Achtung

Das neue Jahr ist erst wenige Tage alt und auf diesem Wege wünsche ich allen Lesern hier ein gutes erfolgreiches neues Jahr

Vor allem wünsche ich allen Menschen in diesem Lande Mut und Klugheit um nicht den Angstmachern von dubiosen Organisationen wie „PEGIDA“ oder anderen Rechtspopulisten auf den Leim zu gehen. Leider scheint es immer recht einfach zu sein die Zukunftsängste der Menschen zu nutzen um gegen Minderheiten, Zuwanderer und Flüchtlinge polemisieren zu können. Angeblich droht die „Islamisierung“ des Abendlandes. Das Feindbild Islam zieht eben besonders gut. Auch wenn unter diesem Vorwand dann ein ganzer Reigen von Missständen wie Korruption, GEZ-Gebühren, Medienmanipulation und der baldige Untergang Deutschlands wie des gesamten Abendlandes angeprangert wird. Und an allem sollen offensichtlich die Muslime und der Islam schuld sein.

Wer es übrigens wagt „PEGIDA“ kritisch zu sehen muss sich von deren zahlreichen Anhängern auch schon mal beschimpfen und verleumden lassen. Ein „PEGIDA“-Anhänger, den ich hier ausdrücklich nicht namentlich nennen möchte versuchte mich auf Facebook in die Nähe der IS zu rücken weil ich darauf hinwies, dass nicht Muslime Kirchen schließen sondern die Kirchenleitungen selbst und es klüger wäre für christliche Werte zu demonstrieren anstatt gegen andere Religionsgemeinschaften. Überhaupt stellt sich die Frage was die Probleme des Landes mit Religion zu tun haben sollen. Die Angst vor einer befürchteten Überfremdung und den Verlust der „christlich-jüdischen Abendlandkultur“ lässt hier den Wunsch nach einem großen Sündenbock übermächtiger als die Logik werden.

Sind die Flüchtlinge, die übers Mittelmeer kommen etwa die Vorboten der „Islamisierung“? Natürlich nicht, denn viele von ihnen fliehen vor Bürgerkriegen, Verfolgung und Armut und sind meistens gar keine Muslime. Das Gerede von geschlossenen Kirchen und vielen Moscheen zeigt vor allem auf, dass die Islamhasser von „PEGIDA“ den hier lebenden Muslimen Grundrechte vorenthalten möchten. Da wird dann „Anpassung“ verlangt, mich erinnert das an die erregten Diskussionen vor fast 20 Jahren als zwei Moscheegemeinden in Duisburg den Gebetsruf öffentlich erschallen lassen wollten und damals schon die große Hysterie über den kurz bevorstehenden Untergang des Abendlandes um sich griff. Ebenso denke ich noch mit Schrecken an den Versuch die Beschneidung generell zu verbieten. Als Muslim muss ich den jüdischen Gemeinden und ihrem Zentralrat dafür dankbar sein, dass dieses Unterfangen der Mehrheitsgesellschaft verhindert werden konnte.

Wenn ich im Fernsehen zehntausende „PEGIDA“-Anhänger mit Deutschlandfahnen demonstrieren sehe spüre ich sofort, dass sie auch gegen mich demonstrieren sowie gegen alle Menschen muslimischen Glaubens, die sich der Assimilationsaufforderung der „PEGIDA“ verweigern. Obwohl ich kein religiöser Mensch bin klammere ich mich auch an meine muslimische Identität und lege Wert darauf sie an meinem Sohn weiterzugeben. Das hat nicht das Geringste mit irgendwelchen „Glaubenskriegen“ zu tun.

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Und das hindert mich nicht daran den Sternsingern auch Geld zu spenden wenn sie an unserer Haustür singen um Kindern auf den Philippinen zu helfen. Denn ich respektiere auch ausdrücklich die christlichen Konfessionen sowie andere Glaubensbekenntnisse. Das gleichberechtigte Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Glaubenszugehörigkeit ist meiner Meinung nach einer der größten Errungenschaften unserer modernen Gesellschaft.

