einige Schuldige gibt und keinen Alleinschuldigen.

Auf „EinsLive“ hat ein Raver ins Kondolenzbuch geschrieben: „ich war auch schuld, denn ich gehörte auch zur Masse, die sich durch den Tunnel drängte und Leute zerquetschte„!

Ich selbst bekomme heute noch ein schlechtes Gefühl in der Magengegend wenn ich daran denke, dass ich auch im Februar für die Loveparade gestimmt habe!

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19 Antworten to “Verantwortung und Schuld”

  1. Loveparade Says:

    Unglaublich aber wahr!!!

    http://cduduisburg.de/index.jsp?index=presse&mid=20&content=ja&id=103

    Die CDU brüstet sich noch auf den eigenen Internetseiten den Duisburger Polizeipräsident Rolf Cebin abgesetzt zu haben, weil der auf das Sicherheitsrisiko hingewiesen hat.

    Ach ja schön wie du die SPD hier noch in den Text rein gequetscht hast! Wirklich traurig wenn du das hier noch los werden musst!

    • Loveparade Says:

      Den Link hat die CDU nun wohl doch entfernt!
      Ich dachte Herr Mahlberg steht zu seinem Wort!
      Komischer Haufen und hinterher will es keiner gewesen sein!

  2. asc Says:

    Ach, hat man sich im Rathaus geeinigt, wem man die Verantwortung zuschieben kann und selber maximal mit einem „schlechten Gefühl in der Magengegend“ davon kommt? Jetzt waren es also die Besucher selber, die schließlich gedrängelt haben. das steht ja Schwarz auf Weiß im Kondokenzbuch eines Radiosenders. Vielleicht hat auch ein bischen die Polizei schuld oder der Veranstalter Lovepavent. Hauptsache die Rathausinsassen kommen mit einer strahlend weißen Weste aus der Nummer raus. Erbärmlcher geht es wirklich nicht!

    • rai30 Says:

      @ asc

      Niemand kommt mit einer weißen Weste aus dieser Geschichte raus!!!

      Die Erkenntnis, dass bei einer Großveranstaltung viele Leute Verantwortung tragen ist einfach nachvollziehbar!

      Es gibt keinen Alleinschuldigen!

      • Loveparade Says:

        Wenn Dressler die Sache nicht absegnen will, wer kann die denn dann noch absegnen? Ich hoffe für Herrn Sauerland nicht, dass der das mit Herrn Raabe ganz alleine abgesegnet hat!

        http://www.derwesten.de/kultur/musik-und-konzerte/loveparade/Sauerland-kannte-Details-der-Sicherheitsbedenken-id3291912.html

      • rai30 Says:

        @ Loveparade

        Nachher haben natürlich alle nichts damit zu tun gehabt und schon immer davor gewarnt.
        Demnächst werden wir wohl auch hören, dass der OB die ganze Loveparade alleine gemanagt und alle Genehmigungen und Planungen selbst gemacht hat!

      • Loveparade Says:

        „Nachher haben natürlich alle nichts damit zu tun gehabt und schon immer davor gewarnt.“

        Wenn ich mir die Artikel bei derWesten.de anschaue, hatten ja viele Zweifel (der Polizeichef, der Chef der Feuerwehr, Dressler etc.)
        Was ist denn mit denen? Haben die Ihre Zweifel dem OB nicht gut genug vorgetragen?

        Hier mal ein Beispiel

        http://files1.derwesten.de/flashmm/PDF/protokoll.pdf

        Richtig krass wie da mit Menschenleben umgegangen wird! Der einzige der hier einen Arsch in der Hose hat ist der Dressler (SPD) und den würde ich sonst als Spinner bezeichnen! Mit der handschriftlichen Notiz aber hat der sich bei mir auf der Sympathieliste ganz nach oben katapultiert!

      • rai30 Says:

        @ Loveparade

        Offensichtlich haben die Beteiligten am 18. Juni über viele Details der Veranstaltung diskutiert und einige offene Fragen zu den Fluchtwegen gehabt.

