Jüdische Gemeinde am Duisburger Innenhafen

Jüdische Gemeinde am Duisburger Innenhafen

Seit es vor einigen Tagen zum brutalen Überfall auf einen jüdischen Rabbiner in Berlin durch vermutlich arabischstämmige Jugendliche kam wird in manchen Medien aber auch von Politikern versucht Muslimen antisemitisches Gedankengut zu unterstellen.

Leider stimmt das manchmal, es gibt auch judenfeindliche Stimmungen unter manchen Muslimen, häufig beziehen sich diese feindlichen Stimmungen aber auch auf den Nahost-Konflikt und werden durch Ereignisse in Israel, Palästina und den arabischen Nachbarstaaten hervorgerufen. Ein Vergleich mit dem Antisemitismus der Neonazis ist da ziemlich fragwürdig. Natürlich hilft das dem krankenhausreif zusammengeschlagenen Rabbi und seiner Familie in Berlin nicht. Es ist natürlich auch nur ein schwacher Trost für den Betroffenen sowie die in Deutschland lebenden Juden, dass die übergroße Mehrheit der Muslime solche Gewaltakte ablehnt und selbstredend auch die muslimischen Dachverbände den gewalttätigen Übergriff verurteilt haben. Aus welchen Motiven die brutalen Schläger ihre Tat auch immer verübt haben mögen, sie wandern dafür hoffentlich bald hinter Gittern.

Ich kann natürlich nicht für alle Muslime reden, wer kann das auch schon, aber meiner Meinung nach müssten Muslime und Juden in diesem christlichen Land natürliche Verbündete im Kampf gegen Benachteiligung und Missachtung ihrer religiösen Identität sein. Ob „Beschneidungsverbot“, Schächten von Schlachttieren oder ewige Totenruhe, es gibt Gemeinsamkeiten und gemeinsame Interessen gegenüber der christlichen Mehrheitsgesellschaft zu vertreten. Eine Gesellschaft, die von „Verstümmelung“ und „körperliche Misshandlung von Kindern“ spricht wenn Eltern ihre männlichen Kinder wie seit Jahrtausenden üblich beschneiden lassen und mit dem Tierschutzgesetz versuchte das ebenfalls seit Jahrtausenden übliche Schächten von Tieren zu verbieten.

Vor der Oberbürgermeisterwahl in Duisburg habe ich mit einigen Mitgliedern der DAL und von Moscheevereinen darüber diskutiert ob wir nicht den unabhängigen Oberbürgermeisterkandidaten Rubinstein unterstützen sollen, fast alle waren nach längerer Diskussion dafür. Fast alle Mitglieder der DAL sind Muslime, manche sind schon seit Jahrzehnten politisch aktiv und politisch eher rechtskonservativ wie türkisch-national eingestellt. Aber auch die fanden es gut einen Kandidaten zu unterstützen, der inhaltlich die Interessen von Migranten vertritt. Dass Herr Rubinstein auch Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde in Duisburg ist wussten viele schon vorher, einige hatten die Gemeinde schon besucht, alle Mitglieder habe ich aber selbstverständlich auch darüber informiert. Mancher fragte „ob man dem Juden auch trauen könne“, aber keiner lehnte es von vornherein ab über eine Unterstützung zu diskutieren, die wir dann auch beschlossen.

Ich habe sogar Zustimmung gefunden als ich vorschlug auch in Zukunft ein gutes Verhältnis zur jüdischen Gemeinde zu pflegen und bei gemeinsamen Interessen auch eine lockere Zusammenarbeit zu initiieren. Mein Eindruck ist, dass solange es nicht um den „Nahost-Konflikt“ oder Israel und die Palästinenser geht, das Verhältnis zwischen Juden und Muslimen sehr entspannt sein könnte. Das ist hoffentlich wichtiger als jugendliche Schläger und radikalislamistische Organisationen, die den Glauben dazu missbrauchen Menschen aufzuhetzen.