Was mich an meisten an diesen „PEGIDA“, „BOGIDA“, „KÖGIDA“, „BÄRGIDA“ und so weiter stört ist ihre ganz offensichtliche Geringschätzung des Islams und der Muslime, die sich zu ihrem Glauben bekennen und sich nicht „anpassen“ wie sich das die „PEGIDA“-Anhänger wünschen. „Wir sind das Volk“ schreien diese Demonstranten und grenzen alle aus, die nicht in ihr enges Einheitsbild vom Volk passen. Wer da die „falsche“ Religionszugehörigkeit und Herkunft hat wird ausgegrenzt und verdächtigt. Religiöse Minderheiten als Sündenböcke für Fehlentwicklungen und innenpolitische Probleme verantwortlich zu machen zeigt was die rechten Organisatoren der „PEGIDA“-Demos wirklich von Werten wie Menschenwürde, Religionsfreiheit und Diskriminierungsverbot halten. Das ist das Gegenteil eines freiheitlichen Landes und der Werte unserer Verfassung, und deswegen lehne ich „PEGIDA“ aus voller Überzeugung ab.

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Lecker und süss

Heute beginnt das Ramazanfest, auch als Zuckerfest bekannt. In wenigen Stunden geht es zur Moschee und dann ist Verwandtenbesuch angesagt

Wahrscheinlich sieht der Tagesablauf bei vielen heute ganz ähnlich aus. Ebenso wie die fröhlich ausgelassene Feiertagsstimmung. Daher nutze ich hier jetzt die Gelegenheit allen, die ich zur Zeit nicht persönlich ansprechen kann auf diesem Wege schöne Feiertage im Kreise von Familie und Freunden zu wünschen. Den Kindern wünsche ich natürlich viele Süßigkeiten und kleine Geschenke und uns allen ein gesegnetes glückliches Ramazanfest.

Der letzte Fastentag

7. August 2013

Die letzte Mondphase

Die letzte Mondphase

Heute endet der Fastenmonat Ramazan, und ein letztes Mal heißt es bis zum Abend ohne Essen und Trinken auszukommen.

Gerade habe ich mit Freunden und Verwandten die letzte Mahlzeit zu mir genommen. Heute werden wir auch die Gräber von Eltern, Schwiegereltern sowie anderen verstorbenen Familienmitgliedern besuchen. Am Abend nach dem Iftar beginnt dann endlich das Ramazan-Fest mit den Feiertagen. Das wird häufig als Şeker Bayram oder Zuckerfest bezeichnet weil dann die Kinder von Haus zu Haus ziehen um Süßigkeiten und Geschenke zu einzusammeln. Eine Stimmung vergleichbar mit Weihnachten oder Sankt Martin. So wie es aussieht wird das Ramazanfest über kurz oder lang auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern zum festen Kulturgut werden.

Große Kaufhausketten und Discounter wie Kaufland schalten schon Anzeigen zum Bayram und nehmen in ihren Werbeprospekten Bezug dazu. Eine gute Geste, die zeigt wie selbstverständlich islamische Bräuche heute zum Leben in unserem Lande dazugehören. Und es hilft der Mehrheitsgesellschaft ihre diffusen Ängste gegenüber der immer noch als fremd empfundenen Weltreligion Islam abzubauen was dem Zusammenleben nur gut tun kann.

Schneehimmel

Schnee zu den Osterfeiertagen

Es ist kurz vor Ostern, genaugenommen ist es jetzt noch Karfreitag und es ist ziemlich kalt, kälter als Weihnachten sogar. Gestern und heute hat es auch geschneit, „Weiße Ostern“ sozusagen.

Nun feiern ich und meine Familie eh kein Ostern, wir freuen uns aber trotzdem über die freien Tage. Heute habe ich in einer Zeitung gelesen, dass der Zentralrat der Muslime auch die Einführung von gesetzlichen Feiertagen zu hohen islamischen Festen fordert. Der Gedanke ist mir durchaus symphatisch, dass auch Opferfest und/oder Zuckerfest von Staats wegen die gleich Anerkennung finden wie Ostern und Weihnachten. Das würde den in Deutschland beheimateten Muslimen zeigen, dass sie und ihr Glauben von diesem Lande endlich auch anerkannt wie respektiert werden. Nur sind in Deutschland über 80% der Bevölkerung nicht-muslimisch. Was sollen diese Menschen mit solchen gesetzlichen Feiertagen anfangen zu denen sie keinerlei Bezug haben? Deutschland ist von seiner Geschichte und von seiner Bevölkerungsmehrheit her eindeutig ein christlich geprägtes Land. 82 Millionen Menschen leben hier, ungefähr 3,5 Millionen davon sind Muslime. Für die Einführung von gesetzlichen Feiertagen reicht das meiner Ansicht nach nicht aus. Viel besser und passender fände ich es wenn Muslime einen Rechtsanspruch erhielten für hohe islamische Feiertage von der Arbeit freigestellt zu werden. Dafür könnten sie ihren christlichen Arbeitskollegen an Weihnachten und Ostern das Feiern im Kreise der Familie ermöglichen. Für diejenigen die Wert auf die religiösen Feste legen wäre das eine gute Lösung, ich würde mich freuen wenn ich und mein Sohn das Recht hätten für das Zuckerfest auf jeden Fall frei haben zu dürfen, ob nun gesetzlicher Feiertag oder nicht.

