Forum in Duisburg

Forum in Duisburg

Als vorbeilaufende PEGIDA-Anhänger am Abend des 3. Oktober in Duisburg meinen Sohn böse ansahen weil er ein T-Shirt mit Istanbul-Aufschrift trug war mir klar, dass dieser Tag der deutschen Einheit auch mit Ablehnung und Ausgrenzung zu tun hat.

PEGIDA am Duisburger Hauptbahnhof

PEGIDA am Behindertenparkplatz am Duisburger Hauptbahnhof

Lange habe ich überlegt ob ich meine Meinung zu den Ereignissen und Fronten am Tag der deutschen Einheit schreiben sollte. Die üblen Beschimpfungen, die PEGIDA-Anhänger gegen die Kanzlerin und andere Vertreter des Staates in Dresden herausschrien zeigen den Level des Hasses, der von nicht kleinen Teilen der Bevölkerung offen gezeigt wird.

Ein Hass, der meiner Meinung nach vor allem auf Angst vor Zuwanderung und Veränderung zurückzuführen ist. Denn unkontrollierte Zuwanderung birgt natürlich auch neben den Chancen ebenso Risiken wie Gefahren. Eine Angst, die sogar den Tag der deutschen Einheit überschattet, der doch eigentlich ein gemeinsamer Freudentag sein sollte. Nun hat alle Welt gesehen wie tief die Gräben zwischen Teilen der Bevölkerung und der offiziellen Politik geworden sind. Angst ist bekanntermaßen ein schlechter Ratgeber, aber sie lässt sich nicht durch naive „Wir-schaffen-das“-Rhetorik aus der Welt schaffen. Viele sind eben sauer weil sie nicht sehen, dass die politische Klasse wirklich ernsthafte Lösungen anbietet.

Weder grenzenloses „Welcome Refugees“ noch „Asylchaos stoppen“-Parolen helfen weiter.

Eine ehrliche Diskussion wie Zuwanderung aussehen soll und wieviel Flüchtlinge unser Land aufnehmen kann wird leider von verschiedenen Seiten torpediert. Eine grenzenlose Aufnahme ist nicht möglich, ebenso wird das eine verdammt teuere Angelegenheit die Folgen von Flüchtlingskrise und Armutszuwanderung zu bewältigen. Das zeigt sich gerade auch in Städten wie Duisburg. Nur offiziell darüber reden möchte kaum einer. Von dieser Ignoranz profitieren Rechtspopulisten und Rassisten.

Polizei vorm Duisburger Forum

Polizei vorm Duisburger Forum

Um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: ich bin für eine gesteuerte Zuwanderung und eine weltoffene bunte Gesellschaft. Niemand möchte heute noch eine Rolle rückwärts zum Deutschland der fünfziger Jahre.“Deutsch“ ist heute eine Nationalität, die Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenfasst, und das gilt auch für mich und meinen Sohn.

Das Konzert vom „Duispunkt“ habe ich gerne live vor Ort mitverfolgt um neben dem Genuss der Livemusik auch meine Ablehnung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu zeigen. Die Entscheidung der Organisatoren das Konzert vorm Forum auf der Königstraße stattfinden zu lassen war goldrichtig. Viele hundert Interessierte kamen und blieben stehen um der Sängerin Maika Küsters und ihrer musikalischen Unterstützung in Gestalt des Bassisten Alex Morsey und des Pianisten Marc Branken zu lauschen. Jazz ist eine Musikform mit unterschiedlichen Wurzeln und vielen verschiedenen Musiktraditionen, die miteinander verschmolzen. Das war genau die richtige Antwort zum Tag der deutschen Einheit auf die wenigen Pegidisten am Hauptbahnhof mit ihrem verstaubten reaktionären Deutschlandbild.

Maika Küster mit Alex Morsey(Bass) und Marc Branken (Piano)

Maika Küster mit Alex Morsey(Bass) und Marc Branken (Piano)

Maika Küster mit Alex Morsey(Bass) und Marc Branken (Piano)

Maika Küster mit Alex Morsey(Bass) und Marc Branken (Piano)

Solche Aktionen können ruhig regelmäßig vorm Forum stattfinden!

Weitere Bilder vom Tag am Duisburger Hauptbahnhof, für die volle Bildauflösung wie bei den obigen Bildern einfach draufklicken.

Im Spiel

Im Spiel

Achtung

Das neue Jahr ist erst wenige Tage alt und auf diesem Wege wünsche ich allen Lesern hier ein gutes erfolgreiches neues Jahr

Vor allem wünsche ich allen Menschen in diesem Lande Mut und Klugheit um nicht den Angstmachern von dubiosen Organisationen wie „PEGIDA“ oder anderen Rechtspopulisten auf den Leim zu gehen. Leider scheint es immer recht einfach zu sein die Zukunftsängste der Menschen zu nutzen um gegen Minderheiten, Zuwanderer und Flüchtlinge polemisieren zu können. Angeblich droht die „Islamisierung“ des Abendlandes. Das Feindbild Islam zieht eben besonders gut. Auch wenn unter diesem Vorwand dann ein ganzer Reigen von Missständen wie Korruption, GEZ-Gebühren, Medienmanipulation und der baldige Untergang Deutschlands wie des gesamten Abendlandes angeprangert wird. Und an allem sollen offensichtlich die Muslime und der Islam schuld sein.

