Es gibt Arbeit! Wo bleibt aber das Geld!

Gestern habe ich meinen neuen Dienstplan für Mai erhalten, und die Firma ist trotz unseres Rechtsstreites noch so großzügig mich mit Überstunden zu versorgen!

Entweder sind nach den diversen Kündigungen der letzten Zeit die Leute knapp geworden, oder man will mich vielleicht positiv stimmen damit ich es doch nicht zur juristischen Auseinandersetzung vorm Arbeitsgericht kommen lasse!

Meine Forderungen gegen meinen (Noch)Arbeitgeber liegen bei etwa 300 EURO brutto. Darauf kann und will ich nicht verzichten. Selbst wenn mein Chef mir deswegen wieder die Überstunden wegnehmen sollte!

Wenn sich also bis zum 30. April kein Wunder ereignet und die Firma weiterhin meine Lohnansprüche nicht akzeptiert, wird es zur juristischen Konfrontation kommen. Und dann kündige ich!

Arbeit aber kein Geld!

Nein, Nein, Nein, kündigen Sie bloß nicht!“ Der Arbeitsberater beim Arbeitsamt schien schon in regelrechte Panik zu verfallen als ich ihm mitteilte, dass ich nach dem zweiten Lohnbetrug meiner Firma von meinem betrügerischen Arbeitgeber die Schnauze voll habe!

Und als ich dem jungen Arbeitsberater mitteilte, dass ich sogar von meinem Chef mit den Worten „Sie können ja kündigen wenn es Ihnen nicht passt!“ direkt zur Kündigung aufgefordert worden bin wurde er noch nervöser und sagte nur noch „Das geht nicht! Der kann Sie nicht zur Kündigung auffordern! Das gibt es nicht!„. Man merkte richtig wie groß die Angst war einen zusätzlichen Arbeitslosen in der Statistik führen zu müssen!

Immerhin erhielt ich noch den Tipp zum Arbeitsgericht zu gehen. Da erfuhr ich dann auch wenig später, dass das Arbeitsamt gerne Leute mit Lohnproblemen erstmal zum Arbeitsgericht schickt und die Leute daran hindert zu kündigen. Auch wenn sie um ihren Lohn betrogen wurden!

Immerhin habe ich jetzt meine Lohnklage vorbereitet und meinen Noch-Arbeitgeber die Pistole auf die Brust gesetzt. In wenigen Wochen kann es dann zur Entscheidung kommen. Oder mein Chef erkennt meine Ansprüche an und zahlt nach. Aber bis dahin können Wochen vergehen!

In Zeiten des real existierenden Kapitalismus, wo dieses Land von asozialen „Eliten“ in Politik und Wirtschaft beherrscht wird muss man sich als Arbeitnehmer um seinen Lohn betrügen lassen ohne sofort etwas dagegen unternehmen zu können. Erst soll man dem Arbeitgeber eine Frist setzen, dann darf man Klage beim Arbeitsgericht einreichen und 3 Wochen auf einen „Gütetermin“ warten. Wenn der „Gütetermin“ scheitert weil es keine Einigung gibt kommt ein paar Wochen später dann ein Verhandlungstermin mit Urteil.

Und in diesen langen Wochen in denen ja auch noch die Familie versorgt werden muss, soll man allen Ernstes für den Lohnbetrüger weiterarbeiten! Was für eine beschissene asoziale Gesetzgebung! Und vom lieben Betriebsrat (ein ver.di-Mann!) unserer Firma muss ich mir dann auch noch anhören, dass er nicht für Lohnangelegenheiten zuständig sei. „Das ist Individualrecht! Da musst du mit den Chef selbst verhandeln!“ sagte er zu mir. Das merke ich mir für die Betriebsratswahl vor. Die ver.di-Kandidaten werde ich auf keinen Fall wählen! Das weiß ich jetzt!

Vor dem Gartenhäuschen

Und damit die Gelegenheit das schöne Wetter im Garten zu genießen!

Nach den vielen Schichten auch am Wochenende war das heute einfach erholsam im Garten sitzen zu können und die Zeit mit der Familie zu verbringen! Ständig für wenig Geld zur Arbeit fahren zu müssen ist einfach nur nervend und stört die Lebensqualität erheblich!

Auch als Hungerlöhner möchte man was vom Leben haben und die Schönheit der Natur unbeschwert genießen. Wenn man das Glück hat in der Rheinpreussensiedlung zu wohnen liegt die Natur auch direkt vor der eigenen Haustür!

Natur vor der Haustür!

Schönheit der Natur!

Natur!

Zwischendurch sind wir dann auch noch zur meiner Mutter ins Krankenhaus gefahren. An die Rechnung (auch „Selbstbeteiligung“ genannt) denken wir da mal lieber nicht. Ich will mich nicht wieder über die vorherrschende asoziale „Reform“politik aufregen, die selbst Kleinrentnern Geld für die Gesundheitsversorgung abverlangt.

