Heute ist der Ramazan vorbei und das Zuckerfest beginnt. Gestern hatte die DAL noch zum letzten gemeinsamen Fastenbrechen nach Rheinhausen eingeladen!

Als DAL-Vorsitzender durfte ich die rund 60 Gäste aus Politik und befreundeten Organisationen in unserem Rheinhauser Verein begrüßen, und in lockerer Atmosphäre wurde dann zusammen nach dem Ezan gegessen und anregende Gespräche geführt. Der OB konnte zwar wegen des Geburtstages seiner Mutter gestern nicht kommen, dafür war er aber auch schon in den letzten Tagen bei anderen befreundeten Vereinen zum Fastenbrechen zu Gast. Mein Eindruck ist der, dass immer mehr Vertreter des gesellschaftlichen Lebens an solchen Veranstaltungen der Moschee- und Kulturvereine teilnehmen.
Das Fastenbrechen im Ramazan wird über kurz oder lang auch in diesem Lande zu einem festen Brauchtum werden!

Heute früh, also in wenigen Stunden geht das Morgengebet los, zu meiner Schande werde ich es als notorischer Langschläfer und langjähriger Nachtschichtler wohl verpassen. Dafür wird Benny morgen sicher früh aufstehen und mit anderen Kindern zusammen die Nachbarschaft nach Bonbons und Geldgeschenken abgrasen!

Bis Donnerstag wird das Zuckerfest, auf türkisch als „Seker Bayram“ bekannt, andauern und jeder, der in der Moschee oder in Geschäften und Einrichtungen, die Muslimen gehören vorbeischaut könnte Süßigkeiten angeboten kriegen. Die Kinder fühlen sich so wie andere zu Weihnachten weil Eltern und Verwandte ihnen Geschenke machen. Für drei Tage ist jetzt Schlemmerzeit als Ausgleich für einen Monat der Entbehrungen.

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Die Angst- und Hetzkampagne von islamfeindlichen rechten Gruppierungen geht jetzt leider in eine intensive Phase über. Die ersten Freunde melden sich schon bei mir und wollen wissen was wir gegen die verleumderischen Angriffe auf unseren Glauben machen können!

Einer gestand mir, dass er Plakate von „ProNRW“ abgerissen hat weil er ihren Anblick auf der Straße nicht ertragen wollte. Ich habe ihn darauf aufmerksam gemacht, dass das Sachbeschädigung ist und Meinungsfreiheit leider auch für Idioten und geistige Brandstifter gilt!

Aber widerspruchslos hinnehmen werden wir diese Hetze gegen uns und unsere Glaubenszugehörigkeit nicht, nur was kann man dagegen tun???

Ich werde morgen mit Leuten aus Moschee- und Kulturvereinen gemeinsam beraten welchen Weg wir gehen wollen. Ich denke auch, dass wir darüber nachdenken müssen warum bei vielen Bürgern eine negative Stimmung gegenüber Muslimen und den Islam besteht und wie sich das ändern lässt! Denn es gibt Ängste gegenüber unseren Glauben!

Leider ist zu befürchten, dass die vielen Plakate mit der durchgestrichenen Moschee als Motiv auf den Straßen genau solche Ängste in der Bevölkerung bedienen werden.

Manchmal frage ich mich ja was wohl passieren würde wenn auf solchen Hetzplakaten anstelle von Moscheen durchgetrichene Kirchen oder Synagogen abgebildet wären!

Immerhin gibt es auch positives zu vermelden: Sowohl christliche Kirchen als auch jüdische Gemeinden haben ganz klar ihre Ablehnung gegen die islamfeindliche Angstkampagne von „ProNRW“ öffentlich und unmissverständlich bekannt gegeben!

Nun steht es wohl fest, dass NPD und „ProNRW“ den Landtagswahlkampf mit einer antiislamischen Angstkampagne befeuern wollen!

„ProNRW“ verkündet, dass es in vielen Städten Demos und Sternmärsche gegen Moscheen und islamische Einrichtungen veranstalten will. Oberhausen, Mühlheim, Herten, Essen, Gelsenkirchen und Duisburg werden also mit Ärger rechnen müssen. Zumal sich nun auch die Neonazis von der NPD an die miese Kampagne dranhängen und ebenfalls vor der Marxloher Moschee auflaufen wollen.

Diese Provokationen sollen wohl die Muslime verärgern und die Ängste und Vorurteile über den Islam für den Landtagswahlkampf nutzbar machen. Ich fürchte nur, dass es zu schweren Krawallen oder tätlichen Auseinandersetzungen kommen könnte wenn antiislamische Parolen ausgerechnet vor einer Moschee skandiert werden, und ich habe auch den Verdacht, dass die braunen Rattenfänger, dass auch wollen um so noch mehr Konflikte zwischen den Menschen schüren zu können und jedes friedliche Zusammenleben unmöglich zu machen.

