Arbeiten am Heiligabend!

25. Dezember 2007

Altes Krupp-Gebäude

Was tut man nicht alles für Geld: am Heiligabend wenn sonst jeder zuhause mit seiner Familie beisammen ist sitze ich 12 Stunden lang in einem alten Krupp-Gebäude in Duisburg-Rheinhausen seelenallein herum und passe auf. Wenigstens ist es ein interessantes Gebäude!

Bei meinen Rundgängen habe ich nicht nur eine gute Aussicht auf das alte Krupp-Verwaltungsgebäude sondern finde auch noch alte Hinweise auf die Vergangenheit des einstigen Krupp-Ausbildungszentrum. Als Werkschützer hat man da ein geübtes Auge für.

Und das alte Verwaltungsgebäude von Krupp steht wohl kurz vorm Abriss und soll auch asbestverseucht sein wie ich von Kollegen erfahren habe. Da wird man richtig wehmütig wenn man bedenkt wie viel Menschen hier einst ihr Auskommen fanden und Rheinhausen von hier aus geprägt wurde! Alles zerfallene Vergangenheit, und heute arbeiten Hungerlöhner wie ich auf dem alten Gelände des ehemaligen legendären Stahlwerks!

Altes Krupp-Gebäude

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Farbe und Dunkelheit...

Heute kam nun der zu erwartende Bescheid vom Thyssen Werkschutz und damit der Einstieg in die Armut: das Werksverbot bleibt bestehen und offensichtlich wird meiner Aussage nicht geglaubt während die Falschaussagen der Kollegen vor zweieinhalb Jahren abgenommen werden. Jetzt verliere ich zum zweiten Mal deswegen meine Arbeit weil ich für einen gefährlichen Schläger gehalten werde. Da spielt es keine Rolle, dass ich derjenige war der den Vorfall beim Werkschutz meldete und mit einem Messer angegriffen wurde. Und meine Firma tut nichts für mich und hat auch keine Arbeit für mich!

Doch der wahre Schock kam dann heraus als ich meinen Chef fragte wie denn meine Bezahlung diesen Monat aussieht wenn ich nicht zu Einsätzen gerufen werde: ganze 60 Arbeitsstunden für den Monat November kriege ich nur ausgezahlt. In dem Moment wäre ich am liebsten Amok gelaufen. Eine unbändige Wut machte sich bei mir bemerkbar. Jetzt soll ich allen Ernstes mit einem Monatslohn von vielleicht gerade mal 400 EURO überleben. Und im Dezember sieht es auch nicht besser aus!

Und dann kriege ich auch noch den tollen Tipp mich beim Arbeitsamt oder der ARGE zu melden um „Überbrückungsgeld“ zu beantragen. „Geben Sie mir sofort die Kündigung!“ war meine Antwort . „Aber im Februar brauchen wir Sie schon wieder, dann wird bei der BP genug Arbeit da sein.“ kam es zurück. Bis dahin soll ich allen Ernstes wohl von 400 EURO im Monat leben!

Es ist unglaublich was Arbeitgeber sich heutzutage erlauben. Die Menschen sehenden Auges in die Armut abrutschen zu lassen ist doch wohl das Niederträchtigste was man sich denken kann. Jetzt muss ich um Geld betteln gehen nur weil die große Weltfirma ThyssenKrupp mir nicht die Erlaubnis gibt auf dem Werksgelände zu arbeiten und mein Arbeitgeber mich nicht rechtzeitig kündigt und überhaupt nicht informiert was für negative Folgen das für mein Einkommen hat.

Ich kann das immer noch nicht fassen und suche mir jetzt sofort einen neuen Job und verklage meinen Arbeitgeber. Lebe ich hier wirklich in Deutschland? Oder ist das hier schon eine kapitalistische Bananenrepublik ohne soziale Rechte?!

Meine Kopfschmerzen werden jetzt immer heftiger und ich erwische mich selbst bei sehr dunklen Gedanken…

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