Wenig Geld

Gerade habe ich meine Lohnabrechnung für April gelesen und könnte jetzt eine Ladung Antidepressiva in Kombination mit Beruhigungsmitteln gut gebrauchen.

Auch wenn Psychopharmaka keine Lösung sind um meine Familie zu versorgen können sie mir vielleicht helfen mein Los mit meiner Firma und ihrem miserablen Lohn leichter zu ertragen. Die Wirkung der Antidepressiva entfaltet sich aber laut Arzneimittellexikon erst nach Tagen, also habe ich jetzt davon auch nichts.

Es bleibt eben nichts anderes übrig als sofort einen anderen Job zu suchen damit ich bei meiner verfluchten Sch..ßfirma sofort kündigen kann. Einer Firma übrigens, die mit der Gewerkschaft Ver.di einen Tarifvertrag abgeschlossen hat für den sich jeder Gewerkschafter was schämen sollte. Die gleiche Heuchlergewerkschaft hat für die Flughafenmitarbeiter, die ohnehin schon gut verdienen eine deftige Lohnerhöhung von über 2 Euro mehr pro Stunde durchgesetzt (fast 16 Euro) während bei unseren Kollegen nur wenige Cent mehr pro Stunde rauskamen (8,23 Euro). Die selben verlogenen Heuchler von Ver.di & Co fordern angeblich einen Mindestlohn von 8,50 Euro. Wie wäre es denn erstmal selbst vernünftige Tarifverträge abzuschließen?

Aber was besonders ärgerlich ist, ist der Umstand, dass eine Firma Arbeitnehmer einfach tagelang unbezahlt zuhause auf weitere Arbeit warten lässt, und dass diese Firma einer der größten Sicherheitsdientsunternehmen in Deutschland ist mit vielen Auftraggebern aus der Industrie und auch der öffentlichen Hand. Diese große Firma speist Mitarbeiter mit Hungerlohn ab und bekommt auch noch viele öffentliche Aufträge von Kommunen, kommunalen Unternehmen und Landesbehörden. Laut Firmenwerbung ist man sogar auf Wachstumskurs, nur eben nicht bei den Löhnen, die bleiben unten, außer beim Flughafen. Die Arbeitsverträge sind auch so formuliert, dass der Arbeitnehmer nie weiß wieviel Arbeitsstunden und Arbeitslohn am Monatsende herauskommen; die totale Unsicherheit bei einem Sicherheitsunternehmen wenn es um die Bezahlung geht.

Mir reicht es jetzt… 😦

Klassengesellschaft

29. Juli 2011

Die letzten Tage habe ich von einem Kollegen erfahren, dass er mit nur 140 Arbeitsstunden im Monat abgespeist wird, was einen Monatslohn von unter 900 EURO bedeuten würde.

Gleichzeitig habe ich auch in den Nachrichten gehört, dass in den Zeitungsredaktionen bald ein Streik wegen drohender Kürzungen beim 13. Monatsgehalt und eine Kürzung beim Einstiegsgehalt von knapp 3000 EURO(!) ausgerufen werden könnte. Von der gleichen Gewerkschaft, die in meiner Branche den Supertarifvertrag unterschrieben hat, der viele Kollegen mit unter 1000 EURO Monatslohn bedenkt und der auch für mich und meine Kollegen weder ein 13. Gehalt noch sowas wie Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld vorsieht. Die knapp 3000 EURO für Berufanfänger bei der Zeitung sind einen Streik wert, aber die unter dem Existenzminimum liegenden Löhne in der Sicherheitsbranche sind den werten Kollegen von „ver.di“ ziemlich gleich!