Ich werde mich auch mit Freunden und Bekannten beraten wie wir mit dieser Situation umgehen müssen und Gegenaktionen planen. Als Muslim und Deutscher finde ich es erschreckend wie die extreme Rechte versucht die Menschen in diesem Land aufzuhetzen und eine religiöse Minderheit zu stigmatisieren. Die ganze sogenannte „Islamkritik“ wird nun ganz deutlich als bloßes Feigenblatt für rassistische Vorurteile und Umtriebe erkennbar.

Auf den Plakaten von „ProNRW“ sieht man dann auch schwarze Gestalten, gesichtslos und bedrohlich, flankiert von schwarzen Raketen, die wohl nicht zufällig Minaretten ähnlich sehen. Der ganze Mumpitz läuft dann unter dem Slogan „Abendland in Christenhand“. Die halb gebildeten Christenmenschen von „ProNRW“ wissen natürlich nicht, dass die abendländische Kultur auch von Juden und Muslimen mitaufgebaut wurde. Diese wahlkämpfenden Möchtegern-Kreuzritter haben eben ein sehr selektives und simples Weltbild!

Ich hoffe nur, dass sich die Bürger, gleich welcher Nationalität oder Religionszugehörigkeit, trotz aller alltäglichen Probleme vor Ort nicht verrückt machen lassen und den Nazis und Rechtspopulisten die kalte Schulter zeigen.

Grüß Gott!

2. Januar 2010

Ich habe einen alten türkischen Bekannten, der mich gerne mit „Grüß Gott!“ empfängt. Ich antworte dann manchmal mit „Grüß du ihn!“.
Aber im Ernst habe ich erfahren, dass irgendwelche dümmlichen Islamhasser (PI und Konsorten) im Netz die Falschmeldung verbreiten, dass an manchen Schulen das „Grüß Gott“ verboten worden sei!

Im Blog von Fareus steht dazu auch ein interessanter Artikel (http://fareus.wordpress.com/2010/01/02/von-den-pipifanten-lernen%e2%80%a6/) !

Ich für meinen Teil kann nur über solchen dümmlichen Behauptungen den Kopf schütteln. Als Muslim und Deutscher bin ich in einer Gegend aufgewachsen, in der seit über vierzig Jahren Menschen mit evangelischer, katholischer und islamischer Religionszugehörigkeit Tür an Tür leben und gute Nachbarschaft pflegen. Türkische Kinder freuen sich auch wenn der Nikolaus kommt und die drei Kirchen in der näheren Umgebung läuten selbstverständlich auch regelmäßig die Glocken!

Ich habe noch nie von meinen zahlreichen türkischen Freunden und Verwandten gehört, dass sie sich daran stören würden wenn christliche Symbolik und Brauchtum den öffentlichen Raum dominieren. Trotzdem bauen sogenannte „Islamkritiker“ einen regelrechten Popanz auf um zu behaupten Muslime wollten angeblich die „christliche Identität“ Europas zerstören. Die traurige Wahrheit ist wohl eher, dass gewisse Leute nicht bereit sind Minderheitenrechte zu akzeptieren und zu begreifen, dass unser Grundgesetz allen Religionsgemeinschaften freie Betätigung garantiert!

Um gewissen Missverständnissen vorzubeugen: ich habe keinerlei Sympathie für islamistische Organisationen, die die Religion missbrauchen um gegen Andersgläubige zu hetzen und politische Ideologien unter religiösem Deckmantel zu verbreiten. Ich wundere mich aber immer auch welche Bedeutung solchen Organisationen zuteil wird, die nur eine Minderheit unter den Muslimen ansprechen während die allermeisten Muslime sich in dieser Gesellschaft eingliedern wollen und die Vorteile einer freien westlichen Gesellschaft zu schätzen wissen und sich kein böses Wort über Andersgläubige erlauben.

Vielleicht aber können es manche Leute nicht akzeptieren, dass die Anzahl der christlichen Gläubigen abnimmt und Kirchen wegen Geldmangel geschlossen werden! Ich finde das übrigens schade, aber dafür müssen die Kirchen sich selbst fragen warum sie viele Menschen nicht mehr erreichen können und der Glaube bei vielen Christen an Bedeutung verliert! Unverschämt finde ich es nur wenn dann Muslime für solche Entwicklungen verantwortlich gemacht werden!

