Internetfund: Dokumentation der Katastrophe

8. August 2010

Heute habe ich einen Blog entdeckt, der minutiös die Loveparade-Katastrophe dokumentiert. Videos von verschiedenen Quellen zeigen die Ereignisse teilweise hautnah.

Der Blog heißt „Dokumentation der Ereignisse zur Loveparade 2010 in Duisburg„.

Der Blogautor bemüht sich das Geschehen zwischen Tunnel und Rampe sowie den Treppenaufstieg genau zeitlich korrekt wiederzugeben. Wer sich also eine Meinung bilden will und dabei nicht den Schlagzeilen der WAZ-Propagandamedien vertrauen will sollte einen Blick auf diesen Blog werfen sowie die zahlreichen YouTube-Videos betrachten.

In vielen Kommentaren berichten und diskutieren Augenzeugen kontrovers was sie erlebten, hier ein Beispiel:

„…Die verhängnisvollen 8 Minuten von 16:54 bis 17:02

Als Grundlage für die folgenden Schilderungen dienen u. a. die Videos von pizzamanne, struppi04, coolwojtek, mbreezer1, backtony (new assembled von helgem612), bstadtfilms und weitere Videos.

Phase 1: 16:54 bis 16.56
Um 16:54 verliert der erste Besucher die Nerven. Er hechtet sich vom Sockel unter dem rosa Plakat auf die Köpfe der Eingezwängten, versinkt aber aufgrund seiner geringen Körperfülle selbst in der Menge. In den nächsten 2 Minuten folgen 5 weitere Übersteigungen, welche die Lage in der Nähe der Treppe dramatisch verschärfen. Der Filmer Pizzamanne z. B. versinkt dabei selbst in der Menge.

Phase 2: 16:56 bis 17:00
Um 16:56 erfolgt der 1. Absturz des weißen Kletterers mit der kurzen Hose in der Mitte vor dem rosa Plakat, als er versucht sich an einem Seil hochzuziehen. Dadurch kommen weitere Personen vor dem Plakat in Schieflage. Bis 17:00 gibt es 5 dokumentierte Übersteigungen, darunter auch 2 Frauen. Zwischendurch etwa um 16:57 gibt es noch den Absturz des Kletterers mit dem knallgrünen Shirt und der weißen Hose von dem Schild links neben der rosa Tafel. Sofort danach erklimmt das grüne Männchen abermals das Schild und verharrt am rechten Rand des rosa Plakats.

Phase 3: 17:00 bis 17:02
Ziemlich genau um 17:00 setzt der parkende grüne Polizeiwagen, der etwa in Höhe des rosa Plakats steht, seine Fahrt fort. Im zügigen Schritttempo fährt er in Richtung Rampe. Genauso zügig gehen die Gäste hinter dem Wagen her. Der Strom hinter dem Wagen wird schnell immer breiter, da die bis dahin eingekeilten Menschen aus beiden Tunneln endlich weiter gehen können. Insbesondere die aus dem von Westen kommenden Tunnel nachströmende Menschenmenge baut Druck auf. Es gibt eine regelrechte Wellenbewegung, die von den eingekeilten Leuten vor der Treppe und denen vor dem dreieckförmig angeordneten Absperrgitter rechts von der Treppe zurück geworfen wird. Die zurück laufende Menschenwelle dauert etwa 4 Sekunden und wirft eine Traube von Menschen zwischen Plakat und Treppe um. Sie verknäulen sich ineinander. Einige erkennen ihre Chance jetzt die Treppe zu erreichen, indem sie die gestapelten, gegeneinander versetzten Menschen als Rampe benutzen. Kurz darauf gibt es mindestens weitere 8 dokumentierte Übersteigungen. Um 17:02 stürzt zu allem Überfluss das ursprünglich grüne Männchen jetzt mit weißem Shirt mitsamt der oberen Metallleiste des rosa Plakats in die bereits am Boden Liegenden und wird kurz darauf selbst zum Überkletterer…“


Eine Polizeisperre vor der Rampe (Quelle: unbekannt, im Google-Cache gefunden)


Sperrlinienplan der Polizei (Quelle: NRW-Innenministerium)

Eigentlich wäre es ja die Aufgabe der Presse möglichst genau zu recherchieren wie es zur Tragödie kommen konnte anstatt schnelle Urteile zu fällen. Aber leider haben wohl viele Journalisten keine Zeit oder kein Interesse an der Aufklärung und Information der Bürger. Da kann man als kritisch denkender Mensch nur froh sein, dass es im Netz viele engagierte Leute gibt, die ihren Beitrag zur Information der Menschen leisten!

