Wenig Geld

Gerade habe ich meine Lohnabrechnung für April gelesen und könnte jetzt eine Ladung Antidepressiva in Kombination mit Beruhigungsmitteln gut gebrauchen.

Auch wenn Psychopharmaka keine Lösung sind um meine Familie zu versorgen können sie mir vielleicht helfen mein Los mit meiner Firma und ihrem miserablen Lohn leichter zu ertragen. Die Wirkung der Antidepressiva entfaltet sich aber laut Arzneimittellexikon erst nach Tagen, also habe ich jetzt davon auch nichts.

Es bleibt eben nichts anderes übrig als sofort einen anderen Job zu suchen damit ich bei meiner verfluchten Sch..ßfirma sofort kündigen kann. Einer Firma übrigens, die mit der Gewerkschaft Ver.di einen Tarifvertrag abgeschlossen hat für den sich jeder Gewerkschafter was schämen sollte. Die gleiche Heuchlergewerkschaft hat für die Flughafenmitarbeiter, die ohnehin schon gut verdienen eine deftige Lohnerhöhung von über 2 Euro mehr pro Stunde durchgesetzt (fast 16 Euro) während bei unseren Kollegen nur wenige Cent mehr pro Stunde rauskamen (8,23 Euro). Die selben verlogenen Heuchler von Ver.di & Co fordern angeblich einen Mindestlohn von 8,50 Euro. Wie wäre es denn erstmal selbst vernünftige Tarifverträge abzuschließen?

Aber was besonders ärgerlich ist, ist der Umstand, dass eine Firma Arbeitnehmer einfach tagelang unbezahlt zuhause auf weitere Arbeit warten lässt, und dass diese Firma einer der größten Sicherheitsdientsunternehmen in Deutschland ist mit vielen Auftraggebern aus der Industrie und auch der öffentlichen Hand. Diese große Firma speist Mitarbeiter mit Hungerlohn ab und bekommt auch noch viele öffentliche Aufträge von Kommunen, kommunalen Unternehmen und Landesbehörden. Laut Firmenwerbung ist man sogar auf Wachstumskurs, nur eben nicht bei den Löhnen, die bleiben unten, außer beim Flughafen. Die Arbeitsverträge sind auch so formuliert, dass der Arbeitnehmer nie weiß wieviel Arbeitsstunden und Arbeitslohn am Monatsende herauskommen; die totale Unsicherheit bei einem Sicherheitsunternehmen wenn es um die Bezahlung geht.

Mir reicht es jetzt… 😦

Extraschicht

1. Juli 2012

Förderturm Lohberg

Feuerwerk auf Lohberg

Vor wenigen Stunden bin ich noch auf der ehemaligen Zeche Lohberg gewesen, die sich jetzt „Kreativquartier.Lohberg“ nennt und für Künstler wie künstlerich Schaffende als Atelier und Ausstellungsort dient.

Lichthalle Lohberg

Die alte Lichthalle auf Lohberg

Wo früher Bergleute malochten, was noch gar nicht so lange her ist, stellen heute Künstler ihre Werke aus und sorgen für Leben in den alten Hallen. Kunst statt Kohle sozusagen. Gestern abend war einiges los auf dem alten Pütt in Dinslaken-Lohberg, es herrschte reges Treiben und Feststimmung, viele Leute flanierten über das Gelände und durch die Kauen und Maschinenhallen. Dabei bewunderten sie nicht nur die alte antiquierte Technik aus vergangenen Tagen sondern auch die Bilder, Fotografien und Skulpturen der nun auf Lohberg ansässigen Kulturschaffenden während wir arme Sicherheitsleute fast 10 Stunden lang bis heute morgen Türen, Hallen und Bühnen bewachen durften auf denen das bunte Showprogramm ablief, garniert mit mitternächtlichen Feuerwerk am Förderturm.