        Das ist natürlich interessant, aber mich würde mal eher interessieren was bei dem darauffolgenden Treffen besprochen wurde und ob die Fragen geklärt wurden!

        Nebenbei bemerkt hat der ganze Stadtrat die Loveparade gewünscht. Das wurde per Ratsbeschluss festgelegt.

        Und für mich stellt sich die Frage warum die Polizei nicht die ganze Veranstaltung verboten hat wenn sie wirklich große Sicherheitsbedenken hatte!

        Die ganze Geschichte ist immer noch nicht aufgeklärt!

      • Loveparade Says:

        „Und für mich stellt sich die Frage warum die Polizei nicht die ganze Veranstaltung verboten hat wenn sie wirklich große Sicherheitsbedenken hatte!“

        Diese Aussage erschreckt mich etwas, besonders wenn sie von einem Ratsherren kommt! Wie bitte schön sollte die Polizei eine Veranstaltung verbieten, wenn eine Genehmigung von der Stadt vorliegt? Hatte der alte Polizeipräsident nicht so etwas angedeutet und hat nicht deshalb Herr Mahlberg (CD) beim Innenminister um dessen Entlassung gebeten?

        „Nebenbei bemerkt hat der ganze Stadtrat die Loveparade gewünscht. Das wurde per Ratsbeschluss festgelegt.“

        Da würde mich natürlich interessieren ob dort auch das Sicherheitskonzept diskutiert wurde? War dir das Sicherheitskonzept vorher bekannt?

        Sollte der Rat über das Sicherheitskonzept informiert gewesen sein, bin ich mal gespannt, wann die Staatsanwaltschaft beim Rat aufläuft!

        Kann man eigentlich nachlesen, wer wie bei diesem Beschluss abgestimmt hat?

      • rai30 Says:

        @ Loveparade

        Zunächstmal darf die Polizei bei akuten Sicherheitsbedenken jederzeit eine Veranstaltung verbieten und Straßen absperren! Es stellt sich doch die Frage wieso immer mehr Menschen in den Tunnel an der Karl-Lehr-Straße gelassen wurden!

        Und der Beschluss die Loveparade in Duisburg durchzuführen war einstimmig! Also steckt der gesamte Rat der Stadt zumindestens in einer moralischen Mitverantwortung!

      • Loveparade Says:

        http://www.derwesten.de/kultur/musik-und-konzerte/loveparade/Sauerland-bleibt-aus-Pflichtbewusstsein-id3310681.html

        Auch ein super Interview!

        „Die Zahlen wurden immer um den Faktor drei oder vier übertrieben. Deswegen mussten wir auch die Zahl der wirklich erwarteten Teilnehmer geheimhalten, um der Firma Lovpavent als Veranstalter der Loveparade keinen Imageschaden zuzufügen“

        Das nennt man in Duisburg wohl dann PPP!

      • rai30 Says:

        Das ist wahrscheinlich übliche Marketingpraxis.

      • Loveparade Says:

        —- „Loveparade“ alias „Easy“ ist hier auch unter anderen Namen nicht erwünscht.
        Ich finde das ziemlich unverschämt immer mit neuen Tarnnamen hier aufzukreuzen!

        rai30 —-

  3. asc Says:

    Hier noch ein aktuelles Bild aus dem Rathaus der Stadt Duisburg:

  4. asc Says:

    @rai
    Sie betonen immer, dass Sicherheitsbedenken nie ein Thema waren und nur über die Finazierung gesprochen wurde. Die Frankfurter Rundschau berichtet über Sitzungen, in denen sehr wohl Sicherheitsbedenken geäußert und Fragen nach dem Verkehrskonzept gestellt wurden. Haben Sie an solchen Sitzungen gar nicht teilgenommen und auch kein Protokoll darüber erhalten?

