29.05.2013

29. Mai 2013

Trauer

Trauer

Gegen das Vergessen

10. November 2012

Namen

Die Namen sollen nicht vergessen werden

Der 9. November ist ein besonderes Datum in der deutschen Geschichte: die Ausrufung der ersten deutschen Republik, der Fall der Berliner Mauer und die Reichsprogromnacht 1938, in der erstmals planmäßig der deutsche Staat eine Bevölkerungsgruppe mit brutaler Gewalt verfolgte. Die Nazis waren an der Macht und schafften es die Bevölkerungsmehrheit gegen die deutschen Juden aufzuhetzen, die Synagogen brannten, Menschen wurden auf offener Straße vom aufgehetzten Mob ermordet, alles auf staatlichem Befehl hin. An diese dunkle Zeit wurde gestern erinnert. In dieser Zeit wurden auch in Duisburg Menschen von Staats wegen verfolgt und ermordet, auch Kinder.

Die Namen von Kindern

Die Namen von Kindern

Vom Duisburger Hauptbahnhof aus fanden auch Transporte in die Vernichtungslager der Nazis statt, und auch Kinder wurden von dort in den sicheren Tod geschickt. Für sie wurde nun am Freitag, den 09. November 2012 auf dem Harry Epstein Platz ein Mahnmal der Öffentlicheit übergeben.

Mahnmal am Harry Epstein Platz in Duisburg

Mahnmal am Harry Epstein Platz in Duisburg

Die kleine Zeremonie mit Musik und den Reden von Oberbürgermeister, Vertreter des Jugendrings, Dieter Kroll von ThyssenKrupp Steel und Armin Schneider vom Bündnis für Toleranz und Zivilcourage war würdig. Wobei besonders der Auftritt des kleinen Künstlers Levin Losemann viele besonders bewegte und spontanen ehrlichen Beifall auslöste. Da war es dann auch nicht mehr so tragisch, dass die Veranstaltung mit halbstündiger Verspätung begann weil sich der Oberbürgermeister verspätete, er entschuldigte sich mit dem Hinweis, dass das Kurartorium des Lehmbruck-Museums noch kurz zuvor wichtige Entscheidungen zu treffen gehabt hätte und er deswegen nicht früher hätte aufbrechen können.

Ein bewegender Künstler

Ein bewegender Künstler

Auf der Veranstaltung traf ich auch Herrn Rubinstein von der jüdischen Gemeinde, der etwas konsterniert darüber war, dass seine Gemeinde erst in letzter Minute zur Veranstaltung eingeladen war. Das ist natürlich ein ziemlich dämliches Fehlverhalten des OB-Büros ausgerechnet die jüdische Gemeinde ganz kurzfristig zu einer Veranstaltung anlässlich des Gedenkens an den 9. November 1938 und der Verschleppung jüdischer Kinder durch die Nazis einzuladen. Fingerspitzengefühl ist offensichtlich nicht die Stärke der neuen Stadtspitze.

Gedenken an ermordete Kinder aus Duisburg

Gedenken an ermordete Kinder aus Duisburg

Davon abgesehen war die Veranstaltung aber trotzdem ein Erfolg und das Mahnmal sowie seine Gestaltung fand viel Zuspruch. Der Künstler Gerhard Losemann und die Auszubildenden von ThyssenKrupp Steel haben hervorragende Arbeit geleistet, das Mahnmal ist vielschichtig in seiner Gestaltung und lädt zum Verweilen wie Nachdenken ein. Hoffentlich bleibt es von Schmierereien und Vandalismus verschont.

Das Mahnmal für die von 1938 bis 1945 verschleppten und ermordeten jüdischen Kinder aus Duisburg

Das Mahnmal für die von 1938 bis 1945 verschleppten und ermordeten jüdischen Kinder aus Duisburg

Nur wenige Meter weiter am Hauptbahnhof sieht man regelmäßig junge Leute mit Springerstiefeln und schwarzer Kleidung auf denen dämliche Sprüche in Frakturschrift stehen, die auf rechtsradikales Gedankengut hindeuten. Die braune Gefahr ist auch im Jahr 2012, 70 Jahre nach dem Massenmord an den europäischen Juden und anderen Bevölkerungsgruppen durch die Nazis, immer noch sehr real.