Ich werde jedenfalls meine Möglichkeiten dazu nutzen um wenn vorhanden gegen antisemitisches Gedankengut vorzugehen und für eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Muslimen und Juden zu werben.

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Benny im Kostüm zur Feier seiner Beschneidung

Benny im Kostüm zur Feier seiner Beschneidung

Seit ein deutsches Gericht entschieden hat, dass Beschneidungen bei männlichen Kindern wie sie im Judentum und Islam zum religiösen Selbstverständnis gehören strafbar sind stellt sich wieder die Frage ob die deutsche Mehrheitsgesellschaft alle nicht-christlichen Glaubensgemeinschaften in diesem Lande an ihrem religösen Leben hindern möchte.

Wahrscheinlich begreifen die meisten Menschen in diesem Lande nicht wirklich wie wichtig für die religiöse Identität die Beschneidung der männlichen Kinder sowohl im Judentum als auch im Islam ist. Wer das verbieten will muss eigentlich auch Judentum und Islam in Deutschland verbieten wollen denn die Beschneidung der Söhne ist in beiden Religionen die Voraussetzung um überhaupt zur Glaubensgemeinschaft dazugehören zu können. In einer zunehmend religionskritischen Gesellschaft wird das leider nur von wenigen verstanden.

Verständlich, dass sich einmütig nun der Zentralrat der Juden wie muslimische Dachverbände gegen diesen Angriff auf ihren Glauben zur Wehr setzen und sich entsetzt fragen ob sie an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden sollen. Seit Jahrtausenden werden männliche Kinder beschnitten, das Gebot lässt sich sogar im Alten Testament der Bibel nachlesen. Seit fast 2000 Jahren leben Juden in Deutschland und beschneiden ihre Söhne gemäß den Geboten ihres Glaubens, das gleiche gilt für Muslime, die seit einigen Jahrzehnten hier zuhause sind. Jetzt auf einmal findet ein Gericht das strafbar, und viele Kommentatoren und Leserbriefschreiber finden das auch noch richtig. Hier sehen wohl einige wieder die Gelegenheit andere Glaubensgemeinschaften zurückzusetzen.

Auf Menschen zugehen

8. Mai 2012

Webseite Michael Rubinstein

Webseite Michael Rubinstein

Heute mittag hatte ich ein erstes Gespräch mit Herrn Rubinstein in der Jüdischen Gemeinde am Innenhafen, und es war ein sehr positives Gespräch!

Zunächstmal verspätete ich mich leider, dann hieß es durch die Sicherheitsschleuse ins Gebäude zu kommen. Die jüdische Gemeinde ist leider gezwungen besondere Sicherheitsregeln zu beachten, auch steht ständig die Polizei vor dem Gebäude. Im Kontrast dazu war das Gespräch mit Herrn Rubinstein durchaus freundlich und angenehm. Dabei verriet er mir auch, dass er gerne in türkische Restaurants geht und das Essen wie die offene gastfreundliche Atmosphäre dort zu schätzen weiß. Da muslimische und jüdische Speiseregeln sich sehr ähnlich sind gibt es auch Mitglieder in seiner Gemeinde, die beim türkischen Metzger oder Cateringservice ihren Bedarf an Essenswaren und Dienstleistungen für Partys wie private Feiern decken. Überhaupt kamen wir darüber ein, dass aus religiöser Sicht sich Judentum und Islam näher sind als mit dem Christentum, das wichtige Regeln des Alten Testaments einfach missachtet.

Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh

Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh

Auch betont Herr Rubinstein, dass er seit langem sehr gute Beziehungen zu Moscheegemeinden pflegt und von dort auch viel Zustimmung für seine Kandidatur erfahren hat. Da ich das bisher so nicht wahrhnehmen konnte habe ich nochmal nachgefragt wer denn seine Unterstützer aus dem Moscheebereich seien worauf er auf die Merkez-Moschee in Marxloh verwies und ihren Vorsitzenden Muhammet Al, der auch schon seine Unterstützung für die OB-Kandidatur von Herrn Rubinstein signalisiert haben soll. Das klingt in der Tat vielversprechend wenn die größte Moscheegemeinde der Stadt ihre Unterstützung anbietet!

