Besuch beim Castor

25. April 2012

Gesellschaft für Nuklearservice

Gesellschaft für Nuklearservice

Gestern hat die DWG-Fraktion die Gelegenheit genutzt mal bei der „Gesellschaft für Nuklearservice“ in Duisburg-Wanheim, nur einen Steinwurf weit von „Tiger & Turtle“, vorbeizuschauen und uns augiebig zu informieren wie den Betrieb unter die Lupe zu nehmen.

Und wir wurden von der Geschäftsleitung mehr als ausgiebig wie erschöpfend informiert. Die ganzen Bequerel- und Microsievert-Werte haben auch mehr verwirrt als erklärt. Beruhigt haben eher Tatsachen wie die strenge Kontrolle des Betriebes durch die Bezirksregierung und das Nicht-Vorhandensein von abgebrannten Brennstäben aus Atomkraftwerken. Die GNS ist an neun Standorten, darunter auch Gorleben, tätig und gehört den großen Energiekonzernen RWE, Vattenfall, EnBw und E.ON, also den Betreibern der Atomkraftwerke. Im Klartext bedeutet das also, dass die Kunden der GNS ihre Besitzer sind! Ein Konstrukt, dass die Politik so gewollt hat um die Entsorgung des Atommülls nur in einer Hand zu lassen weil so die Kontrolle der Einhaltung aller strengen Sicherheitsauflagen besser funktionieren soll.

In Wanheim werden auch nur schwach und mittelschwer strahlende Abfälle aller Art aus Kernkraftwerken verarbeitet, sprich für die Endlagerung im Schacht Konrad ordentlich und sicher verpackt. Die Strahlenbelastung im Umkreis von 3 Kilometern um die Anlage herum wird streng kontrolliert und ist nicht höher als zum Beispiel bei einem Flug nach Mallorca oder einer Röntgenuntersuchung im Krankenhaus. Ich habe dann auch gefragt wie lange die Arbeiter schon im Betrieb tätig sind und ob sie alle gesundheitlich fit sind, denn wenn es bei der GNS gefährlich sein sollte müssten die Arbeiter, die ständig mit dem Atommüll in Kontakt kommen ja am ehesten betroffen sein. Einer der Chefs erklärte dann auch, dass „niemand sich seine Gesundheit abkaufen lasse“ und ordentliche Löhne gezahlt werden, die sich aber im üblichen Tarifrahmen bewegen. Ebenso arbeiten die Beschäftigten teilweise schon seit Jahrzehnten im Betrieb und erfreuen sich immer noch guter Gesundheit.

Der Transportverkehr hält sich ziemlich in Grenzen, angeblich fahren nur 5 LKW´s im Jahr zur GNS und das meiste Material kommt mit Güterwagons der Bahn. Angesichts der Tatsache, dass der Logport mit seinem intensiven Güterverkehr nebenan liegt spielt das Thema also kaum eine ernsthafte Rolle.

Trotzdem gilt die GNS in der Politik als „unerwünschter Betrieb“ und wird deswegen sogar auch im rot-grünen Koalitionsvertrag erwähnt. Das und einige andere Dinge beklagten dann auch unsere Gastgeber. Alles was mit Atomkraft zu tun hat ist eben ziemlich unbeliebt und mit vielen Ängsten behaftet. Aber die Realität sieht anders aus als viele denken: in Wanheim jedenfalls werden nur Schrotte, Putzmaterial, getragene Schutzanzüge und anderer Kleinkram verarbeitet. Und irgendwohin muss der Kram von irgendjemanden gebracht werden. Also macht das die GNS unter strenger staatlicher Kontrolle.

Die aufwändige Sicherheitstechnik beim Rundgang durch den Betrieb war auch überzeugend, nur die alten Rechner mit Floppydiskettenlaufwerken wirkten retro. Ein Museum für Computertechnik des letzten Jahrhunderts würde die sicher gerne nehmen. Allerdings sollen die alten Rechner immer noch sehr zuverlässig und vor allem auch bewährt sein. Die Hallen wirkten vorbildlich sauber, die Brandschutzbestimmungen werden übererfüllt. Die Castorbehälter aus der Nähe zu betrachten war ebenfalls interessant, dass die alten Dinger schon ausgemustert waren störte nicht weiter, auf einem stand als nächster Prüftermin das Jahr 2001.

Nach über 5 Stunden Besuch bei der GNS ging es dann endlich wieder nach Hause, die Sicherheitsschleuse hatte uns am Ende des Betriebsrundgangs noch etwas aufgehalten, aber nicht weil wir verstrahlt waren sondern weil die Prozedur in der Schleuse doch etwas langwierig ablief. Mit einer Null auf dem Dosimeter und der bestandenen Sicherheitsüberprüfung waren wir alle zum Schluss erleichtert wie erschöpft.

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