Die gestrige Pressekonferenz der drei Moscheevereine aus Hochfeld und Rheinhausen im Duisburger Rathaus hat deutlich gezeigt wie wenig die deutsche Presse die Stimmungslage der Migranten verstehen kann!

Der hoffentlich nur rhetorisch gemeinte Einwurf eines WDR-Journalisten, der von einer eher harmlosen über Google erstellten Adressensammlung der Naziterroristen sprach löste bei den Moscheevertretern Unverständnis aus. Warum sammeln Neonazis die Adressen von Moscheen und türkischen Kulturvereinen? Natürlich gibt es keine genauen eindeutigen Beweise, dass sie dort Anschläge planten, aber glaubt jemand ernsthaft die Nazis wollten vielleicht nur ein paar Grußkarten dorthin schicken?!

Und wenn die Vertreter der Moscheegemeinden sich und ihre Vereine in Gefahr sehen brauchen sie dafür keine konkreten Hinweise, die Mordopfer der sogenannten „Döner-Morde“ wurden auch ohne irgendeine Vorwarnung von den Naziterroristen regelrecht hingerichtet. Ebenso explodierte 2004 die Bombe in Köln-Mülheim, die die Polizei mit Schutzgelderpressung in Zusammenhang brachte. Von 1998 bis Oktober 2011, also rund 13 Jahre lang konnte die Terrortruppe aus Zwickau die ganze Republik mit Mord- und Bombenanschlägen wie Banküberfällen überziehen. 13 Jahre lang konnten die Polizei und der Verfassungsschutz in Thüringen, der die Nazis als V-Leute auf seiner Gehaltsliste führte, nicht herausfinden wo sie sich versteckt hielten, und das mitten in Deutschland.

Wer will es den Moscheevertretern verdenken wenn sie da den Aussagen der Polizei eher skeptisch gegenüberstehen? Die türkischen Medienvertreter verstanden das gestern sehr wohl, aber die deutschen Journalisten von WAZ, NRZ, WDR usw. wiederholten gebetsmühlenartig die Frage nach konkreten Bedrohungen. Wobei ich dann selbst als Moderator der Pressekonferenz nicht umhin konnte zu erinnern, dass auch die ermordeten türkischen und griechischen Migranten der letzten Jahre keine konkrete Bedrohung kannten wie auch die Menschen in Köln-Mülheim nicht als in ihrem Viertel die Nagelbombe hochging.

Ich selbst ließ es mir zudem auch nicht nehmen nochmal darauf hinzuweisen, dass die Naziterrorzelle von Zwickau eventuell immer noch aktive bis heute unentdeckte Mitglieder wie einflussreiche Unterstützer hat, was namhafte Sicherheitsexperten auch für durchaus wahrscheinlich halten. Das wissen die Vertreter der Moscheegemeinden und haben deswegen allen Grund besorgt zu sein. In den Moscheen gehen schließlich viele Kinder und Jugendliche ein wie aus.

Die Pressekonferenz ging nach einer Stunde, in der die Vertreter der Moscheen aus Hochfeld und Rheinhausen eindringlich an die Öffentlichkeit appellierten alles zu unternehmen um der Hetze gegen Migranten entgegenzutreten sowie rechtsextreme Gewalttäter und ihre Organisationen unschädlich zu machen, zu Ende. Denn schließlich wollen auch die Menschen in den Moscheen in Deutschland zuhause sein können ohne Angst um ihr Leben haben zu müssen.

Danach führten die Journalisten eines großen türkischen Fernsehsenders („Samanyolu“) Interviews vor der Kamera mit den einzelnen Sprechern der Vereine durch während das WDR-Fernsehteam und die anderen Journalisten der deutschen Medien schnell das Rathaus verließen. Auch so kann man zeigen wie ernst einem das Thema ist.