Offensichtlich sind Niedriglöhner auch für die Gewerkschaft nur Arbeitnehmer zweiter Klasse. Seit ich im Jahr 2000, auf Anraten des Betriebsrates übrigens, meinen gutbezahlten Job im Bergbau gegen eine Abfindung und Umschulung aufgegeben habe kenne ich die Arbeitswelt nur noch aus der Sicht eines unterbezahlten Arbeitnehmers zweiter Klasse, da nützen mir nur nebenbei bemerkt auch meine ganzen beruflichen Qualifikationen nichts. Und egal in welchem Betrieb ich als Leiharbeiter oder später als Sicherheitsfachkraft eingesetzt war: überall konnte ich die riesigen Lohnunterschiede zwischen den Kollegen aus dem Betrieb und mir und meinen Kollegen von der Unternehmerfirma sehen. Da arbeitete der Schlosser von der Stammbelegschaft des Betriebes für 20 EURO die Stunde während mein Kollege, der selbst als Schlosser mindestens genauso qualifiziert war, für die gleichen Arbeiten mit unter 10 EURO die Stunde bezahlt wurde. Auch in anderen Bereichen waren Lohnunterschiede von 100% (!) gar nicht selten. Mir fiel aber noch nie auf, dass die Gewerkschaften im alltäglichen Arbeitsleben irgendwie was gegen diese unterschiedliche Bezahlung unternommen hätten. Auch von den Betriebsräten, die es in einigen Sicherheitsunternehmen gibt ist mir nicht bekannt, dass sie sich ernsthaft für Verbesserungen der Arbeitsbedingungen eingesetzt hätten. So gibt es heute so miese Arbeitsverträge, mit dem Segen von Gewerkschaft und Betriebsräten, die dem Arbeitnehmer keinerlei Lohnsicherheit bieten, so dass man nie weiß was im nächsten Monat auf dem Lohnzettel stehen wird!

Aber im öffentlichen Dienst oder bei Zeitungen sowie anderen Bereichen mit guter Bezahlung wird schnell mit Streik gedroht um fast 3000 EURO Einstiegsgehalt oder Stundenlöhne von über 20 EURO sowie 13. oder 14. Monatsgehalt durchzusetzen. Sich mal mehr für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen im Sicherheitsgewerbe einzusetzen ist den feinen Kollegen aus dem Gewerkschaftsapparat wohl nicht so wichtig. Da stört man sich auch nicht daran, dass der schlechtverdienende Kollege in der Kantine mehr bezahlen und jeden Monat um seinen spärlichen Lohn bangen muss.

„Zwei von denen rausschmeißen damit einer von uns bleiben kann…“

Stattdessen setzen sich Betriebsräte in großen Firmen eher dafür ein, den Fremdfirmenmitarbeiter aus dem Betrieb zu kegeln und somit arbeitslos zu machen um die hochbezahlten Arbeitsplätze der Stammbelegschaft zu schützen. Das zeigt was viele Gewerkschaftsfunktionäre mit „Solidarität“ wirklich meinen, nämlich die Interessensvertretung der gutbezahlten privilegierten Arbeitnehmer. „Solidarität“ mit Niedrigverdienern könnte ja auch mal bedeuten sich mehr für eine Anhebung der Löhne im Niedriglohnbereich einzusetzen oder Manteltarifverträge mit besseren Arbeitsbedingungen festzuschreiben anstatt Streiks für Luxuslöhne zu führen.

Zum selben Thema —> „Ich bin auch nur ausgeliehen…“

Kleingeld

Gerade habe ich in den Nachrichten gehört, dass die Zeitungsjournalisten streiken wollen um ihre Gehälter vor Kürzungen zu schützen!

Als Arbeitnehmer bin ich natürlich mit anderen Kollegen solidarisch wenn diese um ihren Lebensunterhalt kämpfen. Aber als ich hörte, dass Journalisten schon mit ihrem Einstiegsgehalt fast 3000 EURO Monatsgehalt haben und davon sogar 13,75 Monatsgehälter bekommen habe ich jedes Gefühl von Solidarität verloren und stattdessen die Einsicht gewonnen, dass manche Kollegen gar nicht wissen wie gut es ihnen geht und wie die Realität auf dem heutigen Arbeitsmarkt aussieht. Mein Kollege, der für ca. 1100 EURO(!) im Monat im WAZ-Verlagshaus an der Pforte arbeitet wäre froh wenn er auch nur die Hälfte des Geldes bekäme, dass Berufsanfänger in den Redaktionen des WAZ-Konzerns bekommen, von den schlechten Bedingungen in seinem Arbeitsvertrag mal gar nicht zu sprechen.