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27 Antworten to “Internetfund: Dokumentation der Katastrophe”


  1. […] das in den Verantwotungsbereich des Beigeordneten Jürgen Dressler (SPD Duisburg)? Haben die, die am lautesten schreien, die gröbsten Fehler begangen? Der Duisburger Dezernent Dressler (SPD […]

  2. Tenrix Says:

    Derzeit erhält das Stadtteil-Blogging Interesse durch Google-Suchanfragen nach „herbert schenkelberg“, wie der St. Homberg News Funds erfuhr.

    Herbert Schenkelberg (* 1952 in Herschbach) ist ein deutscher Richter, Verwaltungsjurist und derzeitiger Polizeipräsident des Polizeipräsidiums Düsseldorf. …

    Sein Mitarbeiter Polizeidirektor Jörg Schalk, Polizeipräsidium Düsseldorf / Chef von der Abteilung ‚Ständiger Stab‘ hat den ‚Sicherheitskoordinator Loveparade‘ Dezernent Rabe (Stadt Duisburg) bei der Planung der Loveparade im Arbeitskreis IV unterstützt und sein Wissen als Spezialist für Massen-Großveranstaltungen in das Sicherheitskonzept der Stadt Duisburg eingebracht.

    • haesen-watch Says:

      Ob sich da jemand jenseits einer Haesen-Parallelwelt Sorgen macht?

    • Loch Ütti Says:

      Unterscheide: Haesen hat Sorgen – Herbert Schenkelberg macht sich Sorgen. Der Vorstand von Bürgerverein hat aufgeört zu ahnen. Sind schon längst Opfer. Herbert Schenkelberg wird vielleicht noch eins.

      Mein herzliches Beileid. Ich möchte ihn waren. Es soll keiner sagen, ich hätte Herbert Schenkelberg von der Polizei Düsseldorf nicht gewarnt.

      Heute hat jeder das Recht gewarnt zu werden (der Polizeipräsdent Duisburg Herr Cebin hat auch gewarnt), deshalb möchte ich auch den Bürberverein Haesen und Gerdt warnen. Es soll keiner sagen, ich hätte nicht gewarnt.

      Und natürlich warne ich auch die WAZ Duisburg und bei der NRZ Duisburg hat es keinen Zweck mehr: Das sollen die Haesener immer weiter lesen – die Ewigkeit hat allerdings ein Ende.

    • rai30 Says:

      Das sind olle Kamellen! Was am 14. Juni war ist ziemlich uninteressant. Das könnte auch die Süddeutsche Zeitung wissen.

      Wenn die wirklich die Protokolle vorliegen haben sollten die mal gucken ob in den letzten Sitzungen vor dem 24. Juli die Planungsprobleme behoben wurden und alle Beteiligten damit einverstanden waren!

      Meines Wissens haben am Ende alle zugestimmt!

      • Rainer Unfug Says:

        Wer ist denn für die alle?
        Und wozu haben die zugestimmt?

      • rai30 Says:

        Alle sind: Polizei, städtisches Ordnungsdezernat, Feuerwehr, Veranstalter, Bundespolizei und mehr.

        Kann man übrigens genau im Zwischenbericht der Stadt nachlesen.
        Der kann unter http://www.duisburg.de/news/medien-12/Zwischenbericht_Loveparade.pdf runtergeladen werden!

      • Rainer Unfug Says:

        Der Rat der Stadt Duisburg ist aus der Sache raus?

      • rai30 Says:

        Der Rat der Stadt hat den politischen Auftrag erteilt die Loveparade in Duisburg zu veranstalten.

        Das Sicherheitskonzept sowie die detaillierte Planung haben die Ratsmitglieder nie zu Gesicht bekommen. Das war laufendes Geschäft der Verwaltung und mit Polizei, Veranstalter, Feuerwehr, Experten der Uni Duisburg und anderen Beteiligten abgestimmt.

        Im Nachhinein frage ich mich auch warum wir Ratsmitglieder nicht vor der Veranstaltung energischer nach den Details der Planung wie eben dem Sicherheitskonzept nachgefragt haben!

        Wir haben uns da vielleicht auch zu sehr auf die Experten verlassen. Andererseits wäre das Unglück vielleicht auch mit dem besten Sicherheitskonzept der Welt passiert!

        Bevor nicht die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft auf dem Tisch liegen ist das alles aber auch Spekulation!

      • Rainer Unfug Says:

        Wenn du schreibst „Der Rat der Stadt hat den politischen Auftrag erteilt die Loveparade in Duisburg zu veranstalten.“, dann hat der Rat doch die politische Verantwortung, oder?

      • rai30 Says:

        Wer hat alles die politische Verantwortung?!