Heute hatten 3 Moscheevereine zu einer Pressekonferenz mit dem Thema „Bedrohung durch Neonazis“ eingeladen, die ich leiten durfte.

Und da erschien dann sogar die Polizei, obwohl die niemand eingeladen hatte! Irgendwie haben die beiden Polizeivertreter durch andere von der Einladung erfahren, die erst gestern nachmittag verschickt wurde!

Aber auch die Presse, sowohl deutsche als auch türkische, war zahlreich erschienen. Nur die Fragen der Journalisten ließen erkennen, dass sie auf irgendwelche Sensationen gehofft hatten und nicht so recht verstehen konnten warum sich Moscheevereine in Duisburg bedroht fühlen könnten. Wobei das wieder nur die deutschen Journalisten fragen konnten ob sich die Moscheevertreter irgendwie „konkret bedroht“ fühlen würden….

Ob sich die ermordeten Migranten wohl auch vorher „konkret bedroht“ fühlten als sie von den Nazi-Terroristen regelrecht hingerichtet wurden???

Ich werde später mehr zu dieser denkwürdigen Pressekonferenz schreiben!

Braune Gefahr auch in Duisburg!

Gestern und heute habe ich erfahren, dass auch befreundete Moscheevereine in Duisburg und Rheinhausen in den Terrorlisten der Neonazi-Gruppe aus Zwickau als mögliche Anschlagsziele aufgetaucht sind!

Die Polizei hat die Vereinsvorsitzenden offiziell darüber informiert, dass bei den Ermittlungen gegen die Neonazi-Terrorgruppe aus Zwickau auch ihre Vereine als Anschlagsziele in den Materialien der Nazis aufgetaucht sind.

Da bis heute nicht sicher ist wieviele Anhänger, Helfer und Aktivisten diese Terroristengruppe hatte und hat, besteht die Gefahr wahrscheinlich auch bis heute. Und da es sogar wahrscheinlich zumindestens aus Teilen der Verfassungsschutz auch noch Unterstützung für die rassistischen rechtsextremistischen Verfassungsfeinde gab müssen alle unsere Aktiven wie Mitglieder sich besonders vorsichtig verhalten. Ich werde nun viele Gespräche mit den Freunden aus den Vereinen führen müssen um deren berechtigte Ängste zu berücksichtigen. Die örtliche Politik und die Polizei können diese Thematik nicht mehr herunterspielen!

Und ich selbst werde nun auch vorsichtiger sein müssen!

01.12.2011, 20:29 Uhr: Heute habe ich durch Gespräche mit einzelnen Vereinsvorsitzenden erfahren, dass mindestens drei Moscheevereine, zwei in Hochfeld und einer in Rheinhausen, wegen der Datenfunde bei der Nazi-Terrorgruppe in Eisenach von der Polizei schriftlich informiert wurden. In dem Schreiben heißt es dann man wisse nicht warum die Naziterroristen die Adressen und andere Daten von den Moscheevereinen gesammelt hätten und es lägen keine Hinweise auf möglicherweise geplante Anschläge vor. Wahrscheinlich wollten die Nazis den Moscheevereinen nur Grußkarten zu Neujahr schicken!

Webseite Verfassungsschutz Thüringen

Webseite Verfassungsschutz Thüringen

Nun steht es fest: die Sicherheitsbehörden kannten die Nazi-Terroristen und haben sogar eine Zeitlang mit ihnen zusammengearbeitet!

Dass der Verfassungsschutz auch verdeckte Informanten, sogenannte „V-Leute“, braucht um Insiderinformationen aus extremistischen Organisationen zu bekommen ist ja bekannt, aber hier haben die „V-Leute“ wohl eher den Verfassungsschutz und die Polizeibehörden an der Nase herumgeführt. Wie über zehn Jahre lang eine Nazi-Terrorgruppe, die zumindestens indirekt am Anfang ihrer Mordaktionen vom Verfassungsschutz (hoffentlich nur unbeabsichtigt) gesponsort wurde, Morde und Bombenanschläge begehen konnte ohne, dass die Sicherheitsbehörden auch nur davon ahnten kann kein Mensch verstehen. Jahrelang tappten unsere Polizeibehörden wie auch die Verfassungsschützer im Dunkeln als vor Jahren in Köln und Düsseldorf Bomben hochgingen und die Mordserie begann, die wir als „Döner-Morde“ kennen.

