Heute habe ich einen Blog entdeckt, der minutiös die Loveparade-Katastrophe dokumentiert. Videos von verschiedenen Quellen zeigen die Ereignisse teilweise hautnah.

Der Blog heißt „Dokumentation der Ereignisse zur Loveparade 2010 in Duisburg„.

Der Blogautor bemüht sich das Geschehen zwischen Tunnel und Rampe sowie den Treppenaufstieg genau zeitlich korrekt wiederzugeben. Wer sich also eine Meinung bilden will und dabei nicht den Schlagzeilen der WAZ-Propagandamedien vertrauen will sollte einen Blick auf diesen Blog werfen sowie die zahlreichen YouTube-Videos betrachten.

In vielen Kommentaren berichten und diskutieren Augenzeugen kontrovers was sie erlebten, hier ein Beispiel:

„…Die verhängnisvollen 8 Minuten von 16:54 bis 17:02

Als Grundlage für die folgenden Schilderungen dienen u. a. die Videos von pizzamanne, struppi04, coolwojtek, mbreezer1, backtony (new assembled von helgem612), bstadtfilms und weitere Videos.

Phase 1: 16:54 bis 16.56
Um 16:54 verliert der erste Besucher die Nerven. Er hechtet sich vom Sockel unter dem rosa Plakat auf die Köpfe der Eingezwängten, versinkt aber aufgrund seiner geringen Körperfülle selbst in der Menge. In den nächsten 2 Minuten folgen 5 weitere Übersteigungen, welche die Lage in der Nähe der Treppe dramatisch verschärfen. Der Filmer Pizzamanne z. B. versinkt dabei selbst in der Menge.

Phase 2: 16:56 bis 17:00
Um 16:56 erfolgt der 1. Absturz des weißen Kletterers mit der kurzen Hose in der Mitte vor dem rosa Plakat, als er versucht sich an einem Seil hochzuziehen. Dadurch kommen weitere Personen vor dem Plakat in Schieflage. Bis 17:00 gibt es 5 dokumentierte Übersteigungen, darunter auch 2 Frauen. Zwischendurch etwa um 16:57 gibt es noch den Absturz des Kletterers mit dem knallgrünen Shirt und der weißen Hose von dem Schild links neben der rosa Tafel. Sofort danach erklimmt das grüne Männchen abermals das Schild und verharrt am rechten Rand des rosa Plakats.

Phase 3: 17:00 bis 17:02
Ziemlich genau um 17:00 setzt der parkende grüne Polizeiwagen, der etwa in Höhe des rosa Plakats steht, seine Fahrt fort. Im zügigen Schritttempo fährt er in Richtung Rampe. Genauso zügig gehen die Gäste hinter dem Wagen her. Der Strom hinter dem Wagen wird schnell immer breiter, da die bis dahin eingekeilten Menschen aus beiden Tunneln endlich weiter gehen können. Insbesondere die aus dem von Westen kommenden Tunnel nachströmende Menschenmenge baut Druck auf. Es gibt eine regelrechte Wellenbewegung, die von den eingekeilten Leuten vor der Treppe und denen vor dem dreieckförmig angeordneten Absperrgitter rechts von der Treppe zurück geworfen wird. Die zurück laufende Menschenwelle dauert etwa 4 Sekunden und wirft eine Traube von Menschen zwischen Plakat und Treppe um. Sie verknäulen sich ineinander. Einige erkennen ihre Chance jetzt die Treppe zu erreichen, indem sie die gestapelten, gegeneinander versetzten Menschen als Rampe benutzen. Kurz darauf gibt es mindestens weitere 8 dokumentierte Übersteigungen. Um 17:02 stürzt zu allem Überfluss das ursprünglich grüne Männchen jetzt mit weißem Shirt mitsamt der oberen Metallleiste des rosa Plakats in die bereits am Boden Liegenden und wird kurz darauf selbst zum Überkletterer…“


Eine Polizeisperre vor der Rampe (Quelle: unbekannt, im Google-Cache gefunden)


Sperrlinienplan der Polizei (Quelle: NRW-Innenministerium)

Eigentlich wäre es ja die Aufgabe der Presse möglichst genau zu recherchieren wie es zur Tragödie kommen konnte anstatt schnelle Urteile zu fällen. Aber leider haben wohl viele Journalisten keine Zeit oder kein Interesse an der Aufklärung und Information der Bürger. Da kann man als kritisch denkender Mensch nur froh sein, dass es im Netz viele engagierte Leute gibt, die ihren Beitrag zur Information der Menschen leisten!