Überhaupt stellt sich aber die Frage inwieweit denn religiöse Feiertage heutzutage noch einen gesellschaftlichen Stellenwert jenseits der Konsumorgien haben. Partys und Vampirfilme zu den Feiertagen sind nicht unbedingt ein Hinweis auf eine christliche Verwurzelung der deutschen Gesellschaft und trotzdem sind Feiertage wie Karfreitag, Ostersonntag, Heiligabend oder Pfingsten eindeutig Bestandteil des Lebens in diesem Land.

Opferfest, Ramazan und Zuckerfest haben diesen Status noch lange nicht erreicht, und so lange sind Diskussionen über gesetzliche islamische Feiertage in Deutschland nur von symbolischen Wert.

Jüdische Gemeinde am Duisburger Innenhafen

Jüdische Gemeinde am Duisburger Innenhafen

Seit es vor einigen Tagen zum brutalen Überfall auf einen jüdischen Rabbiner in Berlin durch vermutlich arabischstämmige Jugendliche kam wird in manchen Medien aber auch von Politikern versucht Muslimen antisemitisches Gedankengut zu unterstellen.

Leider stimmt das manchmal, es gibt auch judenfeindliche Stimmungen unter manchen Muslimen, häufig beziehen sich diese feindlichen Stimmungen aber auch auf den Nahost-Konflikt und werden durch Ereignisse in Israel, Palästina und den arabischen Nachbarstaaten hervorgerufen. Ein Vergleich mit dem Antisemitismus der Neonazis ist da ziemlich fragwürdig. Natürlich hilft das dem krankenhausreif zusammengeschlagenen Rabbi und seiner Familie in Berlin nicht. Es ist natürlich auch nur ein schwacher Trost für den Betroffenen sowie die in Deutschland lebenden Juden, dass die übergroße Mehrheit der Muslime solche Gewaltakte ablehnt und selbstredend auch die muslimischen Dachverbände den gewalttätigen Übergriff verurteilt haben. Aus welchen Motiven die brutalen Schläger ihre Tat auch immer verübt haben mögen, sie wandern dafür hoffentlich bald hinter Gittern.

Ich kann natürlich nicht für alle Muslime reden, wer kann das auch schon, aber meiner Meinung nach müssten Muslime und Juden in diesem christlichen Land natürliche Verbündete im Kampf gegen Benachteiligung und Missachtung ihrer religiösen Identität sein. Ob „Beschneidungsverbot“, Schächten von Schlachttieren oder ewige Totenruhe, es gibt Gemeinsamkeiten und gemeinsame Interessen gegenüber der christlichen Mehrheitsgesellschaft zu vertreten. Eine Gesellschaft, die von „Verstümmelung“ und „körperliche Misshandlung von Kindern“ spricht wenn Eltern ihre männlichen Kinder wie seit Jahrtausenden üblich beschneiden lassen und mit dem Tierschutzgesetz versuchte das ebenfalls seit Jahrtausenden übliche Schächten von Tieren zu verbieten.

Vor der Oberbürgermeisterwahl in Duisburg habe ich mit einigen Mitgliedern der DAL und von Moscheevereinen darüber diskutiert ob wir nicht den unabhängigen Oberbürgermeisterkandidaten Rubinstein unterstützen sollen, fast alle waren nach längerer Diskussion dafür. Fast alle Mitglieder der DAL sind Muslime, manche sind schon seit Jahrzehnten politisch aktiv und politisch eher rechtskonservativ wie türkisch-national eingestellt. Aber auch die fanden es gut einen Kandidaten zu unterstützen, der inhaltlich die Interessen von Migranten vertritt. Dass Herr Rubinstein auch Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde in Duisburg ist wussten viele schon vorher, einige hatten die Gemeinde schon besucht, alle Mitglieder habe ich aber selbstverständlich auch darüber informiert. Mancher fragte „ob man dem Juden auch trauen könne“, aber keiner lehnte es von vornherein ab über eine Unterstützung zu diskutieren, die wir dann auch beschlossen.