Als Bürger frage ich mich nur ob es wirklich sein kann, dass der Verfassungsschutz mit ausgewiesenen Verfassungsfeinden zusammenarbeitet und dann noch nicht mal weiß was die so alles an kriminellen Aktivitäten entfalten?! Wieviele solcher Verfassungsfeinde stehen wohl noch im Dienste des Verfassungsschutzes?! Haben Verfassungsschutzmitarbeiter vielleicht sogar Verbrechen der Naziterroristen gedeckt?!

Für mich stellt sich die grundsätzliche Frage ob die Verfassungsschutzbehörden wirklich mit Extremisten zusammenarbeiten sollten, denen sie ja nicht wirklich vertrauen können und die offenbar mit den Mitteln des Verfassungsschutzes sogar ihre extremistischen Aktivitäten bestreiten konnten!

Die allerwichtigste Frage ist aber ob diese Naziterrorgruppe nicht noch mehr Mitglieder hat, die weiter im Untergrund agieren und weitere Anschläge planen! Jetzt werden die Medien und Behörden jedenfalls nicht mehr so leicht auf Islamisten, Kurden oder Mafia verweisen können wenn in Wohnvierteln von Migranten Bomben hochgehen oder Geschäftsleute ausländischer Herkunft ermordet werden wie es beim Bombenanschlag von Köln-Mülheim oder den „Döner-Morden“ der Fall war! Jetzt wissen wir, dass Rassismus und Rechtsextremismus auch zu Terrorismus führen können!

Seit über zehn Jahren mordet eine organisierte rechtsradikale Gruppierung Menschen türkischer Herkunft, oder auch solche die sie für Türken hält! Und deutsche Behörden kannten schon vor der ersten Bluttat mindestens einen der Täter!

Lange schon gab es Spekulationen um eine „braune RAF“, also eine organisierte Neonazi-Terrororganisation, die mit Gewalt ihre rechtsextreme menschenfeindliche Ideologie durchzusetzen versucht. Nun wissen wir, dass sie sich schon angefangen hatte zu bilden, vielleicht besteht sie sogar schon und agiert bereits im Untergrund!
Im Gegensatz aber zur linksradikalen Original-RAF aus den Siebzigern morden die Nazis einfache Menschen, die hart für ihren Lebensunterhalt arbeiten und nur den „Fehler“ haben ausländisch und fremd zu wirken.

Das erste Opfer in der Serie der sogenannten „Döner-Morde“ war ein Blumenhändler, der am Tag seiner Ermordung einen Kollegen vertrat, andere Opfer waren Fließbandarbeiter, Gemüsehändler (über die ein gewisser Sarrazin ja auch gerne abschätzig redet) sowie andere hart arbeitende Bürger, die sich nichts haben zu schulden kommen lassen. Aus purem Rassismus heraus kam es zu den Morden!

Wenn sich bewahrheiten sollte, dass die Mitglieder der Naziterrorgruppe wirklich den Behörden bekannt waren und es noch mehr Naziterroristen gibt steht dieses Land nicht nur vor einem großen Skandal sondern auch vor der großen Herausforderung endlich glaubhaft Rassismus und Hass auf Menschen anderer Herkunft und Glauben zu bekämpfen! Allein die Vorstellung, dass eine Polizistin oder ein Ladenbesitzer ermordet werden weil sie für Türken oder Ausländer gehalten werden ist schon eine Schande für unser Land. Ich hoffe, dass diese Terrorgruppe schnell zerschlagen wird und es nicht zu viele heimliche Sympatisanten gibt, denn sonst müsste selbst ich wie viele andere Menschen in diesem Lande Angst haben!

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