Wer es übrigens wagt „PEGIDA“ kritisch zu sehen muss sich von deren zahlreichen Anhängern auch schon mal beschimpfen und verleumden lassen. Ein „PEGIDA“-Anhänger, den ich hier ausdrücklich nicht namentlich nennen möchte versuchte mich auf Facebook in die Nähe der IS zu rücken weil ich darauf hinwies, dass nicht Muslime Kirchen schließen sondern die Kirchenleitungen selbst und es klüger wäre für christliche Werte zu demonstrieren anstatt gegen andere Religionsgemeinschaften. Überhaupt stellt sich die Frage was die Probleme des Landes mit Religion zu tun haben sollen. Die Angst vor einer befürchteten Überfremdung und den Verlust der „christlich-jüdischen Abendlandkultur“ lässt hier den Wunsch nach einem großen Sündenbock übermächtiger als die Logik werden.

Sind die Flüchtlinge, die übers Mittelmeer kommen etwa die Vorboten der „Islamisierung“? Natürlich nicht, denn viele von ihnen fliehen vor Bürgerkriegen, Verfolgung und Armut und sind meistens gar keine Muslime. Das Gerede von geschlossenen Kirchen und vielen Moscheen zeigt vor allem auf, dass die Islamhasser von „PEGIDA“ den hier lebenden Muslimen Grundrechte vorenthalten möchten. Da wird dann „Anpassung“ verlangt, mich erinnert das an die erregten Diskussionen vor fast 20 Jahren als zwei Moscheegemeinden in Duisburg den Gebetsruf öffentlich erschallen lassen wollten und damals schon die große Hysterie über den kurz bevorstehenden Untergang des Abendlandes um sich griff. Ebenso denke ich noch mit Schrecken an den Versuch die Beschneidung generell zu verbieten. Als Muslim muss ich den jüdischen Gemeinden und ihrem Zentralrat dafür dankbar sein, dass dieses Unterfangen der Mehrheitsgesellschaft verhindert werden konnte.

Wenn ich im Fernsehen zehntausende „PEGIDA“-Anhänger mit Deutschlandfahnen demonstrieren sehe spüre ich sofort, dass sie auch gegen mich demonstrieren sowie gegen alle Menschen muslimischen Glaubens, die sich der Assimilationsaufforderung der „PEGIDA“ verweigern. Obwohl ich kein religiöser Mensch bin klammere ich mich auch an meine muslimische Identität und lege Wert darauf sie an meinem Sohn weiterzugeben. Das hat nicht das Geringste mit irgendwelchen „Glaubenskriegen“ zu tun.

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Und das hindert mich nicht daran den Sternsingern auch Geld zu spenden wenn sie an unserer Haustür singen um Kindern auf den Philippinen zu helfen. Denn ich respektiere auch ausdrücklich die christlichen Konfessionen sowie andere Glaubensbekenntnisse. Das gleichberechtigte Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Glaubenszugehörigkeit ist meiner Meinung nach einer der größten Errungenschaften unserer modernen Gesellschaft.

Was mich an meisten an diesen „PEGIDA“, „BOGIDA“, „KÖGIDA“, „BÄRGIDA“ und so weiter stört ist ihre ganz offensichtliche Geringschätzung des Islams und der Muslime, die sich zu ihrem Glauben bekennen und sich nicht „anpassen“ wie sich das die „PEGIDA“-Anhänger wünschen. „Wir sind das Volk“ schreien diese Demonstranten und grenzen alle aus, die nicht in ihr enges Einheitsbild vom Volk passen. Wer da die „falsche“ Religionszugehörigkeit und Herkunft hat wird ausgegrenzt und verdächtigt. Religiöse Minderheiten als Sündenböcke für Fehlentwicklungen und innenpolitische Probleme verantwortlich zu machen zeigt was die rechten Organisatoren der „PEGIDA“-Demos wirklich von Werten wie Menschenwürde, Religionsfreiheit und Diskriminierungsverbot halten. Das ist das Gegenteil eines freiheitlichen Landes und der Werte unserer Verfassung, und deswegen lehne ich „PEGIDA“ aus voller Überzeugung ab.

Für die Menschen in Duisburg aktiv

Für die Menschen in Duisburg aktiv

Es kam wie es kommen musste: in Duisburg gibt es nun definitiv keine Zielvereinbarung zwischen Integrationsrat und Rat der Stadt Duisburg zu integrationspolitischen Aufgaben.