        Die alte und die neue Landesregierung sowie die RUHR 2010-Geschäftsführung wollten die Loveparade. Es waren sich eigentlich fast alle einig, dass die Loveparade in Duisburg stattfinden soll.

        Eine Zeitlang wurde nur darum gestritten ob das finanziell machbar sei.

        Jetzt nach der Katastrophe verstecken sich viele und tun so als gäbe es nur einen Verantwortlichen dem man alles aufbürden könne.

        Ich bleibe dabei, dass erstmal schonungslos aufgeklärt wird wo Fehler gemacht wurden durch die es zur Katastrophe kam.

        Dadurch könnten dann die Verantwortlichen ermittelt werden anstatt nur auf einen Sündenbock einzuprügeln und Erkenntnisse gewonnen werden wie sich solche Tragödien in Zukunft bei Großveranstaltungen besser vermeiden lassen.

        Das wäre sicher auch im Sinne der Opfer vom 24.07.2010

      • Rainer Unfug Says:

        Bei der alten Landesregierung stimme ich dir voll zu, aber die neue Landesregierung? Nur weil die 2 Wochen vorher ins Amt gekommen sind, sollen die die politische Verantwortung übernehmen?

        Die RUHR 2010-Geschäftsführung kann übrigens nicht die politische Verantwortung übernehmen.

        Was ist denn wenn sich nun ergibt, dass ein städtischer Beamter etwas unterschrieben hat, was er nicht hätte unterschreiben dürfen. Bekommt der dann die politische Verantwortung? Gibt es aus deiner Sicht als Ratsherr überhaupt eine politische Verantwortung? Wenn ja wann würde diese sich ergeben?

      • rai30 Says:

        Die neue Landesregierung war früher Opposition, und eine Frau Kraft hat sich auch vehement für die Loveparade eingesetzt als sie noch Oppositionsführerin war!

        Nebenbei bemerkt ist eine Landesregierung auch für Hinterlassenschaften der Vorgänderregierung mitverantwortlich!

        Das ist die Crux bei Verantwortlichkeiten, man wird für Dinge zur Verantwortung gezogen, die man selbst gar nicht gemacht hat.

        Deshalb wäre bei einem entscheidenden Fehler eines städtischen Beamten oder Angestellten natürlich der vorgesetzte Amtsleiter verantwortlich. Und in letzter Konsequenz der Dezernent. Der OB wäre dann verantwortlich wenn er direkt mit der Fehlentscheidung zu tun hätte.

        Aber das ist erstmal Theorie solange nichts aufgeklärt ist und nicht ermittelt wurde was zur Katastrophe führte! Ich frage mich allerdings warum niemand bei der Polizei von Verantwortlichkeiten spricht?!

        Der Landesinnenminister war ja ziemlich schnell bei der Erteilung seines eigenen Persilscheines!


  3. […] jakobswege Loveparade. Götz Middeldorf (Leiter der Lokalredaktion NRZ Duisburg) belügt die Welt. Jetzt muss NRZ-Chef Rüdiger Oppers ran. Hinweg mit […]


  4. […] WAZ veranwortlich. Seine Berichterstattung betreibt die Renaturierung von Duisburg und Ruhrgebiet: Erst geht der Mensch, dann kommt der Waschbär, Luchs oder […]

  5. asc Says:

    @rai
    Könnte für Sie interessant sein:

    „Heute Vormittag wurde der Redaktion von xtranews eine CD mit den vertraulichen Anhängen des Loveparade-Gutachtens der Kanzelei HEUKING KÜHN LÜER WOJTEK zugespielt. Insgesamt beinhaltet die CD 43 Anhänge im PDF-Format. Wir werden nach Prüfung der einzelnen Anlagen diese hier sukzessiv veröffentlichen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Duisburger Ratsmitglieder diese Anhänge nicht zu Gesicht bekommen haben.“
    http://www.xtranews.de/2010/08/11/loveparade-gutachten-die-vertraulichen-anhaenge-zum-download/

    • rai30 Says:

      Hört sich interessant an. Allerdings sollen die Ratsmitglieder die auch bald zu Gesicht bekommen.

      Ich werde auch nochmal nachfragen, wahrscheinlich sind viele Unterlagen nicht für die Öffentlichkeit bestimmt oder werden von der Staatsanwaltschaft unter Verschluss gehalten.

      Irgendwann kommt sowieso alles ans Tageslicht!

    • rai30 Says:

      Also was ich in den Anhängen gesehen habe ist kalter Kaffee und schon lange bekannt. Obwohl man von dem Schreckenberger vielleicht auch das meiner Ansicht nach überhöhte Honorar für sein Gutachten zurückverlangen sollte!