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Verantwortung und Schuld

27. Juli 2010

Am Tag 3 nach der Katastrophe mehren sich immer mehr Anschuldigungen, Spekulationen und Wut. Ich selbst bin immer noch fassungslos und kann immer noch nicht verstehen wie das Drama auf der Loveparade geschehen konnte!

Was mich aber völlig irritiert sind die vielen Experten, die nun in den Medien auftauchen und behaupten sie hätten schon vor längerer Zeit vor der Loveparade und den Sicherheitsgefahren gewarnt. Ich frage mich nur wieso ich in den letzten Wochen nie was von irgendwelchen Sicherheitsproblemen gehört habe und es immer hieß das von allen Beteiligten erarbeitete Sicherheitskonzept wäre gut ausgearbeitet worden.

Eine heftige Kontroverse um die Loveparade gab es nur Anfang des Jahres. Und es gab sogar einzelne Leute, die die Loveparade nicht wollten. Allerdings aus finanziellen Gründen! Kann sich Duisburg in Zeiten knapper Kassen ein großes Technospektakel leisten fragten die Kritiker. Ein anderes Argument gegen die Loveparade war die Schadstoffbelastung am alten Güterbahnhof.

Sicherheitsfragen spielten bei der intensiven Diskussion Anfang des Jahres keine Rolle! Die SPD setzte sogar in einer Sondersitzung des Rates der Stadt einen Antrag durch in dem die Durchführung der Loveparade begrüßt wurde wenn sie denn der Stadt kein Geld kostet. Dieser Antrag wurde am 20. Februar einstimmig(!) beschlossen.

Jetzt nach der Katastrophe möchten sich viele wahrscheinlich nicht mehr daran erinnern. Auf jeden Fall stehen quälende Fragen im Raum wie es zur Katastrophe kommen konnte und wer da Schuld auf sich geladen hat:
wieso hat die Polizei, wenn sie denn wirklich so große Bedenken hatte, nicht die ganze Veranstaltung untersagt?! Das Veranstaltungskonzept war doch mit allen Beteiligten abgesprochen!

Oder war die ganze Planung fehlerhaft?!

Haben die Einsatzkräfte während der Loveparade schwere Fehler gemacht?! Wurden die Absperrungen nicht schnell genug geöffnet als es zu Drängeleien und gefährlichen Ansammlungen kam?! Eine Teilnehmerin berichtete im Radio sie wäre von Polizisten in die Masse im Tunnel an der Karl-Lehr-Straße zurückgeschickt worden als sie daraus fliehen wollte!!!

Es gibt soviele offene Fragen wie Mutmaßungen und Spekulationen. Auch der Hinweis von Teilnehmern, dass das Festivalgelände gar nicht richtig voll war macht mich stutzig. Hat am Ende das Zusammenspiel von Polizei und Veranstaltern während der Loveparade nicht geklappt???

Für mich weisen die vielen Aussagen von Betroffenen darauf hin, dass es wohl einige Schuldige gibt und keinen Alleinschuldigen.

Auf „EinsLive“ hat ein Raver ins Kondolenzbuch geschrieben: „ich war auch schuld, denn ich gehörte auch zur Masse, die sich durch den Tunnel drängte und Leute zerquetschte„!

Ich selbst bekomme heute noch ein schlechtes Gefühl in der Magengegend wenn ich daran denke, dass ich auch im Februar für die Loveparade gestimmt habe!

Familie statt Loveparade

25. Juli 2010

Gestern Mittag habe ich meine Frau und meinen Sohn vom Flughafen abgeholt. Danach wollte ich eigentlich zur Loveparade fahren für die ich sogar eine Einladung in den VIP-Bereich hatte!

Als wir aber gegen halb zwei zuhause ankamen hatte ich keine Lust mehr zum großen Spektakel nach Duisburg zu fahren. Stattdessen genoß ich den Nachmittag lieber mit meiner Familie, die ich in den letzten Wochen nicht sehen konnte. Zumal ich im Radio gehört hatte, dass die Duisburger Innenstadt völlig dicht sei und es sowieso kein Durchkommen mehr geben würde.

