„Neuanfang“ = Rückkehr zur Vergangenheit

18. Juni 2012

Rubinstein vorm "BabaSu"

Rubinstein vorm „BabaSu“

Am Abend eines langen wie deprimierenden Wahltages fuhr ich nach der Präsentation der Wahlergebnisse im Rathaus zum „BabaSu“ um Herrn Rubinstein nochmal zu seinem Ergebnis zu gratulieren und mit Piraten wie anderen Bekannten über das Ergebnis und die Zukunft Duisburgs zu reden.

Der gestrige Tag war gestern für viele politisch Handelnden in Duisburg eine große Enttäuschung, vorausgesetzt sie gehören nicht der SPD an. Die Genossen feierten natürlich ausgelassen ihren fast totalen Sieg, trotz eines blassen Kandidaten, der ungefähr soviel Charisma wie ein Kühlschrank ausstrahlte hat die SPD die absolute Mehrheit nur knapp verpasst. Der CDU-Kandidat ist bei 21% gelandet, es tat mir um Benno Lensdorf leid, ich hatte aber damit gerechnet, dass die Wähler ihm und seiner Partei einen Korb geben würden. Offensichtlich wollen die wenigen Bürger dieser Stadt, die überhaupt noch wählen gehen mehrheitlich wieder zurück zu alten SPD-Zeiten mit Filz und Schuldenmacherei.

Dass das ganze Gerede vom „Neuanfang“ auf SPD-Seite nur hohles Geschwätz war um wieder die alte totale Macht in Duisburg zu erlangen konnte man auch daran erkennen wie der Obermoralo Krings, der sich in den letzten zwei Jahren mit Hilfe der WAZ-Propagandamedien zur obersten moralischen Instanz der Stadt aufgespielt hatte ganz freudig bei seinen Genossen den Sieg mitfeierte. Herr Rubinstein nahm sein Ergebnis gelassen an und bedankte sich bei denjenigen, die ihn aufmunterten. Immerhin ist es ihm gelungen aus dem Stand heraus als unabhängiger Kandidat, den vor 3 Monaten kaum ein Mensch kannte 11,58% der Stimmen zu holen. Das ist beachtlich, und dafür haben neben vielen unabhängigen Bürgern die FDP, die Piraten und zuletzt auch die DAL gekämpft. Wobei ich zugebe, dass wir uns zu lange Zeit gelassen haben mit unserer Entscheidungsfindung. Hätten wir früher zur Unterstützung von Michael Rubinstein aufgerufen wäre das Ergebnis vielleicht etwas besser gewesen. Aber es ändert nichts daran, dass leider die Mehrheit der Duisburger sich gar nicht für das Wohl ihrer Stadt interessiert oder wieder die alten SPD-Seilschaften demokratisch legitimiert. So bekommt diese Stadt nun das was sie verdient.

Überhaupt frage ich mich wo waren gestern die knapp 130.000 Wähler, die am 12. Februar 2012 Oberbürgermeister Sauerland aus dem Amt wählten? Die hätten doch gestern die besondere moralische Pflicht gehabt zur Wahl eines Nachfolgers in die Wahllokale zu kommen nachdem sie der Stadt die gestrige Wahl beschert hatten.

Ich werde heute mit meinen Vorstandskollegen von der DAL beraten müssen wie wir uns nun in den nächsten zwei Wochen verhalten sollen: die Stichwahl boykottieren, weil das Ergebnis eh schon feststeht, oder zur Wahl gehen um den Stimmzettel absichtlich ungültig zu machen um so zu zeigen, dass man die Rückkehr zu alten Verhältnissen ablehnt. Oder als weitere Alternative Bürgermeister Lensdorf unterstützen weil er gegenüber Sören Link, die bessere Wahl ist. Das wird wieder eine schwierige Entscheidung, und noch schwerer wird es sein die Mitglieder und Unterstützer zu motivieren sich für eine aller Wahrscheinlichkeit nach schon verlorene Sache einzusetzen.

Inzwischen denke ich auch darüber nach ob es nicht besser ist aus Duisburg wegzuziehen.

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4 Antworten to “„Neuanfang“ = Rückkehr zur Vergangenheit”

  1. Jürgen Rohn Says:

    Ich möchte hierzu mal Simone Semmel zitieren:

    „Wann fällt eigentlich mal jemandem auf, dass eine Einzelperson es aus dem Stand heraus von nur vier Monaten geschafft hat, Vertreter von gleich zwei etablierten Widerstandsparteien, nämlich die Grünen und DIE LINKE, locker zu übertrumpfen?!? Was wäre gewesen, wenn alle für diese Person einen lebhaften Wahlkampf geleistet hätten? Nicht auszudenken… Demokratie lohnt sich, aber der Wechsel lebt vom Tun. Klares Ergebnis: Die Richtung stimmt… und wir werden genau diesen Weg weitergehen. – Der ‚Neuanfang für Duisburg‘ lebt vorerst in einer gesunden Opposition.“

    • rai30 Says:

      Im Nachhinein muss ich auch sagen, dass Michael Rubinstein ein beeindruckendes Ergebnis erzielt hat. Aber, dass die Mehrheit der Bürger gar nicht wählt, und die Mehrheit der wenigen Wähler auch noch ausgerechnet der Partei mit ihrem blassen Jungparteisoldaten die Stimme gibt, die für jahrzehntelange Misswirtschaft in Duisburg steht finde ich absolut deprimierend.
      Vielleicht ist es besser aus dieser Stadt wegzuziehen, da es keine ernsthafte Hoffnung mehr auf Besserung gibt.

  2. Jürgen Rohn Says:

    >>>>Vielleicht ist es besser aus dieser Stadt wegzuziehen, da es keine ernsthafte Hoffnung mehr auf Besserung gibt.

    Das Grundgesetz definiert, dass alle Staatsgewalt vom Volke ausgehen soll. Nicht Ruhe in der Privatheit sondern Unruhe und Widerstand sind die erste Bürgerpflicht in dieser Situation.


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