      Bei diesen „xtranews“ ist mir aber auch aufgefallen, dass da gleich mehrere SPD´ler in der Redaktion sitzen. Nicht, dass die auch wie die WAZ-Propagandablätter nur für die SPD arbeiten!

      • Rainer Unfug Says:

        Warum ist das Honorar deiner Meinung nach überhöht?

        Was bekommt eigentlich die Anwaltskanzlei die das Gutachten für die Stadt gemacht hat? Da kommen WIR mit 20.000 Euro wohl nicht aus! Das sollte am Ende noch einmal diskutiert werden und sollte das Gutachten nichts Wert sein, so sollte der Rat mal hier eingreifen!

      • rai30 Says:

        Die Kostenfrage wird mit Sicherheit auch im Rat der Stadt diskutiert werden.
        Was das Gutachten vom Schreckenberger angeht fand ich die Kosten dafür zu hoch weil er ja zugegeben hat nicht mal am Veranstaltungsort gewesen zu sein. Da habe ich Zweifel ob sein Gutachten wirklich seriös und gründlich ausgearbeitet war. Ich denke die Staatsanwaltschaft wird da auch Fragen an ihn stellen!

        Die Kosten für Anwaltskanzleien sind meines Wissens nach durch Gebührenordnungen geregelt. Ob da zusätzliche Honorarvereinbarungen getroffen wurden wird sicher mal in einer nicht-öffentlichen Sitzung thematisiert werden.

        Grundsätzlich halte ich es für richtig, dass die Stadt auch rechtlichen Beistand durch eine renomierte Anwaltskanzlei in Anspruch nimmt. Gerade wenn millionenschwere Entschädigungsklagen im Raum stehen wäre es sehr fahrlässig gewesen nicht juristischen Beistand zu konsultieren.

      • Rainer Unfug Says:

        sind die millionenschweren Entschädigungen also unberechtigt?

      • rai30 Says:

        Das ist eine rechtliche Frage!

        Vor allem wer soll zahlen???

        Deswegen braucht man ja auch gute Rechtsanwälte!!!

      • Rainer Unfug Says:

        Und die Opfer bleiben auf der Strecke!

        Schön das Herr Sauerland sich das was kosten lässt!
        Deshalb kann die Stadt ja dann auch 500.000 Euro spenden! 😦

        Das ist Politik und deshalb will da auch keiner mehr mitmachen! Gut für die CDU, denn dann geht die Wahlbeteiligung wieder auf einen neuen Minimalstand!

      • rai30 Says:

        Was für eine dämliche Unterstellung!

        Für die Opfer wurde Soforthilfefonds eingerichtet.

        Es geht um die Frage wer die Entschädigungen zahlen soll.

        Wieso redet überhaupt niemand über die Verantwortung der Polizei und ihrer Vorgesetzten, Polizeipräsident und Innenminister?!

  6. asc Says:

    Zwei Personen sind durch die Dokumente der Lüge überführt:

    1. Michael Schreckenberg,

    der behauptete nur die Wege außerhalb des Veranstaltungsgeländes begutachtet zu haben, nicht aber das Veranstaltungsgelände und dessen Eingang / Ausgang über den Tunnel.

    der behauptete von einem Auftrag der Stadt Duisburg für ein Gutachten und von einer Honorarvereinbarung über 20.000 EUR nichts zu wissen.

    2. Adolf Sauerland,

    der behauptete von Problemen zwischen der Unteren Bauaufsichtsbehörde und dem Veranstalter nichts gewusst zu haben: „Mir sind keine Warnungen bekannt“
    ————————————————-

    Was kostet eigentlich der PR-Berater, den die Stadt Duisburg neuerdings engagiert hat? Hat man so viel Dreck am Stecken, dass man sich nicht mehr traut, persönlich Stellung zu nehmen?

    • rai30 Says:

      @ asc

      Persönlich Stellung zu nehmen wenn die Staatsanwaltschaft ermittelt ist immer riskant. Egal was man sagt, man riskiert millionenschwere Entschädigungsklagen. Deswegen halte ich den PR-Berater für eine richtige Entscheidung um auch den Imageschaden für unsere Stadt zu begrenzen!

      Der Lüge überführt ist auch niemand, allenfalls sind Widersprüche zwischen Dokumenten und mündlichen Aussagen vorhanden.

      Aber mal ernsthaft: die Staatsanwaltschaft ermittelt und wird mit ihren erfahrenen Ermittlern schon für die notwendige Aufklärung sorgen. Bis dahin betrachten wir lieber alles mit großer Vorsicht was so veröffentlicht wird!

      Spekulationen und Halbinformationen sind zu dürftig um Urteile zu fällen!


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