Gebetsraum der Marxloher Merkez-Moschee

Gebetsraum der Marxloher Merkez-Moschee

Das Themengebiet „Integration“ betrachtet Herr Rubinstein denn auch folgerichtig als sehr wichtiges Zukunftsthema für die Stadt wo er als neuer Oberbürgermeister besondere Schwerpunkte setzen möchte, schließlich sind an die 30% der Duisburger Bürger mit Migrationshintergrund, wie auch er selbst. Auch musste die Jüdische Gemeinde in den letzten Jahren viele Zuwanderer aus Osteuropa in ihr Gemeindeleben integrieren. Beim Reingehen ins Gebäude hörte ich auch tatsächlich wie sich Gemeindemitglieder auf russisch unterhielten.

Jüdische Gemeinde am Duisburger Innenhafen

Jüdische Gemeinde am Duisburger Innenhafen

Herr Rubinstein hat daher auch großes Verständnis dafür, dass Migranten sich nicht einfach assimilieren lassen wollen und auf ihren kulturellen Wurzeln sowie der besonderen Beziehung zur alten Heimat weiterhin bestehen. Er bot mir im Gespräch dann auch an gerne in die Vereine der Migranten zu kommen um sich vorzustellen und den Dialog mit den Duisburger Bürgern jeder Herkunft zu führen. Ich fragte ihn ob er auch die konservativen und vor allem die türkisch-patriotischen Heimatvereine besuchen wolle was er mit einem „selbstverständlich“ beantwortete. Er findet es ganz normal wenn es neben linken Vereinen auch rechte und konservative wie religiöse Vereinigungen bei den Migranten gibt.

Auch mit denen ist er bereit zu reden und sich der Diskussion zu stellen, schließlich will er der Oberbürgermeister aller Duisburger Bürger sein. Das findet er auch am alten Oberbürgermeister Sauerland gut, bei dessen Abwahl er immerhin mitgeholfen hat, dass sich dieser auch aktiv um die Belange der Duisburger Bürger mit Migrationshintergrund bemüht hat. Da ich als Abwahlgegner und Unterstützer des alten Oberbürgermeisters bekannt bin habe ich natürlich eine etwas andere Sicht als Herr Rubinstein was das Abwahlverfahren gegen Adolf Sauerland angeht. Immerhin waren wir uns aber darin einig, dass es falsch ist alle Verantwortung für das Loveparade-Desaster nur beim ehemaligen Oberbürgermeister zu suchen. Denn es gab viele Entscheidungsträger, die bei der Geschichte involviert waren.

Ebenso hat mir natürlich gefallen, dass Herr Rubinstein klar Position gegen Kürzungen bei der Sprachförderung bezogen hat, bei Kindern und Jugendlich wie auch der Bildung darf nicht gespart werden. Das wird es mit ihm als Oberbürgermeister nicht geben! Zuletzt betonte er, dass es für eine Stadt wie Duisburg selbstverständlich sein müsse in den höchsten Verwaltungsebenen Migranten zu beschäftigen. Die Stadt muss in ihrer Verwaltung auch die Bevölkerungszusammensetzung widerspiegeln, daran muss endlich ernsthaft gearbeitet werden, nur Ankündigungen und schöne Willensbekundungen sind da zuwenig.

Am Ende unseres über eine Stunde geführten Gespräches habe ich Herrn Rubinstein zugesichert sein Angebot sich persönlich in unseren befreundeten Vereinen vorzustellen im Vorstand der DAL diskutieren zu lassen. Ich war heute so positiv von ihm beeindruckt, dass ich meinen Vorstandskollegen auch empfehlen werde ihn ebenso zu unseren Vereinen einzuladen wie die Herren Lensdorf (CDU), Link (SPD) und Kley von der Bürger Union.