Ich habe sogar Zustimmung gefunden als ich vorschlug auch in Zukunft ein gutes Verhältnis zur jüdischen Gemeinde zu pflegen und bei gemeinsamen Interessen auch eine lockere Zusammenarbeit zu initiieren. Mein Eindruck ist, dass solange es nicht um den „Nahost-Konflikt“ oder Israel und die Palästinenser geht, das Verhältnis zwischen Juden und Muslimen sehr entspannt sein könnte. Das ist hoffentlich wichtiger als jugendliche Schläger und radikalislamistische Organisationen, die den Glauben dazu missbrauchen Menschen aufzuhetzen.

Ich werde jedenfalls meine Möglichkeiten dazu nutzen um wenn vorhanden gegen antisemitisches Gedankengut vorzugehen und für eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Muslimen und Juden zu werben.

Es ist wieder „Bayram“

19. August 2012

Zuckerfest in Deutschland

Zuckerfest in Deutschland

Urlaubszeit wie Fastenzeit sind heute vorbei und dafür beginnt das viertägige Zuckerfest. Seit gestern sind wir aus der Türkei zurück und Benny ist ein wenig traurig darüber, dass er nicht bei seiner Tante in Safranbolu den „Şeker Bayram“ verbringen kann.

Dafür hat er heute in der Nachbarschaft mit anderen Kindern zusammen Geldgeschenke und Süßigkeiten gesammelt. Obwohl wir eine nicht geringe Menge guten Lokums aus Safranbolu mitgebracht haben, die natürlich auch an Freunde und Bekannte verschenkt werden soll. Aber das Zuckerfest ist vor allem ein Fest für Kinder und Familie, weshalb neben Verwandtenbesuche das Wandern von Tür zu Tür der Kinder im Wohnviertel einfach dazugehört wie die vielen guten Festtagswünschen.

İftar am Schwarzen Meer

14. August 2012

Essen am Meer

Essen am Schwarzen Meer

Urlaub in der Türkei mitten im Fastenmonat Ramazan bedeutet neben gewissen Einschränkungen tagsüber zu mindestens am Abend regelmäßige Einladungen zum Fastenbrechen, und auch öffentliches Fastenbrechen mitten auf der Straße für jedermann.

Öffentliches Fastenbrechen in Bartin/İnkum

Öffentliches Fastenbrechen in Bartın/İnkum am Schwarzen Meer

Es ist in islamischen Ländern eine alte Tradition zum abendlichen Fastenbrechen im Ramazan Freunde, Bekannte und Verwandte einzuladen und gemeinsam zu essen.

Brot an der gemeinsamen Tafel

Brot an der gemeinsamen Tafel

Damit im Ramazan auch wirklich jeder am Abend satt wird gibt es an fast allen Orten zusätzlich öffentliche Essen zu denen jeder eingeladen ist. Sozusagen praktizierte Wohltätigkeit.

Hasan Özkan, Bartın/İnkum

Hasan Özkan, der edle Spender des gestrigen Iftar-Essens in Bartın/İnkum

Gestern und Freitagabend habe ich auch an diesen „Iftar“ genannten Fastenbrechen in Bartın/İnkum an der türkischen Schwarzmeerküste teilgenommen, direkt am Meer gelegen. In Sichtweite der Meereswellen habe ich es mir wie einige andere dutzend Leute schmecken lassen. Benny genoss das Essen am Freitag sogar direkt am Meeresstrand. Gestern hat ein alter Bekannter und Freund meines Vaters das Essen gespendet, am Freitag war es der Imam der Moschee in İnkum.

Iftar-Essen in Bartın/İnkum am 13.08.2012

Iftar-Essen in Bartın/İnkum am 13.08.2012

Wohlhabende Bürger und öffentliche Institutionen sorgen so wenigstens im Ramazan für das Wohl der Armen, ganz direkt und unbürokratisch. Ob sowas wohl auch in Deutschland funktionieren würde?

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