Der Baum auf der Steinbrinkstraße in Duisburg-Wanheim

Der Baum auf der Steinbrinkstraße in Duisburg-Wanheim — Anwohnerfoto

„Das sind häufig nur selbsternannte Fachleute…“! Als ich diesen Satz am Telefon von einem hohen Verwaltungsbeamten aus dem Umweltamt der Stadt zu hören bekam wurde mir klar warum nicht wenige Bürger keine gute Meinung von der Stadtverwaltung haben.

Der Baum auf der Steinbrinkstraße in Duisburg-Wanheim

Der Baum auf der Steinbrinkstraße in Duisburg-Wanheim — Anwohnerfoto

Doch erstmal möchte ich hier die Vorgeschichte erzählen: ein Anwohner, der auch in der DAL und in unserer Fraktion tätig ist hat zusammen mit anderen Bürgern schon letztes Jahr auf den kranken Zustand des Baumes auf dem Privatgrundstück an der Steinbrinkstraße in Duisburg-Wanheim hingewiesen. Es gab sogar Ortstermine mit dem Bezirksamtsleiter und Experten des Umweltamtes, die aber meinten, dass akut keine Gefährdung vom Baum ausginge. Der Baum steht zwar auf einem Privatgrundstück, aber seine mächtigen Äste und die Hälfte der Baumkrone hängen, oder besser gesagt, hingen über einem öffentlichen Gehweg, der jeden Morgen auch von Schulkindern aus der Wohnsiedlung genutzt wird.

Ein Taxi nachdem der Baum auf der Steinbrinkstraße seine halbe Baumkrone verloren hat

Ein Taxi nachdem der Baum auf der Steinbrinkstraße seine halbe Baumkrone verloren hat — Anwohnerfoto

Und dann kam vor wenigen Tagen, was die laut Verwaltungsbeamten „selbsternannten Fachleute“ schon letztes Jahr befürchtet hatten: ein kleiner Regen sorgte dafür, dass der Baum, der ja laut Experten des Umweltamtes, also den „richtigen“ Fachleuten, keine akute Gefährdung darstellte seine halbe Baumkrone auf der Straße und den Gehweg verlor. Zum Glück gab es nur Blechschaden. Wenn zur selben Zeit Fußgänger zufällig vorbeigelaufen wären hätte schlimmeres passieren können. Trotzdem hat das Umweltamt kein Einsehen, beim Telefonat mit dem stellvertretenden Amtsleiter meinte dieser ganz ungerührt es gäbe eben keine hundertprozentige Sicherheit und auch gesunde Bäume würden bei Unwetter Äste verlieren. Als ich ihn darauf hinwies, dass es keinen Orkan gab sondern nur einen kurzen Regen und der Baum seine halbe Baumkrone verloren hat entgegenete er mir, dass es bei Bäumen eben immer ein gewisses Risiko gäbe. Und die Hinweise aus der Bürgerschaft qualifizierte er als Meinung von „selbsternannten Fachleuten“ herab, und jetzt sei der Baum ja sicher wo die morschen Äste herabgefallen sind.

Das Ordnungsamt will ohne Rat des Umweltamtes nicht tätig werden und behauptet sogar keine Kenntnis von einer Gefährdung durch den nun halb abgebrochenen Baum auf der Steinbrinkstraße gehabt zu haben obwohl auch der Leiter des Ordnungsamtes letztes Jahr informiert wurde. Offensichtlich ist die Kommunikation zwischen den Ämtern der Stadt Duisburg sehr verbesserungswürdig, um es milde auszudrücken. Der Eigntümer des Grundstücks auf dem der Baum steht wurde vom Ordnungsamt aufgefordert einen „Beischnitt“ zu machen, also die nicht-gesunden Äste abzusägen. Interessanterweise würde er aber auch eine Fällgenehmigung bekommen wenn er diese beantrage. Also kann die Pappel doch nicht so gesund und sicher sein.

Fast ein Jahr haben Umwelt- und Ordnungsamt nichts unternommen und alle Warnungen aus der Bürgerschaft nicht ernst genommen weil es angeblich sehr schwer sei einen Eigentümer zu zwingen Gefährdungen, die von seinem Grundstück ausgehen wie zum Beispiel morsche kranke Bäume, abzustellen.

Es gilt wohl leider immer noch die alte Regel, dass erst dann was passiert wenn schon etwas schlimmes passiert ist.

