Licht

Kein begehrter Sitzplatz

Die erste Ratssitzung der neuen Legislaturperiode steht unmittelbar bevor, und ausgerechnet ich als Gastarbeiterkind mit türkischem Hintergrund muss neben den Nazis sitzen!

Die erste Ratssitzung mit erklärten Rassisten könnte brisant werden, sowohl im Ratssaal wie auch auf dem Burgplatz vor dem Rathaus. 4 Demos werden für hitzige Stimmung und fehlende Parkplätze sorgen. Ich weiß nicht wie ich selbst auf eventuelle rassistische Hetze von NPD und ProNRW reagieren werde wenn ich nur einen halben Meter von den Nazis „entfernt“ bin während sie ihr braunes Gift versprühen.

Ich hoffe meine Selbstbeherrschung wird stark genug sein. Ebenso wie hoffentlich auch der Zusammenhalt der demokratischen Kräfte im Rat. Die vielen schwierigen Themen in der Stadt werden es nicht leicht machen, und da helfen auch keine butterweichen lyrischen Erklärungen gegen Rechts wenn die Problemlage aufgrund von sozialen Missständen und Armutszuwanderung in unserer Stadt weiter schwer wiegt und viele Bürger den bestehenden demokratischen Kräften nicht mehr über den Weg trauen.

Natürlich werden alle Demokraten im Rat versuchen die Rechtsextremisten ins Leere laufen zu lassen, auch ich und meine neue Fraktion „Junges Duisburg/DAL“ werden daran arbeiten die Nazis durch gute politische Arbeit zu entzaubern. Aber ein mieses Gefühl vor jeder Ratssitzung bleibt bei mir trotzdem.

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Bürgerkrieg?

2. Juni 2013

Polizeigewalt gegen Demonstranten

Polizeigewalt gegen Demonstranten – Bildquelle: http://occupygezipics.tumblr.com/

Was passiert da zur Zeit in der Türkei? Warum geht die türkische Polizei so brutal gegen Demonstranten in Istanbul vor, dass die ganze Welt erschrocken ist?

Die Informationen über die Hintergründe der Proteste sind etwas widersprüchlich sowie oberflächlich: angeblich ging es nur um ein paar Bäume in einem Park in Istanbul, die einem Bauprojekt weichen sollten, und nun steckt die Türkei in einer tiefen Staatskrise mit vielen Demonstrationen in anderen Großstädten in der Türkei und ganz Europa. Tatsache ist, dass die Regierung in Ankara jetzt versucht die Berichterstattung über die immer noch anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten in einigen türkischen Großstädten zu unterdrücken. Die wichtigsten Nachrichtensender im türkischen Fernsehen verschweigen vieles und in der Türkei funktionieren zeitweise die Zugänge zu Facebook, Twitter und anderen Internetdiensten nicht mehr.

Die Protestwelle hat offensichtlich auch größere Teile der Türkei erreicht, und es geht längst nicht mehr um ein paar Bäume sondern um den Sturz der islamistisch-konservativen Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Ein Bündnis von linken Aktivisten, Sozialdemokraten, Gewerkschaftern und vor allem modern gesinnten Jugendlichen gehen gegen die Regierung auf die Straße um gegen eine angeblich bevorstehende islamistische Diktatur zu demonstrieren sowie den Ausverkauf der türkischen Wirtschaft.

Haben sie aber auch die Bevölkerung hinter sich? Tatsache ist, dass der türkische Ministerpräsident bei allen Wahlen der letzten Jahre die Mehrheit der Wähler hinter sich hatte. Allerdings hat er dadurch keinen Freibrief für eine Politik der Islamisierung bekommen. Die Mehrheit der türkischen Bevölkerung möchte auch weiterhin ein liberales gesellschaftliches Klima, und so rudert der türkische Ministerpräsident zurück und bedauert die angeblich eigenmächtige übertriebene Härte der Polizei, die mit scharfer Munition und gewaltigen Mengen von Tränengas, auch zum Schrecken von Touristen wie ausländischen Nachrichtenkorrespondenten, mitten im Istanbuler Stadtzentrum gegen die vielen jungen Demonstranten vorgingen.

Ich weiß nicht wie sich die Türkei entwickeln wird, aber ich hoffe, dass sie den modernen Weg den einst Mustafa Kemal Atatürk einschlug nicht verlassen wird, denn gerade das relativ liberale Klima und eine tolerante Version des Islams haben das Land auch für fremde Menschen attraktiv gemacht. Alkoholverbote, Zensur und die Alleinherrschaft einer Partei passen da nicht rein. Das sollten sich Ministerpräsident Erdogan und seine Gefolgsleute gut merken wenn sie das Land nicht in einen dauerhaften schweren Konflikt fallen lassen wollen.

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