Nachdem SPD/Linke und Grüne in der letzten Sitzung des Rates der Stadt mit ihrer Mehrheit weitreichende Änderungen am vorliegenden Entwurf der Zielvereinbarung durchsetzten, die de facto eine Assimilierung der Migranten und die Aufgabe ihrer Sprache und Kultur festschreiben sollten haben fast alle Migrantenvertreter gestern im Integrationsrat der veränderten Form der Zielvereinbarung ihre Zustimmung verweigert!

SPD und Grüne versuchten noch mit fadenscheinigen Argumenten formalistischer Natur die Abstimmung zu verhindern als sie sahen, dass außer ihren Verbündeten von der „Diyanet-Liste“ keiner mit ihnen zusammen dafür ist die Muttersprachen von Migrantenkindern zur „zweiten Fremdsprache“ und „optional“ außerhalb des Hauptunterrichts zu degradieren. Auch sollte der Integrationsrat in der Zielvereinbarung indirekt der Kürzung seiner ohnehin schon knappen finanziellen Mittel zustimmen. Ich selbst habe den Antrag gestellt diese Zielvereinbarung gleich komplett abzulehnen, da wir die letzten zwei Jahre keine Einigung mit der migrantenfeindlichen linken Mehrheit im Rat der Stadt hinkriegen konnten und SPD/Linke wie Grüne mehrfach deutlich zeigten, dass sie die gewählten Vertreter der Duisburger Bürger mit Migrationshintergrund nicht als Partner akzeptieren wollen sondern auf klare Bevormundung wie Gängelei setzen. Das Thema „Zielvereinbarung“ ist jetzt daher wohl erledigt wenn nicht noch ein mittleres Wunder passiert und die linken Ideologen zur Vernunft kommen.

Andere Themen waren gestern die seit langem erheblichen Wartezeiten in der Ausländerbehörde Hamborn wo Bürger teilweise fast 5 Monate auf einen Termin warten müssen um ihre Aufenthaltserlaubnisse in den neuen Pass zu übertragen. Die Zustände in Hamborn sind seit vielen Jahren ein Dauerthema im Integrationsrat. Jetzt hat sich die Situation nochmal verschärft weil die Türkei nur noch neue Pässe ausgibt anstatt die alten wie früher zu verlängern und zu allem Überfluss die Bundesregierung auch noch einen neuen elektronischen Aufenthaltstitel eingeführt hat, der ziemlich aufwendig in der Bearbeitung sein soll.

Ein anderes wichtiges Thema war die immer noch geringe Anzahl an Auszubildenden bei der Stadt mit Migrationshintergrund. Deswegen gab es lange Diskussionen um die Prüfungen bei denen fast 80% der Bewerber durchfielen. Auch die Ur-Deutschen wohlgemerkt. Bei den Migranten aber war die Quote noch höher, und die wenigen die es durch die schriftliche Prüfung schafften fielen dann durch die mündliche durch. Irgendwie auffällig!

Am Ende kamen dann noch die Hetzplakate von „ProNRW“ zur Sprache, die ein Integrationsratskollege gerne verbieten lassen würde, was aber natürlich nicht so einfach geht, die Stadt hat jedenfalls keine rechtlichen Möglichkeiten gegen die islamfeindlichen Parolen der Rechtspopulisten vorzugehen, und so beschlossen wir eine Resolution gegen die Provokateure von rechts, die mit ihrer unverantwortlichen Aktion auch noch den radikalen Islamisten in die Hände spielen.

Die gestrige Sitzung des Integrationsrates war unterm Strich weder erfolgreich noch völlig vergebens, aber ziemlich ernüchternd was die Handlungsmöglichkeiten in unserer Stadt angeht wie auch die Einsichtsfähigkeit der politischen Mehrheit im Rat der Stadt. Ich hoffe nur, diejenigen, die bald wieder Duisburg komplett beherrschen werden kommen mal langsam zur Vernunft und bequemen sich auch mit Andersdenkenden zu reden um Kompromisse zu finden. Die Probleme der Stadt verlangen danach! 

Moschee in Marxloh

Morgen vormittag um 10 Uhr will ich zusammen mit einigen Freunden von der DAL die Moschee in Marxloh besuchen um der Moscheegemeinde zu zeigen, dass wir auch in Zeiten der Bedrohung und der Angriffe von Rechtspopulisten an ihrer Seite stehen!

Nun sind wir schon öfters dort gewesen, aber morgen wollen wir extra früh dort sein da wieder die Islamhasser von „ProNRW“ dort in unmittelbarer Nähe ihre Hetze gegen Muslime verbreiten wollen. Den Typen werden wir aber selbstverständlich aus dem Wege gehen, denn das haben die natürlich gerne, dass alle Welt uber sie berichtet und sie durch Gegendemonstrationen extra aufwertet.

Wir werden das nicht tun und auch nicht demonstrieren, sondern nur durch unseren Besuch und das Gespräch mit Gemeindemitgliedern zeigen, dass wir an der Seite der DITIB-Moschee in Marxloh stehen. Hoffentlich kommen viele!

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