Stattdessen habe ich mich entspannt bevor morgen wieder die Suche nach einem besseren Job weitergeht!

Kleingeld ist nötig!

Die Jobsuche läuft und es gibt sogar freie Stellen! Ich wurde heute auch fündig und habe auch schon die ersten Bewerbungen losgelassen!

Dummerweise nur läuft heute viel über private Arbeitsvermittler! Und die wollen einen Vermittlungsgutschein der Agentur für Arbeit(slosigkeit) oder aber Bares sehen!

Ich müsste also mindestens 6 Wochen lang arbeitslos sein oder aber aus der eigenen Tasche den Jobvermittler bezahlen. Für einen Job, der sowieso nicht gerade gut bezahlt wird.

Dieses beknackte System verdanken wir natürlich auch der asozialen „Reform“politik der SPD. Das war ja ein Bestandteil der „HARTZ“-Reformen. Nur dass jetzt viele Arbeitsplätze sich nur noch über Arbeitsvermittler finden lassen, die Bares wollen. Denn die Arbeitsämter sind ja anscheinend nicht fähig genug um Arbeit zu finden.

Und so muss ich wohl in den sauren Apfel beißen und notfalls sogar Geld investieren (das ich eigentlich nicht habe) um eine bessere Arbeit zu finden. Während ich suche geht der Tag vorüber und ich muss zur Arbeit fahren, die ich wahrscheinlich bald los bin! Was irgendwie auch besser ist, denn die Spritpreise werden langsam unerschwinglich für mich!

Auf dem Weg zur Arbeit

Schluss damit!

Es reicht mir jetzt! Ab sofort suche ich einen neuen Job!

Zum zweiten Male bekomme ich eine fehlerhafte Abrechnung mit viel zuwenig Geld. Glauben die Chefs meiner Firma wirklich, dass ich mit 553 EURO im Monat über die Runden komme?!

Die Lohnabrechnung, die mir heute in den Briefkasten flatterte ist eine glatte Armutsbescheinigung! Ich habe den ganzen Tag nur noch schlechte Laune gehabt und würde meinem Chef am liebsten die Gurgel umdrehen! Meine Motivation ist auf einem absoluten Tiefpunkt und ich weiß nicht ob ich überhaupt noch was sehen würde wenn irgendwelche Leute auf die verrückte Idee kommen sollten das Tanklager auf dem Werksgelände in die Luft zu jagen. Ich kann einfach nicht mehr für diese Drecksfirma arbeiten, die mich schon wieder in die Armut abstürzen lässt! Es bleibt nur noch die Kündigung!

Da ich von Kollegen erfahren habe, dass der große Weltkonzern für den wir arbeiten spätestens im Juni wieder die Hälfte der Leute abbestellen wird ist es besser jetzt schon nach neuer Arbeit Ausschau zu halten, und meinem Chef mache ich morgen die Hölle heiß!

Auch andere Kollegen haben übrigens fehlerhafte Lohnabrechnungen bekommen: da wurden Urlaubstage „vergessen“ oder Feiertagszuschläge nicht berechnet. Die werden auch ordentlich Krach machen!

Für wen ist das Parlament da?!

Was treibt unsere Oberschicht in Politik und Wirtschaft eigentlich in letzter Zeit so?! Soviele Negativschlagzeilen in nur kurzer Zeit!

Da offenbaren die gutverdienenden „Leistungsträger“ denen unsere werten Politiker sonst gerne zu Diensten sind nun in aller Deutlichkeit was sie von Gemeinwesen halten und schaffen ihre Vermögen in Steueroasen um bloß möglichst wenig Steuern zu zahlen. Kohl, Koch und Kanther haben das ja auch schließlich schon gemacht! Echte Vorbilder! „Wir sind Deutschland“ befürchtet da der Normalbürger schon!

Ich jedenfalls habe jetzt keinen Funken Respekt mehr vor diesen Asozialen in Nadelstreifen und würde gerne eine Tradition aus dem antiken Athen wieder einführen: die Verbannung auf Lebenszeit für korrupte und kriminelle „Leistungsträger“ und ihre willfährigen Politiker! Alle, die in den letzten Jahren den Zumwinkels dieser Republik Steuermilliarden geschenkt haben („Unternehmenssteuerreform“!) sollten geächtet werden. SPD, CDU/CSU, FDP und Grüne haben den Asozialen jahrzehntelang gedient und sollten dafür bei allen Wahlen auch entsprechend vom Bürger bestraft werden!

Ich weiß dass das ein Wunschtraum eines kleinen Hungerlöhners ist da die Medien den Zorn der Bürger wieder besänftigen und mit viel Nebelkerzen die Hintergründe der Affäre verschleiern werden. Aber man darf doch auch mal ein wenig träumen bevor ich gleich wieder zur Arbeit muss!