    Kritik gibt es regelmäßig. So sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Herbert Mettler in einer Sitzung am 21. Januar 2010 laut Protokoll: „Die Beschreibungen zu dieser Veranstaltung haben mich sehr erschrocken. Ich frage mich, wie die Risiken beherrscht werden sollen.“ Mettler sagt, es seien viele Fragen ungeklärt: „Wenn man viele junge Menschen nach Duisburg einlädt, dann muss ein reibungsloser Ablauf allein aus Sicherheitsgründen garantiert werden.“

    „Der Rat wurde systematisch im Dunkeln gelassen“, sagte der Duisburger Fraktionschef der Linken Hermann Dierckes der FR. Die Linke hatte schon im April einen Antrag gestellt, das Verkehrskonzept für die Loveparade zu veröffentlichen. Am 1. Juni erteilt Sauerland eine Antwort, die das Problem schon klar thematisiert: „Die Nähe des Hauptbahnhofes zum Veranstaltungsgelände stellt ein besonderes Problem dar.“ Der Veranstalter habe bereits ein Konzept zur umfangreichen Sicherung des Veranstaltungsgeländes vorgelegt. Dieses Konzept wiederum wurde den Ratsherren nicht vorgestellt. Gefragt haben sie aber auch nicht. Offenbar wollte in Duisburg kein Verantwortlicher genau hinschauen.
    Quelle: http://www.fr-online.de/panorama/wie-die-politik-versagte/-/1472782/4508428/-/index.html

    • rai30 Says:

      @ asc

      Der letzte Satz sagt es leider ziemlich genau:
      keiner hat wirklich nachgefragt und das Sicherheitskonzept von Stadt, Veranstalter und Polizei hinterfragt. Das bedrückt mich auch, denn ich hätte ja auch im Rat der Stadt danach fragen können. Aber im Rat ging es fast nur um Finanzierungsfragen!

      Wir haben uns alle darauf verlassen, dass die Experten der Polizei und des Ordnungsamtes es schon richtig machen werden.

      Deshalb räume ich auch selbstkritisch ein, dass es viele Verantwortliche gibt. Nämlich fast alle Duisburger Ratsleute, das zuständige Fachdezernat sowie die Polizeiführung und der Veranstalter.

      Deshalb bin ich auch gegen vorschnelle Schuldzuweisungen gegen einzelne. Die Staatsanwaltschaft muss erstmal ermitteln und die Sachverhalte aufklären.

      Wenn das geschehen ist kommt die Zeit Konsequenzen zu ziehen!

  5. Nummer14g Says:

    Rainer, du machst dich mit deinen Zensuraktionen lächerlich. Ist dir nicht bewußt, daß es auch auf dich als Ratsherrn ein schlechtes Licht wirft, wenn du fremde Meinungen nicht gelten lässt? Du willst doch gerne ein „Vorzeigetürke“ sein, tolerant, gut integriert, willst ein Sprachrohr für Homberg sein. Mit deinem diktatorischen Stil hier im Blog ruinierst du deinen eigenen Ruf. Mir ist das Recht und geschlöschten easys, ascs und wie sie alle heißen wahrscheinlich auch. Also, weiter so, Rainer!

    • rai30 Says:

      @ „Nummer14g“

      Ich lasse es nicht zu, dass hier Leute, die ich wegen übler Pöbeleien aus meinem Blog geworfen habe sich unter anderem Namen wieder hier reinschleichen!
      Diese anonymen Pöbler sollen bei „derwesten.de“ bleiben. Da gehören sie hin!

  6. asc Says:

    Eines muss man Herrn Grün zu Gute halten:
    Er äußert sich hier wenigstens zu diesem Unglück und läßt darüber diskutieren. Bisher ist noch keiner meiner Beiträge verschwunden.
    Bin da nicht im Bilde, aber welcher Duisbuerger Ratsherr / welche Duisburger Ratsfrau bietet denn noch so eine Plattform im Netz an und stellt sich der Diskussion?


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