Sachkundeprüfung

Sachkundeprüfung im Bewachungsgewerbe nach § 34a der GewO

Als ich vor fast 10 Jahren meine Sachkundeprüfung für das Bewachungsgewerbe ablegte hieß es das sei schon bald der neue Standard im Sicherheitsbereich um die Branche aus der Schmuddelecke der tumben schlagkräftigen Türsteher und Rambos herauszuholen. Bei vielen Industriebetrieben ist die Sachkundeprüfung auch schon seit Jahren Mindeststandard für den Werkschutz.

Leider gilt aber im hart umkämpften Markt der Sicherheitsdienstleistungen bis heute, dass häufig nur der (billige) Preis zählt. Eigentlich sollte die Sachkundeprüfung für eine bessere Qualifizierung der Wachleute in allen Bereichen sorgen. Wenn aber private wie öffentliche Auftraggeber nur die billigsten Anbieter nehmen und um Geld zu sparen auf den Qualitätsstandard pfeifen nützt das Angebot der Weiterbildung eben nicht viel. Offensichtlich haben öffentliche Auftraggeber wie das Land NRW, also die gleichen Leute, die jetzt so medial wirksam Krokodilstränen über die Misshandlung von Flüchtlingen durch einige Wachleute vergießen jahrelang auf Qualitätsstandards gepfiffen.

Sachkundeinhalte

Qualitätsstandard für das Bewachungsgewerbe

Als ich vor 8 Jahren für den Bayer-Werkschutz arbeitete erklärten mir die Kollegen, dass Bayer zugunsten von qualifizierten Sicherheitsmitarbeitern und um keine zweifelhaften Typen im Werkschutz zu bekommen lieber etwas mehr Geld ausgibt, Billigangebote grundsätzlich ausschlägt und bei allen Mitarbeitern im Sicherheitsbereich die Sachkundeprüfung als Minimalvoraussetzung (!) verlangt. Wieso lässt aber das Land, also auch der Herr Innenminister Jäger, seit etlichen Jahren Flüchtlinge von Wachleuten ohne Sachkundeprüfung bewachen? Jetzt wo der Skandal um misshandelte Asylbewerber den Minister unter Druck setzt soll die Sachkundeprüfung verlangt werden. Vorher wurden offensichtlich lieber zweifelhafte wie billige Sicherheitsdienste in Anspruch genommen. Geiz ist geil war wohl auch bei den Landesbehörden angesagt, die für die Flüchtlingsheime zuständig sind. Innenminister Jäger und seine Chefin, die „Landesmutter“ Kraft sollten sich mal nach ihrer eigenen Verantwortung für den Skandal fragen.

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Arbeitsplatz

Arbeit ohne Arbeit

Geschichte wiederholt sich manchmal, meine Geschichte von schlecht bezahlten und unsicheren Arbeitsplätzen leider auch immer wieder.

Mein Arbeitgeber hat mir bis heute keinen Dienstplan für April zugeschickt, und wir sind immerhin schon im April. Das bedeutet wieder ohne Bezahlung zuhause rumzuhocken. Es gibt zur Zeit angeblich keine Aufträge, vielleicht haben aber auch die Kollegen Recht, die sagen, dass ich jetzt von der Firma dafür bestraft werde, dass ich einen Einsatzleiter in Düsseldorf wegen Körperverletzung angezeigt und den Niederlassungsleiter nach einer Arbeitnehmervertretung gefragt habe. Sowas mag die Firmenleitung natürlich überhaupt nicht.

Wie dem auch sei, ich werde jetzt schon wieder mit sehr wenig Geld mich und meine Familie über Wasser halten müssen. Irgendwie bekomme ich Lust meinen Chef mit einem Baseballschläger in seinem Büro zu besuchen, allerdings nicht um Baseball zu spielen. Auf jeden Fall suche ich mir jetzt einen neuen Arbeitsplatz, was mich nur so sehr ärgert ist der Umstand, dass eine Firma ihre Arbeitnehmer ganz legal einfach ohne Lohn unter Vertrag halten kann und mit haltlosen Versprechungen vertröstet. Nach über drei Jahren Arbeit zu allen Tages- wie Nachtzeiten auf unsicheren Baustellen, Schrottplätzen, Logistikzentren und in Bürogebäuden zeigt die Firma so gut wie keine Wertschätzung für meine Arbeitsleistung. Andere Kollegen haben aber auch das selbe Problem, es betrifft also nicht nur mich. Dass die Menschen sich und ihre Familien nicht versorgen und sich nicht arbeitslos melden können obwohl sie faktisch keine Arbeit haben interessiert die Chefs nicht. Vielleicht muss jemand mal sehr lautstark und energisch im Firmensitz an die sogenannte Fürsorgepflicht des Arbeitgebers erinnern.