Da dachte ich noch die Loveparade würde ein voller Erfolg werden und bedauerte ein wenig nicht dabei zu sein!

Einige Stunden später auf dem Weg zur Arbeit musste ich dann im Radio hören, dass die große Technoparty zur Katastrophe ausgeartet war. Mal von der Erleichterung abgesehen, dass ich doch nicht zur Loveparade gefahren war, war ich schockiert als ich von „mindestens 10 Toten“ hörte. Später wurden es 15, 17, 18 und letztlich sogar 19 Tote und 342 Verletzte! Was für ein grauenhaftes Desaster! Ich kann es immer noch nicht fassen!!!

Ständig sah ich während meiner Streifengänge auch auf der Straße Blaulicht und über mir kreisten Hubschrauber. Diesen Tag wird nicht nur Duisburg niemals vergessen!

Alle Welt fragt sich jetzt wie dieses Unglück passieren konnte. Es war doch alles angeblich so gut vorbereitet worden. Alle Beteiligten, ob Stadt, Veranstalter oder Polizei hatten das doch vorher versichert! Auf jeden Fall wird nun ermittelt und untersucht. In den nächsten Tagen erwarten alle das offizielle Ermittlungsergebnis und hoffentlich wissen dann auch alle was zur Katastrophe führte. Dann müssen Konsequenzen gezogen werden.

Auf „Radio Duisburg“ hörte ich gestern abend auch schon die ersten schnellen Schuldzuweisungen bevor überhaupt geklärt ist was genau geschah. Das roch schon nach politischer Instrumentalisierung, und das finde ich angesichts der Toten einfach nur schäbig!

Als Ratsherr fühle ich mich für das Unglück auch ein wenig mitverantwortlich, zumindestens grundsätzlich. Schließlich haben ja alle Ratsmitglieder, also auch ich, einstimmig für die Durchführung der Loveparade gestimmt.

Seit gestern abend bin ich in depressiver Stimmung! Im Moment kann ich nur mein Beileid für die Angehörigen der Opfer ausdrücken.

Make Love, not War!

5. Februar 2010


Homepage der Loveparade http://www.loveparade.com

Wird unsere Stadt das weltweit beachtete Großereigniss Loveparade einfach von dannen ziehen lassen und damit auch geschätzte 100 Millionen EURO Mehrumsatz vor Ort?!

Dass die Stadt finanziell ziemlich unten ist dürfte jedem bekannt sein! Und die Loveparade kostet erstmal Geld bevor sie welches einbringt! Schätzungsweise bis zu 840.000 EURO werden an Vorbereitungskosten auf unsere Stadt zukommen. Dafür bekommen wir aber auch weltweite Beachtung, 1 Million Besucher und laut Experten 100 Millionen EURO mehr an Umsatz im Einzelhandel, Gaststätten, Hotels und anderem Gewerbe!

Nun gibt es auch Leute, die sagen wir müssen dieses Topevent sausen lassen weil in Zeiten der schmerzhaften Kürzungen und Schließungen kein Geld für eine gigantische Technoparty geopfert werden darf. Aber wenn einem dadurch viel mehr an Geld verloren geht kann das doch auch nicht richtig sein!

Soll in Duisburg gar nichts mehr gemacht werden und die Stadt demnächst nur noch ihr Geld in Soziales und Schuldenabbau stecken? Das kann es auch nicht sein wenn diese Stadt jemals wieder aus dem Jammertal kommen soll! Es muss auch weiterhin investiert werden um aus unserer Stadt wieder ein wirtschaftlich gesundes Gemeinwesen machen zu können!

Deswegen muss es auch weiterhin wirtschaftlich sinnvolle Großprojekte geben, wie eben auch die Loveparade. Aber natürlich muss auch alles versucht werden um die Kosten für unsere Stadtkasse so gering wie möglich zu halten!!!

Ich selbst bin ja kein typischer Besucher der Loveparade, aber bei der Abwägung des Für und Widers sprechen die Argumente eher für eine Ausrichtung. Nur leider wird darüber ja schon sowas wie ein Meinungskrieg in den Lokalblättern und diversen Internetforen geführt, der inzwischen ziemlich frei von Sachargumenten ist dafür aber sehr verdächtig nach Wahlkampf aussieht!

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