Alle Welt gedachte gestern des Mauerfalls vor 20 Jahren in Berlin! Aber da war auch noch was anderes am 09. November: 1938 brannten in diesem Lande Synagogen und wurden Menschen ermordet weil sie jüdischen Glaubens waren.

Im Duisburger Rathaus gab es gestern abend aus diesem Anlass eine Gedenkveranstaltung, die auch sehr gut besucht war! Der Ratssaal war proppevoll, und selbst die Zuschauertribünen waren voll. Ein städtischer Mitarbeiter meinte ganz überrascht, dass das nicht erwartet worden war da doch heute alle den zwanzigsten Jahrestages des Mauerfalls feiern würden!

Wenn man mal von dem üblichen Gedenkritualen mit Reden und Vorlesungen von Schülern absieht war die Veranstaltung im Duisburger Rathaus sehr gelungen weil ein Publizist mit Namen Günther G. Ginzel in seiner Rede sehr interessante und nachdenkenswerte Aspekte zur Sprache brachte. Nicht nur, dass er vor einer erstarrten und zu ritualisierten Gedenkkultur warnte, er fragte auch warum das Gedenken an den Widerstand gegen die Naziherrschaft zu sehr den militärischen Widerstand um Stauffenberg und andere hohe Militärs der Wehrmacht glorifiziert und die wenigen einfachen Widerstandskämpfer wie einen Georg Elser völlig vernachlässigt. Als die Wehrmachtsoffiziere des 20. Juli 1944 ihren Anschlag auf Hitler wagten waren seine Familienmitglieder schon ermordet wie der jüdische Publizist Ginzel feststellte! Die Wehrmachtsoffiziere hätten für Hitler ein Weltreich erobert wenn es gut gegangen wäre! Erst als sich die Niederlage abzeichnete trauten sie sich zum Widerstand!

Deswegen appelierte er auch eindringlich an alle aktiv zu werden gegen Verfolgung und Diskriminierung! Er erinnerte ebenso daran, dass auch die Vertreter jüdischer Gemeinden sich in Köln für den Bau der Moschee stark gemacht haben weil sie auch die Rechte der Muslime auf einen würdigen Ort für ihre Glaubensausübung respektieren.

Ich muss sagen, dass mir die Rede von Herrn Ginzel imponierte weil er sich auch den üblichen Frontstellungen verweigerte  und zu einem Bekenntnis zu humanistischen Werten und einem respektvollen Zusammenleben unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen aufrief! In Zeiten der medialen Kultur- und Religionskriege waren das guttuende und zugleich aufklärerische Worte!

Gerade bekam ich per Post vom DITIB-Stadtverband eine Grußkarte zu den Feiertagen! Allerdings nicht wie die vielen sonstigen vielfach verschickten Grußkarten nur zu Weihnachten sondern auch zu den Feiertagen von Judentum und Islam!

In diesen Tagen treffen die wichtigsten Feiertage der drei großen monotheistischen Weltreligionen zufällig fast zeitgleich zusammen. Chanukka, das „Lichterfest“, Opferfest (Kurban Bayram), dessen Anlass überigens auch in der Bibel steht, und Weihnachten, das christliche Fest der Nächstenliebe!

Eine schöne Gelegenheit um Juden, Christen und Muslimen gleichermaßen gesegnete Feiertage zu wünschen und die Gemeinsamkeiten zu betonen. Und im Zusammenleben Respekt dem Andersgläubigen gegenüber zu zeigen. Nur so funktioniert eine offene tolerante Stadtgesellschaft.

Deshalb kann man dem islamischen Stadtverband DITIB in Duisburg zu dieser Idee nur beglückwünschen!

Hier gibt es weitere interessante Infos:

„Weinukka“, DITIB-Stadtverband Duisburg

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