Dunkelheit und Nebel

Es geschehen noch Wunder! Nachdem ich drei Monate lang kaum zur Arbeit gerufen wurde und mit kümmerlichen Lohn meine Familie über die Runden bringen musste habe ich nun richtig viel zu tun und zu verdienen!

Seit wenigen Tagen darf ich nun ständig auf Nachtschicht ein großes Industriegelände bewachen und auf millionenschweres Gerät und Material aufpassen. Auch wenn ich meistens nur die Kaninchen aufscheuche und vergessene Containertüren zu mache ist der Job interessant. Immerhin gibt es auch mehr Zulagen für Nacht- und Wochenendschichten.

Da hat mir der Betriebsrat der Firma ja doch geholfen. Es gibt eben doch noch gute Arbeitnehmervertreter und vielleicht gehe ich jetzt ja doch zu „ver.di“!

Und der kleine Krawall mit dem Chef hat sicher auch was genutzt. Wie sagt doch ein altes türkisches Sprichwort: „Nur dem schreienden Baby wird die Brust gegeben!

Happy End! Mehr Geld!

12. Februar 2008

Arbeit!

Da konnten wir doch helfen!„. Das konnten sie in der Tat, die beiden Betriebsräte, die sich meine Lohnabrechnung ansahen und mit mir über meine Situation sprachen!

Erst mal kriege ich mehr Geld raus weil in der Tat die Abrechnung die Mindeststundenzahl nicht berücksichtigte und es gibt doch noch Arbeit. Der Vorschlag zu kündigen und wieder einzustellen wurde da auch schnell fallengelassen denn im April wird es wieder jede Menge Überstunden zu kloppen geben! Und damit auch wieder ordentlich Geld. Bis dahin verbrate ich meine Urlaubstage und kriege Stunden von Kollegen! Ein kleines Happy End sozusagen!

Und jetzt gleich fahre ich zur Arbeit!

Hoffnung in der Ferne

Von meiner Firma bin ich ja als Hungerlöhner schwer enttäuscht! Erst durch Kündigungsdrohung finden meine Chefs auf einmal heraus, dass eventuell doch noch irgendwo Arbeit zu finden ist und die miese Lohnabrechnung noch korrigiert werden sollte!

Nachdem ich meinen Bereichsleiter am Telefon angeschrien habe und vehement die sofortige Kündigung verlangte wurden eventuelle Fehler in der Lohnabrechnung eingeräumt und wie durch ein Wunder weitere Arbeitstage in Aussicht gestellt. Da ich das aber eher als Ablenkung und Besänftigungsstrategie ansehe lasse ich mich dadurch nicht beeindrucken und habe schon mal die Kündigung vorbereitet um Montag früh im Chefbüro im Duisburger Süden einen lautstarken heftigen Streit vom Zaun zu brechen der auch im ganzen Haus wahrgenommen werden soll!

Wahrscheinlich bringt mir das außer einer kurzen Befriedigung nicht viel aber irgendwo muss ich mich abreagieren können. Und diese Elendsverwalter in ihrem schicken Büro sollen auch mal unangenehm auf die Folgen ihrer Geschäftspolitik hingewiesen werden. Ich sorge dafür, dass sie meinen Auftritt nicht so schnell vergessen werden!

Nur die Kündigung werde ich noch(!) hinauszögern, denn es gibt zum Glück auch noch Kollegen, die bereit sind zu helfen und auf ihre Arbeitsstunden zu meinen Gunsten verzichten. Was meine Kollegen angeht habe ich wohl Glück gehabt!

Meinen Chefs drohe ich nun mit unberechenbarer Kündigung, denn sie werden schon bald wieder qualifizierte Werkschützer brauchen und können dann kurzfristig nicht genug davon bekommen. Wahrscheinlich sind sie auch nur deswegen auf einmal kompromissbereit! Aber die wirklichen Übeltäter sind die großen Industriekonzerne, die immer sehr kurzfristig Werkschutzfachkräfte bestellen um dann mal eben die Hälfte wieder abzubestellen. So ist es unmöglich verlässlich als Arbeitnehmer zu planen und sicheren Verdienst zu bekommen. Die ganze Wirtschaft ist total asozial geworden und Gewerkschaften wie Betriebsräte spielen das menschenunwürdige Spiel mit!

Als Hungerlöhner ist man eben am untersten Ende dieser Gesellschaft angekommen, da sind auch die Gewerkschaften und ihre Apparatschiks nicht daran interessiert. Heutzutage helfen nicht mehr irgendwelche Großorganisationen sondern nur noch Netzwerke von Betroffenen, die sich zu wehren wagen! Das habe ich gelernt!

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