Die großartigen Kollegen von der Gewerkschaft ver.di, die sich so gerne in der Rolle des Revolutionärs gefallen sollten vielleicht mal darüber nachdenken ob sie nicht erst für diejenigen mehr tun, die nun wirklich für wenig Geld arbeiten müssen anstatt für die privilegierten Gutverdiener in den Verlagshäusern einen Streik auszurufen, die nebenbei bemerkt gerade bei der WAZ/NRZ vor allem mehr durch Parteipropaganda als durch guten Journalismus aufgefallen sind!

Die Sicherheitsleute werden von ver.di jedenfalls mit einem ziemlich armseligen Tarifvertrag bedacht in dem es weder ein 13. Monatsgehalt bzw. „Weihnachtsgeld“ gibt noch so etwas wie Urlaubsgeld!

Hier verdient das Kapital!

Es gibt wenig Geld und wenig Arbeit für zuviele Leute im Werkschutz!

Heute habe ich erfahren, dass es vielen Kollegen schlecht geht weil auch deren Lohnzahlung jeglicher Beschreibung spottet! Heute wollte ich mir ja wegen meiner missratenen Lohnabrechnung meinen Chef vorknöpfen. Allerdings habe ich heute auch erfahren, dass er eigentlich auch ziemlich hilflos ist in dieser schwierigen Situation! Denn unser Auftraggeber, ein großer milliardenschwerer Weltkonzern, stellt fast täglich die Personalplanung um und bestellt einfach von ein auf den anderen Tag die Leute wieder ab, die erst kurz zuvor verlangt worden waren. Erst sollten drei Werkschützer am Tor sein dann nur zwei! Dann sollten zwei einen bestimmten Betriebsteil überwachen um heute nur noch mit einem Mann vor Ort zu sein.

Wegen dieser ständigen Änderungen ist unsere Firma gezwungen die Kollegen auf Reserve zu halten. Dank eines beschissenen Tarifvertrags von „ver.di“ (Schande über diese Gewerkschaft!) bekommen die Kollegen diese Zeit in der sie nicht zum Dienst gerufen werden nicht bezahlt!

Stattdessen werden sie dann zur ARGE geschickt wenn der kümmerliche Lohn dann zum Leben nicht ausreicht. Wenn der Weltkonzern dann doch wieder mehr Leute braucht werden sie wieder urplötzlich von einen auf den anderen Moment zur Arbeit gerufen.

Eine stille Reserve, vom Steuerzahler über „HARTZ IV“ (aufstockende Hilfe zum Lebensunterhalt) finanziert damit ein milliardenschwerer Konzern Kosten sparen und mehr Gewinn machen kann!

Und für diese staatlich finanzierte Arbeitnehmer-Reservebank stellt unsere Firma mehr Leute ein als eigentlich gebraucht werden. Nur, dass dann die betroffenen Kollegen in die Armut abstürzen trotz Arbeitsplatz. Ein richtig perverses System zum Nutzen des Kapitals mit Hilfe der aSozialdemokraten etabliert. Aber so kann man ja auch die offiziellen Arbeitslosenzahlen senken!

Als Arbeitnehmer ist man diesem System richtig ausgeliefert. Und so langsam wird mir klar, dass wir für die Gewerkschaft nur Arbeitnehmer 2. Klasse sind. Unsere Tarifverträge sind mies und als Hungerlöhner spricht man uns auch nicht an. Mein Eindruck ist, dass Gewerkschaften sich nur für die Stammbelegschaften mit relativ hohen Löhnen einsetzen. Da sind die Preise in der Kantine nur ein kleines Beispiel für!

Ich denke inzwischen nur noch an Kündigung. Heute werde ich aber nochmal Krach im Firmenbüro schlagen um Geld zu fordern und mit einer Anzeige wegen Lohnbetrug drohen!

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