Kunst auf´m Pütt

Kunst auf´m Pütt

Das ist wohl die Zukunft: an Stelle der alten Industriebetriebe sind nun Ateliers und Mediendienstleister getreten. Ob da auch genug Menschen ihren Lebensunterhalt finden werden ist nicht sicher, aber da sieht es in der Industrie ja auch nicht so gut aus was ordentlich bezahlte Arbeitsplätze angeht. Die Zeit des Bergbaus ist jedenfalls schon fast beendet, in sechs Jahren soll das letzte Bergwerk schließen. Bis dahin muss die RAG Immobiliengesellschaft, also eine Tochtergesellschaft der „Deutschen Steinkohle“, von der die alte Konzernmutter mit neuem Namen „EVONIK“ heute nichts wissen möchte noch einige Zechengelände neu vermarkten.

Der alte Förderturm vom Bergwerk Lohberg

Der alte Förderturm vom Bergwerk Lohberg

Viele ehemalige Kumpels stecken heute in Hungerlohnjobs dank ehemaligen RAG-Konzern (EVONIK) und den Heuchlern von Gewerkschaft und Betriebsrat, die die Kumpels verraten haben anstatt ihnen zu helfen einen anderen Job zu finden. Daran musste ich gestern auch denken als ich den Förderturm sah.

Neue Arbeit

Seit einigen Tagen bin ich nun auf mehreren verschiedenen Einsatzorten für meinen neuen Arbeitgeber tätig, und ich kann mich über Abwechslung nicht beklagen!

Da sitze ich mal in Konzernzentralen an der Außenpforte gezwungenermaßen mit Krawatte um am nächsten Tag auf einem stillgelegten Teil eines Stahlwerkes in Kampfmontur Jagd auf Kabeldiebe zu machen.

Und da gibt es dann auch noch ein Rechenzentrum das einem großen Telekommunikationsunternehmen gehört wo auch viele Beamte arbeiten. Deren Status lautet offiziell „in sich beurlaubt“ was wohl nur ein Bürokrat logisch nachvollziehen kann. Denn natürlich ist die Arbeit dort kein Urlaub.

Aber dafür stimmt die Atmosphäre und die Kollegen verhalten sich auch einem Neuling gegenüber offen. Jedenfalls habe ich innerhalb der letzten Tage eine Menge Sicherheitseinrichtungen kennengelernt und erfahren, dass überall gute Arbeitsplätze in billige Hungerlohnjobs umgewandelt werden. Die Technik und der Service werden auf Fremdfirmen übertragen während die eigene Truppe von der Konzernspitze abgebaut wurde. Da haben nur noch die Beamten die Sicherheit vor der drohenden Arbeitslosigkeit.

Interessanterweise sind manche Konzerne auch so geizig, dass sie sich sogar lieber die Kupferkabel in gewaltigen Dimensionen klauen lassen anstatt ihren Werkschutz mal auszubauen oder mehr Leute vom Sicherheitsdienstleister zu bestellen. Aber obwohl der Schaden schon Millionenhöhe erreicht haben soll lässt sich der betroffene Stahlkonzern von gerade mal zwei Sicherheitsfachkräften seine kilometerlangen Kabelstränge bewachen. Und natürlich zum niedrigen Wachtarif von 7,53 EURO die Stunde!

Trübe Aussichten!

13. Juli 2008

…und das nicht nur wettermäßig! Die ersten Kollegen kriegen schon die Mitteilung, dass man sie bald nicht mehr brauchen wird!

Auf der Arbeit sinkt die Stimmung auf den Nullpunkt da der große Weltkonzern für den wir arbeiten nicht nur die Stammbelegschaft abbaut sondern selbst bei uns, den billigen Fremdfirmenmitarbeitern die Arbeitsstunden zusammenstreicht. Konzerne sind eben nie mit ihrem Gewinn zufrieden.

Und trotz aller Aufschwungpropaganda sehe ich in den Stellenbörsen überwiegend billige Hungerlohnjobs. Da ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass auch das Arbeitsamt nur solche Stellen im Angebot hat. Da kann ich mich schon glücklich schätzen, dass ich Aussicht auf einen der wenigen gut bezahlten Jobs im Sicherheitsbeeich habe!

Denn spätestens im August muss ich eine neue Stelle haben sonst kann ich mich wieder in die Warteschlangen beim Arbeitsamt einreihen!

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