Zum Glück bestehen seit Jahren gute Beziehungen zwischen Kirchen- und Moscheegemeinden in Duisburg, und trotz aller anderlautender Behauptungen klappt auch das Zusammenleben ganz gut. Das wird hoffentlich auch 2010 so bleiben!


Logo der Schweizerischen Eidgenossenschaft

„…die Schweizer!“ Vor meinem geistigen Auge läuft gerade der aus der Werbung sattsam bekannte Ricola-Mann mit seiner dezenten Krawatte mit Schweizerkreuz durch die Weltgegend um allen möglichen Weltbürgern die Schweizer Erfindungsgabe nahe zu bringen!

Nur mit der Erfindung des Minarettverbotes haben sich die Schweizer wohl so ziemlich ein globales Eigentor geschossen! Die ganzen 4 Minarette (in Worten: vier!), die es in der Schweiz gibt waren wohl eine besonders groß gefühlte Bedrohung für die helvetische Lebensart. Dabei liegt der letzte Religionskrieg in der Schweiz schon 160 Jahre zurück! Seit dem gilt das Mutterland des Roten Kreuzes als Paradebeispiel für Neutralität und geheime Konten!

Nur warum lassen sich die Schweizer, denen es ja materiell noch recht gut, geht von einer populistischen Angstkampagne zu einem Votum verführen, das ihnen international ziemlich schaden wird und innenpolitisch sicher die Spannungen verschärft?

Dass es zu Boykottaufrufen kommen wird ist schonmal sicher (was mache ich jetzt nur mit meinem Schweizermesser!). Aber Toblerone und Schweizer Käse dürften auch bei großen Umsatzrückgang keinen nennenswerten Schaden bei der Schweizer Handelsbilanz auslösen, aber die Bankiers in Zürich könnten ins Schwitzen kommen wenn nun die Milliarden aus den Golfstaaten woanders hinfließen und mancher muslimische Geschäftsmann einen Bogen um die Alpenrepublik machen wird!

Interessant dürfte auch sein ob die Schweiz ein Minarettverbot einführen kann ohne gegen zahlreiche internationale Vereinbarungen zu verstoßen!

Aber die eigentliche Frage bleibt natürlich warum ist die Angst vor Minaretten so groß??? Würden ähnliche Abstimmungen auch in Deutschland durchgeführt bekämen wir wahrscheinlich auch ähnliche Ergebnisse!

Das beunruhigt mich auch als weltlichen Muslim vielmehr wenn ich mit der Erkenntnis leben muss, dass meine christlichen Mitbürger mich als Gefahr wahrnehmen und mir wer weiß was alles zutrauen!

Vielleicht erleben wir hier auch nur ein Übergangsstadium im Zusammenleben von Christen und Muslimen in dem wir viele Fragen klären müssen und eine Menge Missverständnisse auszuräumen sind. Vor rund 250 Jahren soll es übrigens in Moers (meine Geburtsstadt) zu heftigem Streit gekommen sein weil im damals protestantischen Gebiet auch katholische Kirchen erbaut werden durften.

Damals musste der preußische König die Toleranz von oben befehlen. Heute müssen wir das irgendwie selbst hinkriegen!

Wahlkampf im Ramazan

21. August 2009

Heute brannte die Sonne und es wurde richtig heiß auf dem Bruckhauser Markt als wir unsere DAL-Handzettel unters Volk brachten!

Da jetzt auch der Fastenmonat begonnen hat durften wir natürlich auch nichts trinken und mussten die Hitze ohne Getränke überstehen.

Dafür aber hatten wir das gute Gefühl auf viel Zuspruch zu stoßen. Die meisten Moscheegemeinden stehen auch hinter uns und viele Kandidaten sind jetzt auch endlich voll aktive Wahlkämpfer geworden.

Gegen 13:00 Uhr kam dann sogar unser OB Sauerland auf den Markt und schaute auch bei uns vorbei. Gut gelaunt mischte er sich unters Volk und warb für seine Bestätigung als Oberbürgermeister. Und mein Eindruck ist, dass ihn auch viele wählen wollen. Erstaunt habe ich heute auch gesehen, dass sowohl CDU als auch SPD jetzt türkischsprachige Werbebroschüren verteilen um auch die Bürger mit Migrationshintergrund zu erreichen!

Überhaupt findet der Wahlkampf nun auch vor und in den Moscheen statt, wenn auch die Moscheegemeinden offiziell parteipolitisch neutral bleiben. Aber zu den Iftar-Essen (Fastenbrechen) kündigen sich jetzt schon viele Kommunalpolitiker an. Das könnte durchaus auch mit dem Wahlkampf zusammenhängen.

Für nächste Woche habe ich auch schon eine Einladung!

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