Was kann man in so einer existenziellen Situation sonst noch tun? Ist es rechtlich erlaubt einen Arbeitnehmer über längere Zeit ohne Lohn im Arbeitsverhältnis „festzuhalten“ obwohl keine Arbeit und damit auch kein Arbeitslohn vorhanden ist? Diese Frage werde ich rechtlich prüfen lassen. Auf keinen Fall werde ich tatenlos zusehen wie ich ohne Arbeitslohn in die Armut schlittere, eher werde ich meinen Chef das Leben zur Hölle machen.

Und jetzt gucke ich erstmal in den Stellenmarkt.

Klassengesellschaft

29. Juli 2011

Die letzten Tage habe ich von einem Kollegen erfahren, dass er mit nur 140 Arbeitsstunden im Monat abgespeist wird, was einen Monatslohn von unter 900 EURO bedeuten würde.

Gleichzeitig habe ich auch in den Nachrichten gehört, dass in den Zeitungsredaktionen bald ein Streik wegen drohender Kürzungen beim 13. Monatsgehalt und eine Kürzung beim Einstiegsgehalt von knapp 3000 EURO(!) ausgerufen werden könnte. Von der gleichen Gewerkschaft, die in meiner Branche den Supertarifvertrag unterschrieben hat, der viele Kollegen mit unter 1000 EURO Monatslohn bedenkt und der auch für mich und meine Kollegen weder ein 13. Gehalt noch sowas wie Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld vorsieht. Die knapp 3000 EURO für Berufanfänger bei der Zeitung sind einen Streik wert, aber die unter dem Existenzminimum liegenden Löhne in der Sicherheitsbranche sind den werten Kollegen von „ver.di“ ziemlich gleich!

Offensichtlich sind Niedriglöhner auch für die Gewerkschaft nur Arbeitnehmer zweiter Klasse. Seit ich im Jahr 2000, auf Anraten des Betriebsrates übrigens, meinen gutbezahlten Job im Bergbau gegen eine Abfindung und Umschulung aufgegeben habe kenne ich die Arbeitswelt nur noch aus der Sicht eines unterbezahlten Arbeitnehmers zweiter Klasse, da nützen mir nur nebenbei bemerkt auch meine ganzen beruflichen Qualifikationen nichts. Und egal in welchem Betrieb ich als Leiharbeiter oder später als Sicherheitsfachkraft eingesetzt war: überall konnte ich die riesigen Lohnunterschiede zwischen den Kollegen aus dem Betrieb und mir und meinen Kollegen von der Unternehmerfirma sehen. Da arbeitete der Schlosser von der Stammbelegschaft des Betriebes für 20 EURO die Stunde während mein Kollege, der selbst als Schlosser mindestens genauso qualifiziert war, für die gleichen Arbeiten mit unter 10 EURO die Stunde bezahlt wurde. Auch in anderen Bereichen waren Lohnunterschiede von 100% (!) gar nicht selten. Mir fiel aber noch nie auf, dass die Gewerkschaften im alltäglichen Arbeitsleben irgendwie was gegen diese unterschiedliche Bezahlung unternommen hätten. Auch von den Betriebsräten, die es in einigen Sicherheitsunternehmen gibt ist mir nicht bekannt, dass sie sich ernsthaft für Verbesserungen der Arbeitsbedingungen eingesetzt hätten. So gibt es heute so miese Arbeitsverträge, mit dem Segen von Gewerkschaft und Betriebsräten, die dem Arbeitnehmer keinerlei Lohnsicherheit bieten, so dass man nie weiß was im nächsten Monat auf dem Lohnzettel stehen wird!

Aber im öffentlichen Dienst oder bei Zeitungen sowie anderen Bereichen mit guter Bezahlung wird schnell mit Streik gedroht um fast 3000 EURO Einstiegsgehalt oder Stundenlöhne von über 20 EURO sowie 13. oder 14. Monatsgehalt durchzusetzen. Sich mal mehr für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen im Sicherheitsgewerbe einzusetzen ist den feinen Kollegen aus dem Gewerkschaftsapparat wohl nicht so wichtig. Da stört man sich auch nicht daran, dass der schlechtverdienende Kollege in der Kantine mehr bezahlen und jeden Monat um seinen spärlichen Lohn bangen muss.

