Begegnungsstätte in Marxloh

Begegnungsstätte in Marxloh

„…ich bin nur der Oberbürgermeister“. Heute abend war in der Begegnungsstätte an der Marxloher Merkez-Moschee eine Diskussionsveranstaltung mit dem Duisburger Oberbürgermeister Link zu den aktuellen Zuwanderungsströmen nach Duisburg und deren Folgen für das Leben in der Stadt.

Die Herausforderungen durch die massive Armutszuwanderung aus Bulgarien und Rumänien kosten der Stadt viel Geld und machen vielen ehrenamtlichen Initiativen wie auch Schulen eine Menge Arbeit um gerade den Kindern und Jugendlichen der neuen Zuwanderer eine bessere Zukunft in Duisburg zu ermöglichen. Ein anderes Thema war das öffentliche Bild von Marxloh, sprich die Wahrnehmung des Stadtteils in den Medien und bei den Bürgern.

Schulleiter wie auch einfache engagierte Bürger wiesen daraufhin, dass sie mit ihren Kräften bald am Ende seien und die Eingangsklassen einiger Schulen schon voll würden und dringend mehr Personal benötigt würde. Der Oberbürgermeister konnte angesichts solcher und weiterer Forderungen dann nur auf die Finanznot der Stadt hinweisen und appellierte stattdessen an das Heimatgefühl und den Stolz der Marxloher Bürger aller Nationalitäten. Den Begriff „Migrant“ findet er in dem Zusammenhang auch unpassend, wer in Duisburg geboren ist ist auch Duisburger Bürger und kein Migrant. Das gefiel auch den Anwesenden. Nur für die praktischen Probleme hatte er keine überzeugenden Lösungen anzubieten. Immerhin hat die Stadt sich jetzt auch um Fördergelder von der Europäischen Union bemüht um die zahlreichen Maßnahmen zur Eingliederung der bulgarischen wie rumänischen Neuzuwanderer bezahlen zu können.

Ich fand die Antworten des Oberbürgermeisters etwas schwach, aber wichtig war für mich auch die Begegnung mit dem neuen Vorsitzenden der Moscheegemeinde und das Wiedertreffen mit einigen alten Bekannten. Der Austausch bei Tee und Börek nach der Diskussion war für mich der wahre Höhepunkt des „Talk am Turm“, wie die Veranstaltung hieß, die die Moscheegemeinde gemeinsam mit den benachbarten Kirchengemeinden und der Begegnungsstätte organisiert hatte.

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Die Angst- und Hetzkampagne von islamfeindlichen rechten Gruppierungen geht jetzt leider in eine intensive Phase über. Die ersten Freunde melden sich schon bei mir und wollen wissen was wir gegen die verleumderischen Angriffe auf unseren Glauben machen können!

Einer gestand mir, dass er Plakate von „ProNRW“ abgerissen hat weil er ihren Anblick auf der Straße nicht ertragen wollte. Ich habe ihn darauf aufmerksam gemacht, dass das Sachbeschädigung ist und Meinungsfreiheit leider auch für Idioten und geistige Brandstifter gilt!

Aber widerspruchslos hinnehmen werden wir diese Hetze gegen uns und unsere Glaubenszugehörigkeit nicht, nur was kann man dagegen tun???

Ich werde morgen mit Leuten aus Moschee- und Kulturvereinen gemeinsam beraten welchen Weg wir gehen wollen. Ich denke auch, dass wir darüber nachdenken müssen warum bei vielen Bürgern eine negative Stimmung gegenüber Muslimen und den Islam besteht und wie sich das ändern lässt! Denn es gibt Ängste gegenüber unseren Glauben!

Leider ist zu befürchten, dass die vielen Plakate mit der durchgestrichenen Moschee als Motiv auf den Straßen genau solche Ängste in der Bevölkerung bedienen werden.

Manchmal frage ich mich ja was wohl passieren würde wenn auf solchen Hetzplakaten anstelle von Moscheen durchgetrichene Kirchen oder Synagogen abgebildet wären!

Immerhin gibt es auch positives zu vermelden: Sowohl christliche Kirchen als auch jüdische Gemeinden haben ganz klar ihre Ablehnung gegen die islamfeindliche Angstkampagne von „ProNRW“ öffentlich und unmissverständlich bekannt gegeben!

Grüß Gott!

2. Januar 2010

Ich habe einen alten türkischen Bekannten, der mich gerne mit „Grüß Gott!“ empfängt. Ich antworte dann manchmal mit „Grüß du ihn!“.
Aber im Ernst habe ich erfahren, dass irgendwelche dümmlichen Islamhasser (PI und Konsorten) im Netz die Falschmeldung verbreiten, dass an manchen Schulen das „Grüß Gott“ verboten worden sei!

Im Blog von Fareus steht dazu auch ein interessanter Artikel (http://fareus.wordpress.com/2010/01/02/von-den-pipifanten-lernen%e2%80%a6/) !

Ich für meinen Teil kann nur über solchen dümmlichen Behauptungen den Kopf schütteln. Als Muslim und Deutscher bin ich in einer Gegend aufgewachsen, in der seit über vierzig Jahren Menschen mit evangelischer, katholischer und islamischer Religionszugehörigkeit Tür an Tür leben und gute Nachbarschaft pflegen. Türkische Kinder freuen sich auch wenn der Nikolaus kommt und die drei Kirchen in der näheren Umgebung läuten selbstverständlich auch regelmäßig die Glocken!

Ich habe noch nie von meinen zahlreichen türkischen Freunden und Verwandten gehört, dass sie sich daran stören würden wenn christliche Symbolik und Brauchtum den öffentlichen Raum dominieren. Trotzdem bauen sogenannte „Islamkritiker“ einen regelrechten Popanz auf um zu behaupten Muslime wollten angeblich die „christliche Identität“ Europas zerstören. Die traurige Wahrheit ist wohl eher, dass gewisse Leute nicht bereit sind Minderheitenrechte zu akzeptieren und zu begreifen, dass unser Grundgesetz allen Religionsgemeinschaften freie Betätigung garantiert!

Um gewissen Missverständnissen vorzubeugen: ich habe keinerlei Sympathie für islamistische Organisationen, die die Religion missbrauchen um gegen Andersgläubige zu hetzen und politische Ideologien unter religiösem Deckmantel zu verbreiten. Ich wundere mich aber immer auch welche Bedeutung solchen Organisationen zuteil wird, die nur eine Minderheit unter den Muslimen ansprechen während die allermeisten Muslime sich in dieser Gesellschaft eingliedern wollen und die Vorteile einer freien westlichen Gesellschaft zu schätzen wissen und sich kein böses Wort über Andersgläubige erlauben.

Vielleicht aber können es manche Leute nicht akzeptieren, dass die Anzahl der christlichen Gläubigen abnimmt und Kirchen wegen Geldmangel geschlossen werden! Ich finde das übrigens schade, aber dafür müssen die Kirchen sich selbst fragen warum sie viele Menschen nicht mehr erreichen können und der Glaube bei vielen Christen an Bedeutung verliert! Unverschämt finde ich es nur wenn dann Muslime für solche Entwicklungen verantwortlich gemacht werden!

Zum Glück bestehen seit Jahren gute Beziehungen zwischen Kirchen- und Moscheegemeinden in Duisburg, und trotz aller anderlautender Behauptungen klappt auch das Zusammenleben ganz gut. Das wird hoffentlich auch 2010 so bleiben!

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