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Besuch beim Castor

25. April 2012

Gesellschaft für Nuklearservice

Gesellschaft für Nuklearservice

Gestern hat die DWG-Fraktion die Gelegenheit genutzt mal bei der „Gesellschaft für Nuklearservice“ in Duisburg-Wanheim, nur einen Steinwurf weit von „Tiger & Turtle“, vorbeizuschauen und uns augiebig zu informieren wie den Betrieb unter die Lupe zu nehmen.

Und wir wurden von der Geschäftsleitung mehr als ausgiebig wie erschöpfend informiert. Die ganzen Bequerel- und Microsievert-Werte haben auch mehr verwirrt als erklärt. Beruhigt haben eher Tatsachen wie die strenge Kontrolle des Betriebes durch die Bezirksregierung und das Nicht-Vorhandensein von abgebrannten Brennstäben aus Atomkraftwerken. Die GNS ist an neun Standorten, darunter auch Gorleben, tätig und gehört den großen Energiekonzernen RWE, Vattenfall, EnBw und E.ON, also den Betreibern der Atomkraftwerke. Im Klartext bedeutet das also, dass die Kunden der GNS ihre Besitzer sind! Ein Konstrukt, dass die Politik so gewollt hat um die Entsorgung des Atommülls nur in einer Hand zu lassen weil so die Kontrolle der Einhaltung aller strengen Sicherheitsauflagen besser funktionieren soll.

In Wanheim werden auch nur schwach und mittelschwer strahlende Abfälle aller Art aus Kernkraftwerken verarbeitet, sprich für die Endlagerung im Schacht Konrad ordentlich und sicher verpackt. Die Strahlenbelastung im Umkreis von 3 Kilometern um die Anlage herum wird streng kontrolliert und ist nicht höher als zum Beispiel bei einem Flug nach Mallorca oder einer Röntgenuntersuchung im Krankenhaus. Ich habe dann auch gefragt wie lange die Arbeiter schon im Betrieb tätig sind und ob sie alle gesundheitlich fit sind, denn wenn es bei der GNS gefährlich sein sollte müssten die Arbeiter, die ständig mit dem Atommüll in Kontakt kommen ja am ehesten betroffen sein. Einer der Chefs erklärte dann auch, dass „niemand sich seine Gesundheit abkaufen lasse“ und ordentliche Löhne gezahlt werden, die sich aber im üblichen Tarifrahmen bewegen. Ebenso arbeiten die Beschäftigten teilweise schon seit Jahrzehnten im Betrieb und erfreuen sich immer noch guter Gesundheit.

Der Transportverkehr hält sich ziemlich in Grenzen, angeblich fahren nur 5 LKW´s im Jahr zur GNS und das meiste Material kommt mit Güterwagons der Bahn. Angesichts der Tatsache, dass der Logport mit seinem intensiven Güterverkehr nebenan liegt spielt das Thema also kaum eine ernsthafte Rolle.

Trotzdem gilt die GNS in der Politik als „unerwünschter Betrieb“ und wird deswegen sogar auch im rot-grünen Koalitionsvertrag erwähnt. Das und einige andere Dinge beklagten dann auch unsere Gastgeber. Alles was mit Atomkraft zu tun hat ist eben ziemlich unbeliebt und mit vielen Ängsten behaftet. Aber die Realität sieht anders aus als viele denken: in Wanheim jedenfalls werden nur Schrotte, Putzmaterial, getragene Schutzanzüge und anderer Kleinkram verarbeitet. Und irgendwohin muss der Kram von irgendjemanden gebracht werden. Also macht das die GNS unter strenger staatlicher Kontrolle.

Die aufwändige Sicherheitstechnik beim Rundgang durch den Betrieb war auch überzeugend, nur die alten Rechner mit Floppydiskettenlaufwerken wirkten retro. Ein Museum für Computertechnik des letzten Jahrhunderts würde die sicher gerne nehmen. Allerdings sollen die alten Rechner immer noch sehr zuverlässig und vor allem auch bewährt sein. Die Hallen wirkten vorbildlich sauber, die Brandschutzbestimmungen werden übererfüllt. Die Castorbehälter aus der Nähe zu betrachten war ebenfalls interessant, dass die alten Dinger schon ausgemustert waren störte nicht weiter, auf einem stand als nächster Prüftermin das Jahr 2001.

Nach über 5 Stunden Besuch bei der GNS ging es dann endlich wieder nach Hause, die Sicherheitsschleuse hatte uns am Ende des Betriebsrundgangs noch etwas aufgehalten, aber nicht weil wir verstrahlt waren sondern weil die Prozedur in der Schleuse doch etwas langwierig ablief. Mit einer Null auf dem Dosimeter und der bestandenen Sicherheitsüberprüfung waren wir alle zum Schluss erleichtert wie erschöpft.

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