„Zwei von denen rausschmeißen damit einer von uns bleiben kann…“

Stattdessen setzen sich Betriebsräte in großen Firmen eher dafür ein, den Fremdfirmenmitarbeiter aus dem Betrieb zu kegeln und somit arbeitslos zu machen um die hochbezahlten Arbeitsplätze der Stammbelegschaft zu schützen. Das zeigt was viele Gewerkschaftsfunktionäre mit „Solidarität“ wirklich meinen, nämlich die Interessensvertretung der gutbezahlten privilegierten Arbeitnehmer. „Solidarität“ mit Niedrigverdienern könnte ja auch mal bedeuten sich mehr für eine Anhebung der Löhne im Niedriglohnbereich einzusetzen oder Manteltarifverträge mit besseren Arbeitsbedingungen festzuschreiben anstatt Streiks für Luxuslöhne zu führen.

Zum selben Thema —> „Ich bin auch nur ausgeliehen…“

Immer längere Wege zur Arbeitsstelle und gekürzte Zulagen lassen meine Motivation zur Arbeit zu gehen langsam aber sicher auf unteres Kellerniveau fallen!

Besonders wenn auch noch willkürliche Lohnkürzungen dazukommen. Ein langgedienter Kollege meinte dazu auch, dass die Firma so etwas immer macht wenn Tariferhöhungen anstehen. Dann wird einfach die Objektzulage gekürzt, auf die man laut Arbeitsvertrag keinen Rechtsanspruch hat und schon verwandelt sich die vermeintliche Lohnerhöhung de facto in eine Lohnsenkung.

Da kann die Gewerkschaft ver.di noch so stolz auf ihre 13 Cent(!) mehr Tariflohn pro Stunde sein, wenn dafür 20 Cent Objektzulage verloren gehen nützt das einem kleinen Hungerlöhner wie mir überhaupt nichts!

Im Moment denke ich wieder darüber nach mir wieder einen neuen Job zu suchen. Für weniger Geld mehr zu arbeiten liegt mir nämlich überhaupt nicht! Zumal wenn Vorgesetzte bei Hinweis auf arbeitsrechtliche Normen so dumme Sprüche bringen wie „niemand zwingt dich für unsere Firma zu arbeiten„!!!

Auf der Arbeit lässt trotz Feiertagsprozenten die Stimmung deutlich zu wünschen übrig, jedenfalls sind die trüben Aussichten was den Arbeitsplatz angeht nun das beherrschende Thema beim Schichtwechsel!

Von einem älteren Kollegen, der wohl dem Betriebsrat angehört, habe ich heute morgen gehört, dass es viel zuwenig Arbeit gibt um alle derzeitigen Beschäftigten mit ausreichend Arbeitsstunden zu versorgen!

Er meinte dann auch noch er hätte es ja schon vorher gewußt, dass man nicht mehr Leute einstellen könne. Und bei mir meinte er sogar er hätte dem Bereichsleiter gesagt es gäbe nicht genug Arbeit als es letztes Jahr um meine Einstellung in die Firma ging. Im Klartext: er war dagegen mir einen Arbeitsvertrag zu geben!

Das bestätigt ja auch nur meine schon vorhandene Abneigung gegen Betriebsräte. Das sind eben vor allem Interessenvertreter für die etwas bessergestellten Arbeitnehmer!

Aber auch denen kann der Kollege Betriebsrat jetzt nicht mehr helfen. Die ersten Kollegen haben schon unschöne Post bekommen. Aber das ist wahrscheinlich immer noch besser als wenn man den ganzen Monat nur 22 Arbeitsstunden hat und den ganzen Jahresurlaub verbraten muss weil man sonst mit seinem Monatslohn weit unter das Existenzminimum fallen würde! So habe ich es gestern von einem anderen Kollegen erfahren.

Leider wird sich das wohl auch nicht bessern, denn nun wird in vielen Betrieben Kurzarbeit gefahren, und da braucht man dann auch weniger Sicherheitspersonal. Also von meiner gestrigen Hoffnung ist schon nicht mehr viel übriggeblieben!

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